Bundestagswahl 2017: Ein Tag, der die Republik verändert

Bundestagswahl 2017 : Ein Tag, der die Republik verändert

Bundestagswahl 2017 – das sind die Gewinner und Verlierer

Triumphe, Katastrophen, Wahlkreis-Duelle und eine Reihe Pannen – auch im Rheinland: ein Streifzug durch Deutschland am Wahltag.

Triumphe, Katastrophen, Wahlkreis-Duelle und eine Reihe Pannen — auch im Rheinland: ein Streifzug durch Deutschland am Wahltag.

  • Um 8 Uhr öffnen 73.500 Wahllokale überall in der Republik. Etwa 61,5 Millionen Deutsche sind aufgerufen, die Zusammensetzung des neuen Bundestags zu bestimmen. Allein 13,2 Millionen von ihnen leben in NRW.
  • Rund 60 Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind in Deutschland im Einsatz. Die Mission wird von George Tsereteli aus Georgien geleitet. Nach 2009 und 2013 sind Beobachter der OSZE zum dritten Mal bei einer Bundestagswahl dabei. Sie waren von der Bundesregierung eingeladen worden. Dies sei "übliche Praxis" der OSZE-Mitgliedstaaten, sagt Tsereteli.

Wahlhelfer bekommen falschen Schlüssel

  1. In Krefeld-Traar beginnt die Wahl mit einer Panne. Die Wahlhelfer haben den falschen Schlüssel bekommen und können das Wahllokal nicht öffnen. Da Wahlunterlagen und erste Wähler bereits da gewesen seien, habe eine "improvisierte Open-Air-Wahl" begonnen, berichtet Krefelds Wahlamtsleiter Hans-Jürgen Neuhausen. Wählen kann aber jeder, der will; die Menschen nehmen die Panne eher mit Humor. Ab 9.15 Uhr läuft dann alles normal.
  2. Bei der Kanzlerin ist es natürlich voll. Angela Merkel gibt ihre Stimme unter großem Medieninteresse zusammen mit ihrem Mann Joachim Sauer im Wahllokal der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte ab — und schweigt. Zumindest was öffentliche Statements angeht: Nach dem Gang zur Urne spricht sie kurz mit den Wahlhelfern.
  3. Schon früh erscheint SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in seinem Wahllokal in Würselen, Hand in Hand mit seiner Ehefrau Inge. "Ach, ist das hier, wo der Schulz wählt?", ruft er scherzend. Die Mitglieder des Wahlvorstands sind alte Bekannte. "Mir geht es gut", beteuert Schulz.
  4. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, 2009 noch unterlegener SPD-Kanzlerkandidat, schreitet wie Schulz zeitig zum Wahlakt. Geduldig reiht er sich mit seiner Frau Elke Büdenbender in einer Grundschule in Berlin-Zehlendorf in die Warteschlange ein, schüttelt Hände und redet mit anderen Wählern.

"Wir hatten seit 16.45 Uhr keine Stimmzettel mehr"

  1. Auch in der Region ist zumindest mancherorts der Andrang groß: In Duisburg-Rumeln müssen sich Wähler vor einem Wahllokal in eine lange Schlange einreihen, bevor sie ihre Stimme abgeben können. Wegen reger Beteiligung liefert die Stadt Köln in rund 200 Stimmbezirken Wahlzettel nach — per Taxi.
  2. Probleme auch in Mönchengladbach: In zehn Wahllokalen gibt es zu wenige Wahlzettel. Bürger müssen auf andere Wahllokale ausweichen. "Wir hatten seit 16.45 Uhr keine Stimmzettel mehr", sagt Wahlvorstand Sylvia Zanders im Stadtteil Ohler. Erst um 17.52 Uhr werden dort von der Stadt neue Stimmzettel geliefert: Wer so lange ausharrte oder ein zweites Mal das Wahllokal ansteuerte, konnte noch wählen.
  3. Auf dem Weg zu seinem Wahllokal im Berliner Bezirk Kreuzberg trifft Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir — offenbar zufällig — den Rapper John Magiriba Lwanga, Mitglied der Band Culcha Candela. "Auf dem Weg zum Wahllokal trifft man coole Leute", twitterte Özdemir daraufhin und postete ein Foto von sich und dem Musiker, beide lächelnd und mit Daumen-nach-oben-Pose.
  4. Viele Prominente geben noch am Wahltag Wahlempfehlungen ab, oft gegen die AfD. TV-Moderator Joko Winterscheidt postet einen Stinkefinger-Emoji, verbunden mit "@AfD". Entertainer Oliver Pocher stellt ein Bild online: In der Hand einen AfD-Werbezettel, den er über eine Mülltonne hält. Text dazu: "Ich habe mich getraut und die offizielle Wahlurne der AfD benutzt!"

