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Bayer 04 Leverkusen will die Europa League gewinnen

Auslosung der Europa League : Bayers nächster Anlauf für einen Titel

Der Turnierbaum für die Europa League steht. Setzt sich die Werkself im Achtelfinale gegen Glasgow durch, warten in der Runde der letzten Acht Inter Mailand oder der FC Getafe. Titelfavorit Manchester United droht erst im Endspiel.

Glücklich sahen die offiziellen der Uefa nicht aus, als Thomas Helmer ins Plaudern geriet. 1996 gewann der gebürtige Herforder mit dem FC Bayern München den Uefa-Pokal und wurde im gleichen Jahr mit Deutschland Europameister. Der 55-Jährige blickt nicht nur deswegen auf eine extrem erfolgreiche Karriere im Fußball zurück. Inzwischen ist er vor allem TV-Moderator. Und am Freitag war Helmer dafür zuständig, in Nyon (Schweiz), wo die Zentrale der Uefa ihren Sitz hat, den Turnierbaum der Europa League auszulosen – und damit auch den Weg der Werkself zu bestimmen.

Doch vorher wollte er noch unbedingt eine Anekdote loswerden. Dem stellvertretenden Uefa-Generalsekretär Giorgio Marchetti und Moderator Pedro Pinto erzählte er feixend, dass Franz Beckenbauer den Uefa-Pokal einst als „Cup der Verlierer“ schmähte – und schon verlor die funkelnd in Szene gesetzte Trophäe im Studio ein wenig von ihrem Glanz. Der Funktionär und Gastgeber der Auslosung lächelten galant, aber auch ein wenig gequält darüber hinweg.

Für Leverkusen geht es zunächst freilich mit dem Achtelfinal-Rückspiel gegen die Glasgow Rangers weiter. Das Duell bei den Schotten entschied die Mannschaft von Trainer Peter Bosz im März 3:1 für sich. Dann folgte die Corona-Zwangspause – und die Ungewissheit, ob das Rückspiel gegen das Team von Coach Steven Gerrard in der BayArena stattfinden kann. Inzwischen ist klar: es kann. Die Uefa hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass die Rückspiele im Achtelfinale der Europa League in den Stadien angepfiffen werden, in denen sie auch ursprünglich hätten stattfinden sollen. Damit trifft Bayer am 6. August (18.55/21 Uhr) auf die Rangers.

Nach dem wahrscheinlichen Weiterkommen winkt der Werkself ein Viertelfinale (10./11. August) gegen Inter Mailand oder den FC Getafe, deren Achtelfinale wegen der Pandemie noch nicht stattgefunden hat. Es wird auf neutralem Boden nachgeholt – in einem Spiel.

Der Modus mit K.o.-Duellen ist auch für das von der Uefa geplante Turnier der letzten Acht vorgesehen, das in Nordrhein-Westfalen ausgetragen wird. Genauer gesagt in Düsseldorf, Duisburg, Gelsenkirchen und Köln, wo am 21. August das Finale stattfindet. Das heißt im Klartext: Es wären für alle Teams nur noch vier Siege bis zum Titel nötig. Es ist nach dem verlorenen DFB-Pokalfinale Bayers letzte Chance, in dieser Saison „noch etwas zu reißen“, wie es unter anderem Sportgeschäftsführer Rudi Völler formulierte.

Geht es nach Simon Rolfes, kann es kein anderes Ziel geben. Am 23. Juli startet die Vorbereitung auf die Europa League. „Es geht dann für uns sofort in den Turniermodus – und der hält hoffentlich zwei Wochen an“, sagt der Sportgeschäftsführer. Bei nur drei Spielen bis zum Finale sei es entscheidend, „gut in den Wettbewerb zu starten und sich in einen Flow zu spielen. Wir werden uns von Runde zu Runde reinkämpfen müssen.“ Die Ambitionen sind klar, wie Rolfes betont: „Wir wollen ins Finale und das bestenfalls auch gewinnen.“

Geschäftsführer Fernando Carro freut sich über die „spannende Turnierform“, aber mahnt gleichzeitig, erstmal „unsere Hausaufgaben gegen die Glasgow Rangers zu machen.“ Wenn das gelinge, seien es nur noch zwei Siege bis zum Finale. „Dorthin wollen wir kommen, aber wir haben auch großen Respekt vor Teams wie Inter Mailand oder Getafe. Wir werden in diesem Turnier durchgängig unser höchstes Niveau anbieten müssen, um unsere Ziele zu erreichen.“

Ein Sieg im Finale, in dem frühestens der wohl am höchsten gehandelte Titelfavorit Manchester United warten könnte, wäre der größte Erfolg der Vereinsgeschichte seit dem DFB-Pokalsieg 1993. Fünf Jahre zuvor gewann Bayer im Finale gegen Espanyol Barcelona den Uefa-Pokal. Wie ein „Cup der Verlierer“ hat sich das damals wohl eher nicht angefühlt – und das wäre in diesem Jahr sicher nicht anders.