Biathlon 19/20: Olympiasiegerin Laura Dahlmeier studiert Sport in München

Biathlon-Saison 2019/20 : Olympiasiegerin Dahlmeier studiert Sport in München

Die neue Saison der Biathleten beginnt Ende November. Der Biathlon-Weltverband IBU hat auf seinem Kongress in München ein neues Regelwerk verabschiedet. In unserem Biathlon-Telegramm halten wir sie schon jetzt über alle Entwicklungen im Biathlon auf dem Laufenden.

Im Leben der Studentin Laura Dahlmeier kommt es mitunter zu komischen Begegnungen. Ein Kommilitone habe neulich von ihr wissen wollen, ob sie aus Österreich komme und Ski fahre, berichtet Dahlmeier, "und ob ich erfolgreich war". Sie grinst. "Ja, so a bissl", habe sie geantwortet.

In sechs Jahren im Weltcup hat die Ex-Biathletin 20 Einzelsiege gesammelt, 2017 gewann sie die Gesamtwertung. Stolze sieben WM-Titel hat Dahlmeier gewonnen, 2018 krönte sie ihre Laufbahn mit zwei olympischen Goldmedaillen. Ihr Rücktritt mit erst 25 Jahren im vergangenen Mai traf den Deutschen Skiverband (DSV) ins Mark. Erfolgreich? Also bitte!

Doch Dahlmeier wollte irgendwann raus aus dem Hamsterrad Leistungssport. "Ich hatte keine Lust mehr", erzählt sie im Haus des Ski des DSV in Planegg. Im Frühjahr habe sie Ski und Gewehr in die Ecke gestellt und gedacht: "Das schaue ich jetzt erst mal ein Jahr nicht mehr an. Ich hatte dafür keinen Nerv mehr."

Inzwischen ist Dahlmeier längst rückfällig geworden. Das Sportstudium an der TU München lastet sie nur geistig aus. "Es fällt mir schwer, stundenlang still zu sitzen", gibt sie zu. Nach einem Anruf ihrer ehemaligen Teamkollegin Maren Hammerschmidt kramte sie im Sommer die Skiroller hervor, auch die Waffe hat sie längst wieder aus dem Schrank geholt. Am 28. Dezember wird sie an der Seite von Erik Lesser auf Schalke ihr Abschiedsrennen bestreiten. "Ich bin ganz gut gerüstet", sagt sie.

"Per Zufall" kam Dahlmeier außerdem zum Berglauf. Nach guten Ergebnissen bei lokalen Wettkämpfen meldete sich der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), das Ergebnis des Gesprächs: Dahlmeier wird Mitte November an der Langstrecken-WM in Argentinien teilnehmen. "Ich habe da ganz andere Ambitionen als bei einer Biathlon-WM", sagt sie. Anstatt wie in ihrem alten Leben gewohnt die Medaillen anzugreifen, stehe "der Erlebnisfaktor im Vordergrund".

Überhaupt verspüre sie "keine Sehnsucht" nach dem Leistungssport, betont Dahlmeier. Aber eben einen unstillbaren Bewegungsdrang. Noch vor dem Medientermin war sie eine Stunde Laufen. "Ich ziehe die Turnschuhe an und bin glücklich", sagt Dahlmeier, zur Jeans trägt sie ein pinkfarbenes Sportshirt und passende Laufschuhe.

Die inzwischen 26-Jährige ist noch immer so schlank und sehnig wie zu aktiven Zeiten. Dabei hat sie neben dem Sport unglaublich viel zu tun. Da ist das Studium in der Stadt, deren Anonymität sie schätzt. Da ist ihr erstes Kinderbuch ("Die KlimaGang"), ihr Engagement für ein Klimaschutzprojekt ("Eagle Wings") - "nicht weil es hip ist", sondern weil die Natur schlicht schützenswert sei.

Außerdem macht sie nach dem C- jetzt auch den B-Trainerschein, "irgendwann" will sie ihr Wissen "an die richtigen Menschen weitergeben". Und wann immer es ihre Zeit erlaubt, hilft sie ehrenamtlich bei der Bergwacht in ihrer Heimatgemeinde Garmisch-Partenkirchen aus. Dort verarzte sie "diejenigen, die zu viel Jagertee getrunken haben", sagt Dahlmeier und lacht. So mancher Hilfebedürftiger soll beim Anblick der prominenten Ex-Athletin umgehend genesen sein, heißt es.

Im Winter will Dahlmeier auch im Weltcup vorbeischauen. "Das Herz für Biathlon ist groß", sagt sie, und dass die WM in ihrem Lieblingsort Antholz leider in die Uni-Prüfungszeit falle. Ihren Erbinnen traut sie einiges zu. "Wir müssen uns keine Sorgen machen", sagt Dahlmeier, "es wird weiter WM-Titel geben."

+++++ 21. Oktober 2019+++++

Biathlon-Weltverband beschließt neues Regelwerk

"Es gibt kein Zurück. Wir haben eine neue Ära des Biathlon eingeleitet", sagte der schwedische IBU-Präsident Olle Dahlin. Das einstimmig beschlossene Werk räumt einer unabhängigen Biathlon-Integritätsstelle (BIU) umfangreiche Rechte ein. Die Kommission soll zukünftig Fälle in den Bereichen Ethik und Anti-Doping-Kampf nicht nur untersuchen und verfolgen, sondern auch Befugnisse bei der Sanktionierung von Verstößen erhalten.

Bei von der BIU festgestellten Vergehen gegen Anti-Doping-Bestimmungen werde der Fall zur Urteilsfindung ohne Einmischung der IBU an die Anti-Doping-Abteilung des Internationalen Sportgerichtshofes (Cas) weitergegeben. "Jeder kann darauf vertrauen, dass alle potenziellen Probleme von einer starken unabhängigen Stelle behandelt werden", sagte der Vorsitzende der externen Überprüfungskommission Jonathan Taylor.

(RP/dpa/sid)
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