Von der Leyen schafft den Einzug in den Bundestag nicht

  1. Panne in Düsseldorf: Im Wahlbezirk Garath (Wahlkreis 107) werden drei Stunden lang falsche Stimmzettel ausgegeben — die für den Wahlkreis 106. Dadurch sind 238 Erststimmen ungültig. Die Zweitstimme auf diesen Stimmzetteln bleibt gültig. Ein Einfluss auf den Gewinn des Direktmandats im Wahlkreis 107 sei aber möglich, teilt die Stadt mit. Im schlimmsten Fall müsste in dem Wahlkreis neu gewählt werden.
  2. Baden-Württembergs grüner Regierungschef Winfried Kretschmann muss nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" in Stuttgart bleiben, statt in Berlin an Fernsehrunden teilzunehmen. Sein Flug mit Air Berlin sei gestrichen worden, ein zweiter sei ausgebucht gewesen.
  3. Als Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Spätnachmittag in der Berliner CDU-Zentrale eintrifft, eilt er mit ernster Miene zum Hintereingang. Sonst gehört er zu denen, die wartende Journalisten erst einmal freundlich begrüßen. Dabei weiß de Maizière da noch nicht, dass das Ergebnis der Union so schlecht ist, dass seine Kabinettskollegin Ursula von der Leyen den Einzug in den Bundestag nicht schafft.

Martin Renner: "Ich hatte mit 16 Prozent gerechnet"

  1. 18 Uhr. Im Rathaus von Würselen, Martin Schulz' Heimatstadt, wird die Prognose bekannt. Weniger als 30 Leute sind da, keiner redet. Von draußen dringt Schlagermusik herein, nicht etwa von der SPD-Wahlparty, sondern vom Würselener Oktoberfest. Drinnen gibt es nicht viel zu feiern — aus der Traum von der "Kanzlerstadt". "Er hat gekämpft", sagt Eva Maria Voigt-Küppers, Landtagsabgeordnete für Würselen.
  2. Als die Wahllokale geschlossen sind, twittert FDP-Chef Christian Lindner: "Nur ein Wort: Danke." Seinen Anhängern ruft er später zu: "Ab jetzt gibt es wieder eine Fraktion der Freiheit im Deutschen Bundestag."
  3. Bei der AfD in Nordrhein-Westfalen dagegen bleibt der Jubel aus. Als in der Düsseldorfer Parteizentrale um kurz nach 18 Uhr die ersten Hochrechnungen 13,5 Prozent für die Partei anzeigen, bleibt es wider Erwarten still. "Ich hatte mit 16 Prozent gerechnet", sagt Vorstandssprecher Martin Renner. Rund ein Dutzend Parteimitglieder haben sich in dem nüchternen Raum eingefunden und ein paar Journalisten — das war's. Sie hätten ja gern gefeiert, betont Renner. Weil aber die Wahrscheinlichkeit groß sei, dass die Wahl manipuliert werde, habe man die Parteifreunde gebeten, in den Wahlbüros zu bleiben.

Viel diskutiert: die künftige Rolle von Armin Laschet