Eiskunstlaufen Deutsche Eislauf-Elite in Neuss am Start

Neuss · Am Donnerstag beginnen in der Südparkhalle in Reuschenberg die 123. Deutschen Meisterschaften im Eiskunstlaufen. Für den Zugang gilt 2G-Regel plus Test.

 Ausdrucksstark: Minerva Fabienne Hase and Nolan Seegert könnten in die Fußstapfen der Olympiasieger Savchenko/Massot treten.

Ausdrucksstark: Minerva Fabienne Hase and Nolan Seegert könnten in die Fußstapfen der Olympiasieger Savchenko/Massot treten.

Foto: AP/Shuji Kajiyama

Die ersten Deutschen Meisterschaften im Eiskunstlaufen fanden 1891 in München statt. Den Titel holte sich Anon Schmitson vor Carl Kaiser, im Übrigen sein einziger Konkurrent. Frauen durften im Kaiserreich erst ab 1911 ran. Im heute zu Tschechien gehörenden Olmütz triumphierte Elsa Rendschmidt, die bereits drei Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen in London als erste deutsche Frau überhaupt eine (Silber-)Medaille gewonnen hatte.

 Genau 130 Jahre nach der Premiere sorgt auch die inzwischen 123. Auflage der nationalen Titelkämpfe für ein Novum: Seit dem 2. Weltkrieg ist der Debütant aus Neuss nach Krefeld, Düsseldorf, Köln, Essen und Dortmund erst die sechste Stadt aus Nordrhein-Westfalen, die nationale Titelkämpfe im Eiskunstlaufen mit Entscheidungen im Damen-Einzel, Herren-Einzel, Paarlaufen und Eistanzen veranstalten darf. Und dafür ist das Beste gerade gut genug – trotz Pandemie. Zwar hat die amtierende Deutsche Meisterin Aya Hatakawa (EC Oberstdorf) verletzt abgesagt, an Nicole Schott wäre sie diesmal aber wohl ohnehin nicht vorbeigekommen. Die 25-Jährige hatte Ende November beim Challenger in Warschau mit neuer Bestleistung von 186,66 Punkten Platz vier belegt und damit die Olympia-Norm deutlich übertroffen. Neben der fünfmaligen Deutschen Meisterin, die bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang 18. geworden war, stellen sich in der Eissporthalle am Südpark in Nathalie Weinzierl und Dora Hus (beide (Mannheimer ERC) auch die Zweit- und Drittplatzierte des 2020 in Dortmund ausgetragenen DM-Championats.

Bei den Männern sieht das ganz ähnlich aus. Allerdings konnte sich ihr Bester nicht für die Peking-Spiele qualifizieren. Paul Fentz (SC Berlin), Deutscher Meister von 2018 bis 2020 und seit 2012 mit Ausnahme von 2021 (da hatte der Berliner Landesverband beschlossen, an der DM in Dortmund wegen der COVID-19-Pandemie nicht teilzunehmen) stets auf dem Podium, hatte Ende September bei der Nebelhorn Trophy in Oberstdorf seine Leistung nicht abrufen können, als es darauf ankam. Danach suchte er trotz seiner Enttäuschung nicht nach Ausreden, räumte indes ein, dass ihn die Entzündung im Schambein und im Hüftknochen schon behindert habe. „Es sind die fehlenden Kilometer im Training, die drei Wochen, die ich wegen der Verletzungen nicht durchlaufen konnte.“

Damit ist erstmals seit 20 Jahren kein deutscher Eiskunstläufer im Olympia-Einzelwettbewerb der Männer vertreten. Gemeinsam mit der Deutschen Eislauf-Union (DEU) bleibt dem 29-Jährigen noch die Hoffnung auf einen Startplatz im Team-Wettkampf, der nur bei Olympischen Winterspielen ausgetragen wird. Die Entscheidung, welche Verbände sich dafür qualifizieren, wird nach dem Grand-Prix-Finale am 12. Dezember in Osaka/Japan vom Eiskunstlauf-Weltverband ISU bekanntgegeben.

Absolut konkurrenzfähig dürften in China die Berliner Paarläufer Minerva Fabienne Hase und Nolan Seegert sein. Die EM-Fünften könnten in die Fußstapfen der Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot treten. Dafür geht das in Neuss als Titelverteidiger geführte Paar komplett neue Wege. Etwa mit dem Umzug aus dem vertrauten Umfeld in Berlin ins einstige sowjetische Ferienparadies Sotschi. Ihre langjährige Trainerin Romy Oesterreich ließen sie zurück, stattdessen folgen sie Dmitri Savin, der ebenfalls sporadisch zu ihrem Berliner Betreuerstab gehörte, an die russische Schwarzmeerküste, auch „Riviera des Ostens“ genannt. Wenn Zwischenaufenthalte in Deutschland nötig sind, steht ihnen Bundestrainer Alexander König am Stützpunkt Oberstdorf beratend zur Seite. Obwohl für den Erfolgscoach, der 2018 Savchenko/Massot in Südkorea zur Goldmedaille führte, der Kontakt zu seinen Schützlingen dadurch erschwert wird, hat er den Schritt ausdrücklich begrüßt: „Wenn ein Paar, das schon seit 2014 zusammen trainiert, eingefahrene Pfade verlassen möchte, ist ein Ortswechsel nicht die schlechteste Idee.“

Die Dortmunder Eistänzer Katharina Müller/Tim Dieck waren bereits vor Jahren nach Moskau gegangen, um sich bei der früheren Weltmeisterin Angelika Krylowa den letzten Schliff zu holen. Hinter den Meistern von 2020 und 2021 liegen harte Wochen, in denen sie von Russland nach Italien, von Italien nach Russland, von Russland nach Österreich und von Österreich nach Deutschland geflogen sind. Auch Andorra stand auf ihrem Reiseplan. Und trotzdem sind sie heiß auf die DM in Neuss: „Da wollen wir dann wirklich eine Top-Leistung abliefern.“