Fortuna gegen Borussia: Mit Reife zum Erfolg

Fortuna gegen Borussia : Mit Reife zum Erfolg

Friedhelm Funkel und Dieter Hecking sind die erfahrensten Trainer in der Bundesliga. Am Samstag treffen sie aufeinander.

Wer vor dieser Saison darauf gewettet hätte, dass Aufsteiger Fortuna Düsseldorf nach 26 Spieltagen den Klassenerhalt schon so gut wie sicher hat und Borussia Mönchengladbach, im Vorjahr nur Neunter, Vierter ist, hätte viel Geld verdienen können. Die Niederrhein-Nachbarn gehören wahrlich zu den Überraschungsteams dieser Bundesliga-Saison. Sorgten in der vergangenen Spielzeit noch Klubs mit jungen Trainern wie Vizemeister Schalke 04 mit Domenico Tedesco, der inzwischen entlassen wurde, und der Vorjahres-Dritte TSG 1899 Hoffenheim mit Julian Nagelsmann für Furore, sind es nun diese beiden Vereine – und das mit den erfahrensten Coaches im aktuellen Bundesliga-Geschäft.

Auf insgesamt 894 Spiele bringen es Fortunas Friedhelm Funkel, 65, und Borussias Dieter Hecking, 54, als Trainer im Oberhaus des deutschen Fußballs. Funkel hat in dieser Kategorie mit 483 sogar die Nase vor Hecking, der 411-mal an der Linie stand. Der Fortuna-Coach gab sein Bundesliga-Debüt bereits am 8. Juni 1990, da waren Nagelsmann und Tedesco gerade im Kindergarten-Alter. Hecking darf sich immerhin seit dem 12. August 2006 als Bundesliga-Trainer bezeichnen.

„Dieter und ich kommen auf fast 900 Bundesligaspiele, und das kommt nicht von ungefähr. Es zeigt, dass wir beide viele Dinge richtig gemacht haben bei der Arbeit mit unseren Vereinen“, sagt Funkel. Vor allem in dieser Spielzeit führen die erfahrenen Coaches ihre Mannschaften zu Top-Leistungen. „Dass Fortuna eine so gute Saison spielt, hat wahrscheinlich niemand erwartet. Das ist ein großer Verdienst von Friedhelm, der ein homogenes Team geformt hat. Wenn die Düsseldorfer frühzeitig den Klassenerhalt schaffen, ist das für sie wie eine Meisterschaft. Ich ziehe alle Hüte vor ihm und seiner Mannschaft“, schwärmt Hecking von Fortuna und ihrem Coach.

Auch Funkel findet für seinen Trainer-Kollegen nur lobende Worte: „Dieter ist mit seiner ruhigen und ausgeglichenen Art genau der richtige Partner für Max Eberl (Sportdirektor der Gladbacher, d. Red.). Die beiden sind ein tolles Gespann, haben ein gutes Auge für Spieler. Die Personen in Gladbach stehen mir ein Stück weit nahe, ich freue mich auf das Wiedersehen.“

Doch beide Trainer treffen sich am Samstagnachmittag nicht zum geselligen Kaffee-Kränzchen und einem Plausch unter langjährigen Freunden, sondern um mit ihren Teams erfolgreich zu sein. „Wir wollen am Samstag gewinnen“, sagt Funkel. Auch Hecking hat an diesem Tag vor allem eine Sache im Kopf, nämlich „ein erfolgreiches Spiel hinzulegen“. Borussia braucht die Punkte vermutlich dringender im Kampf um die Qualifikation für die Champions League. Eintracht Frankfurt liegt nur einen Zähler hinter ihr. Fortuna dagegen hat sich bereits ein Elf-Punkte-Polster auf Relegationsplatz 16 erspielt.

Bei den Borussen fehlen lediglich Ibrahima Traoré und Mamadou Doucouré, die sich nach ihren Verletzungen im Aufbautraining befinden. Fortuna muss neben den Langzeitverletzten Raphael Wolf, Jaroslav Drobny, Diego Contento und Jean Zimmer auch noch auf Dodi Lukebakio (fünfte Gelbe Karte), Marvin Ducksch (Trainingsrückstand), Marcel Sobottka und Alfredo Morales verzichten. Doch unabhängig vom Personal erwartet Hecking den Gegner am Samstag in gewohnter Manier. „Ich glaube nicht, dass Friedhelm von seinem erfolgreichen Weg abweichen wird. Sie werden versuchen, uns in ein leidenschaftliches Spiel zu verwickeln und schnell nach vorne spielen“, sagt der Borussia-Trainer, der selbst auch angekündigt hat, seine Marschroute beizubehalten. Dabei haben beide Teams zuletzt negative Erfahrungen gesammelt. Fortuna verlor die vergangenen beiden Spiele deutlich (0:3 gegen Frankfurt und 2:5 in Wolfsburg), Borussia holte nur fünf Punkte aus den vergangenen sechs Spielen.

Am 14. Oktober 2006 trafen Hecking, damals bei Alemannia Aachen, und Funkel, der zu dieser Zeit Eintracht Frankfurt coachte, erstmals in der Bundesliga aufeinander. Das Spiel endete 1:1. Ein Ergebnis, mit dem Funkel am Samstag wohl besser leben könnte als sein langjähriger Weggefährte. Zumal Hecking mit einem Sieg im persönlichen Vergleich mit Funkel gleichziehen würde. Von bislang zwölf Bundesliga-Duellen gewannen seine Teams erst drei, die Funkel-Vereine waren viermal siegreich. Fünf Partien endeten unentschieden.

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