Biathlon-WM „Wie im Film“ – Heldin Schneider sichert Staffel-Bronze

Nove Mesto · Sophia Schneider wird diesen Tag wohl so schnell nicht vergessen. Kurz vor der Staffel erfährt sie von ihrem Einsatz. Und schafft dann das, woran viele nicht mehr geglaubt haben.

Janina Hettich-Walz (v.l.) aus Deutschland jubelt mit Sophia Schneider, Selina Grotian und Vanessa Voigt über Platz drei.

Janina Hettich-Walz (v.l.) aus Deutschland jubelt mit Sophia Schneider, Selina Grotian und Vanessa Voigt über Platz drei.

Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Im Zielbereich fiel die deutsche Mannschaft der unerwarteten Heldin Sophia Schneider euphorisch um den Hals, beim obligatorischen Foto schrie das DSV-Quartett dann lautstark seine Freude durch die Vysocina Arena. Dank einer nervenstarken Vorstellung von Ersatzfrau Schneider haben sich die deutschen Biathletinnen in einer emotionalen WM-Staffel Bronze gesichert - und dabei Personalsorgen und Material-Problemen getrotzt.

„Ich war gedanklich schon im Bus nach Hause“, sagte Schneider im Anschluss am ZDF-Mikrofon. Die 26-Jährige hatte erst wenige Stunden vor dem Start erfahren, dass sie für die gesundheitlich angeschlagene Franziska Preuß einspringen muss: „Die letzte Runde war wie im Film.“

Auf dieser brachte Schneider Deutschland mit Einzel-Silbermedaillengewinnerin Janina Hettich-Walz, Selina Grotian und Vanessa Voigt noch auf Platz drei - auch, weil sie beim letzten Schießen gerade so eine Strafrunde verhinderte. „Hut ab vor Sophia“, jubelte Teamkollegin Voigt, die wie Hettich-Walz zuvor über das erneut schwache deutsche Material geflucht hatte. „Der Tag hat gezeigt, dass man niemals aufgeben darf“, sagte Hettich-Walz erleichtert.

Am Ende standen neun Nachlader bei der deutschen Mannschaft. Trotz Patzern am Schießstand sicherte sich Topfavorit Frankreich Gold. Silber ging an Schweden.

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„Staffel ist immer ein Mega-Event, da freuen wir uns immer drauf“, hatte Preuß im Vorfeld betont. Doch Halsschmerzen bremsten sie aus. „Die Franzi zu verlieren, tut immer weh“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling.

Für Preuß rückte Schneider in die Mannschaft, die ihre Premiere als Schlussläuferin feierte. Nach dem Wechsel lag der Altersdurchschnitt des DSV-Quartetts bei gerade einmal 24,5 Jahren. Doch nicht nur die junge Aufstellung sorgte für Ungewissheit, auch über dem viel diskutierten Material schwebten vor den 4x6 Kilometern wieder einige Fragezeichen.

Bei fast zweistelligen Plusgraden und erneut schlechten Streckenbedingungen legten die 21 Mannschaften los, Hettich-Walz eröffnete für das deutsche Team. Im Einzel hatte sie mit ihren fehlerfreien Schießeinlagen die Basis für Silber gelegt - und auch in der Staffel trumpfte sie mit zwei sensationellen Schnellfeuerserien auf.

In der Loipe setzten sich die Probleme aber fort, beim Wechsel auf Grotian betrug der Abstand zur Spitze bereits gut 27 Sekunden. „Ich bin wirklich absolut fassungslos“, sagte Hettich-Walz nach ihrem Einsatz.

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Auch Grotian kämpfte zunächst, nach einem fehlerfreien Stehendschießen lag Deutschland aber plötzlich auf Podestkurs. Als dritte Läuferin ging Voigt in das Rennen - doch auch sie verlor viel Zeit. Nach ihrer Übergabe haderte sie im Zielbereich. Doch Schneider sorgte noch für das Happy End.

Nach der Staffel wartet in Nove Mesto nur noch ein Wettkampf auf die Frauen. Am Sonntag enden die Weltmeisterschaften traditionell mit dem Massenstart (13.45 Uhr/ZDF und Eurosport).

(dpa/sid/stja)
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