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Immer größere Personalnot beim TSV Bayer Dormagen

2. Handball-Bundesliga : Personalnot in Dormagen immer größer

Zum Spiel der 2. Handball-Bundesliga am Montag in Rostock reisten zwei erkrankte TSV-Spieler erst gar nicht an. Bei der 27:32-Niederlage verletzten sich dann auch noch zwei Akteure. Schlechte Aussichten fürs Heimspiel gegen Essen.

Mit seinem mittlerweile über 50 Lebensjahren hat Dusko Bilanovic als Spieler und Trainer im Profihandball schon so einiges mitgemacht. Deswegen hat es besonderes Gewicht, wenn er sagt: „In dieser extremen Form habe ich das noch nie erlebt.“ Was er meint, ist das unglaubliche Pech, das den von ihm trainierten Zweitligisten TSV Bayer Dormagen in Sachen Personal in dieser Saison ereilt hat. Wobei am Montag beim Auswärtsspiel gegen den HC Empor Rostock ein vorläufiger Tiefpunkt erreicht wurde, was die Quantität des TSV-Kaders anbelangt. Gerade mal neun Feldspieler und zwei Torhüter waren dabei. Dafür schlugen sich die abstiegsbedrohten Dormagener noch wacker, mussten aber am Ende eine 27:32 (15:17)-Niederlage quittieren.

Je näher es auf die Partie zuging, desto klarer wurde, dass der aus der Reserve hochgezogene Janis Beckers wegen seiner im Spiel gegen Hüttenberg erlittenen Verletzung zusätzlich zu den Langzeitausfällen würde passen müssen. Inzwischen ist sogar klar, dass er wegen eines Teilabrisses der Patellasehne lange fehlt. Dazu gesellten sich dann auch noch Ante Grbavac und Sören Steinhaus mit Magen-Darm-Beschwerden, so dass der TSV ohne einen Spezialisten auf Halblinks antreten musste. Das erstaunliche war, dass die Dormagener dennoch gut in die Partie fanden. Das Zusammenspiel zwischen Patryk Biernacki, Tim Mast und dem Ex-Rostocker André Meuser im Rückraum funktionierte so gut, dass der TSV nach der 1:0-Führung durch Meuser (4.) lange vorne blieb. Auch weil die TSV-Abwehr konzentriert arbeitete.

  • Tim Mast, hier im Spiel gegen
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  • Der Neusser Philip Schneider (beim Wurf)
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  • Kristin Meyer (am Ball) zählte zu
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Insbesondere Tim Mast, eigentlich Linksaußen, überzeugte als Spielmacher und erzielte auch schöne Tore aus dem Rückraum. Umso bitterer war es, dass er nach rund sieben Minuten der zweiten Hälfte bei einem 17:21-Rückstand vom Feld humpelte und auch nicht mehr zurückkehrte. So sehr sich die Gäste danach auch mühten, mit noch einer personellen Alternative weniger gingen ihnen allmählich die Kräfte aus, so dass sie den Rückstand nicht mehr entscheidend verkürzen konnten. Obwohl es Möglichkeiten gab, die Partie noch mal spannend zu machen. Doch wahrscheinlich lag es auch dem Kräfteverschleiß, dass sowohl Jaka Zurga (bei 21:24, 45.) als auch der in Hälfte zwei verbesserte TSV-Keeper Martin Juzbasic (bei 22:25, 48.) in Umschaltmomenten den Ball nicht im leeren Tor unterbrachten.

Wobei die Gastgeber auch ihren Teil dazu beitrugen, dass Dormagen mit dem kleinen Kader an seine physischen Grenzen stieß. Denn nachdem Jakub Sterba das 10:7 (16.) für Dormagen erzielt hatte, nahm Empor-Coach Till Wiechers eine Auszeit und stellte den Angriff auf sieben Feldspieler mit drei Kreisläufern um. Damit kam der TSV zunächst zwar noch gut zurecht, doch als Wiechers nach gut 20 Minuten zusätzlich auf eine 4:2-Abwehr wechselte, bekam er zunehmend Probleme. Insbesondere der bis dahin recht gefährliche André Meuser wurde dadurch fast komplett aus dem Spiel genommen. Zu den Profiteuren auf Rostocker Seite gehörte ausgerechnet Youngster Christian Wilhelm, der erst im Sommer aus der A-Jugend des TSV an die Ostsee gewechselt war. Er bekam viel Spielzeit in Angriff und Abwehr, am Ende standen für ihn sieben Treffer zu Buche. Besser war nur der Dormagener Jan Reimer, der sechs seiner acht Treffer aber aus sieben Metern erzielte.

Nach der langen Rückreise fiel die Dormagener Analyse der Personalsituation am Dienstag übel aus. Ante Grbavac und Sören Steinhaus sind krankgeschrieben, fallen also am Freitag im Derby daheim gegen Essen definitiv aus. Tim Mast hat eine Muskelverletzung erlitten, so dass sein Einsatz eher unwahrscheinlich ist. Patryk Biernacki klagte nach der Partie über Knieschmerzen, sein Mitwirken ist fraglich. Im schlechtesten Fall stünden gegen Essen also nur sieben Profis zur Verfügung. Das hat Handball-Geschäftsführer Björn Barthel dazu veranlasst, sich an die HBL zu wenden. „Ich habe darum gebeten, die Statuten dahingehend zu prüfen, ob in unserer besonderen Lage eine Spielverlegung möglich ist.“