Borussia Mönchengladbach: Michael Cuisance muss sich entscheiden, ob er Profi oder Problemfall sein will

Profi oder Problemfall : Borussias Cuisance muss sich entscheiden

Zwei Tage, nachdem er seine Geldstrafe wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Führerschein akzeptiert hat, postet der Gladbacher ein Foto in einer Protzkarre. Von Einsicht zeugt das nicht. Er muss entscheiden, welchen Weg er gehen will.

In seinem linken Fuß hat Michael Cuisance Gefühl wie sonst kaum einer im Kader der Borussen. Deswegen wurde er nach der vergangenen Saison auch von den eigenen Fans zum besten Spieler der Spielzeit 2018/2019 gewählt. Doch am Fingerspitzengefühl fehlt es ihm. Das hat der Franzose am Donnerstag bewiesen.

Zwei Tage, nachdem Cuisance seinen Einspruch zurückgezogen und einer Geldstrafe über 10.500 Euro zugestimmt hat, weil er im August 2018 vorsätzlich ohne Führerschein gefahren war, postete er auf Instagram ein Foto mit Sonnenbrille lässig am Steuer eines aufgemotzten Mercedes AMG sitzend. Die Außenwirkung ist fatal. Sarkastische Kommentare wie „er hat daraus gelernt und postet deswegen ein Bild aus nem 150.000 Euro-Auto. Sehr erwachsen“ posten seine Follower.

Cuisance ist mit 19 Jahren noch sehr jung, in diesem Alter macht man Fehler. Sein Trainer Dieter Hecking hat bereits betont, dass es wichtig ist, aus diesen zu lernen. Den Beweis, dass die Worte des Trainers beim Franzosen angekommen sind, dass er seinen Fehler überhaupt einsieht, bleibt Borussias Mittelfeldspieler noch schuldig. Das Foto vermittelt einen anderen Eindruck.

Es bestätigt jedoch Eindrücke, die man seit dem Ende seiner Durchstartersaison von ihm bekommt. In dieser Spielzeit verlor Cuisance seinen Stammplatz bei den Borussen und wollte deswegen gleich im Winter zu einem anderen Verein flüchten. Er beansprucht für sich einen Platz bei einem Bundesligisten, der um die Champions League spielt, für 19 äußerst mutig. Es ist kein Geheimnis, dass Cuisance sehr von sich selbst überzeugt ist. Ein gesundes Selbstbewusstsein schadet auch nicht im Profifußball. Doch in der Bundesliga braucht es mehr als nur Talent, das er zweifelsohne in Mengen hat. Deswegen wollte Borussia ihn im Winter auch keinesfalls gehen lassen.

Sportdirektor Max Eberl und Hecking setzen auf Cuisance. Aber der Spieler selbst muss sich auch auf das Geschäft einlassen. Selbst ein Cristiano Ronaldo arbeitet täglich an sich, beißt sich gegen Widerstände durch. Ein positives Beispiel dafür ist auch Borussias Denis Zakaria, der nach einer sehr guten vergangenen Saison in dieser Spielzeit Schwierigkeiten hatte. Cuisance hat sich dazu offenbar noch nicht bereit erklärt. Er wirkt nach Rückschlägen beleidigt, anstatt eine „Jetzt-erst-recht“-Haltung einzunehmen. Ein Beispiel für seine Leichtsinns-Einstellung war der Joker-Einsatz gegen Augsburg. Erst flankte er einen Ball, indem er den linken Fuß hinter das Standbein schob anstatt seriös zu spielen, dann versuchte er in einer Überzahlsituation den Gegner zu tunneln und ignorierte seine Mitspieler, kurz danach verlor er im Mittelfeld den Ball und foulte einen Augsburger anschließend in einer gefährlichen Position.

Jetzt ist der Moment, in dem Cuisance eine wichtige Karriere-Entscheidung fällen muss: Will er Profi sein oder endgültig zum Problemfall werden? Eberl und Hecking sind die perfekten Vorgesetzten, wenn er sich für den professionellen Weg entscheiden soll. Eberl ist seit 20 Jahren bei Borussia und kann jungen Spielern perfekt die DNA des Klubs vermitteln, die auf einem klaren Werteschema fußt. Und Hecking, der seit 19 Jahren Trainer ist, wird schon viele solcher Fälle erfolgreich gemeistert haben. Aber: Den ersten Schritt muss Cuisance selbst machen.