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Matthias Ginter macht Gladbach-Aufstellung zum Politikum

Gladbach-Aufstellung als Politikum : Hütter könnte schon in Hannover nicht um Ginter herumkommen

Ein Bankplatz für Gladbachs Matthias Ginter – das hat heftige Debatten unter Experten und Fans ausgelöst. Langfristig wäre es eine problematische Konstellation. In Hannover ist der Nationalspieler aber wieder eine Startelf-Option, wie Adi Hütter durchblicken ließ.

Matthias Ginter hat die Situation rund um seine Vertragsverlängerung in Gladbach immer als „verzwickt“ bezeichnet. Die Sache ist nun geklärt, der Nationalspieler wird nicht verlängern und Borussia im Sommer verlassen. Doch ist die Sachlage im Fall Ginter für den Spieler und seinen Noch-Arbeitgeber nicht weniger verzwickt als zuvor. Das zeigte sich am Rande des 1:2 gegen Leverkusen, bei dem der gesunde Ginter erstmals in seiner Borussen-Zeit auf der Bank saß. Die Entscheidung von Trainer Adi Hütter trat eine weitreichende Diskussion unter Experten und Fans los. Und es ist zu vermuten: So lange Ginter in Gladbach ist, wird die Aufstellung Borussias ein Politikum sein.

Das Beste für alle wäre, Ginter findet einen Klub, bei dem er seine Zukunft sieht und der eine passable Ablöse zahlt. Dann wären alle, Gladbach wie Ginter, aus dem Schneider. Doch Inter Mailand, einer der Interessenten, hat bereits verlauten lassen, dass es Borussias bisherigen Abwehrchef lieber erst im Sommer und dann ablösefrei unter Vertrag nehmen würde. Zudem hat Borussias Manager Max Eberl angekündigt, dass keine konkreten Angebote eingegangen seien für Ginter. Dass seine Nicht-Nominierung für die Startelf also transfer-taktische Gründe hatte, um einer Verletzung vorzubeugen, die wie im Sommer bei Marcus Thuram einen sicheren Wechsel verhindern könnte, war daher kein akuter Ansatz.

Natürlich, Angebote können noch kommen, aber passen sie dann Ginter? Er wird nicht wechseln, nur um des Wechselns Willen. Gut möglich also, dass er bleibt bis zum Ende der Vertragslaufzeit. Ginter bis dahin auf die Bank zu setzen, wäre problematisch, das haben Eberl und Hütter gelernt als sie, wie Hütter sagte, dieses „Fass“ aufgemacht haben, inwieweit ohne Not, das sei dahingestellt. Jedes Spiel, in dem Ginter Ersatzmann ist, würde von einer unschönen Debatte darum begleitet, davon ist auszugehen, irgendwann bis hin zum Nationalteam. Zumal, wenn die Konkurrenten, für die sich Hütter entscheidet, nicht fehlerfrei bleiben wie gegen Leverkusen. Andererseits ist auch das Argument Hütters, schon nach vorn zu schauen, stichhaltig.

Marvin Friedrich hat sich für den schnellen Wechsel nach Gladbach sicher nicht entschieden mit der Option, am Niederrhein erstmal auf der Bank zu sitzen. Klar, dass er spielt, wenn er fit ist. Gleiches gilt für Nico Elvedi, der seinen Vertrag bis 2024 verlängert hat. Auch Eigengewächs Jordan Beyer hat verlängert, sogar bis 2026, und dies sicherlich auch deshalb, weil ihm die Perspektive aufgezeigt wurde, eine Stammkraft zu sein. Und Routinier Tony Jantschke ist bis 2023 gebunden.

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Dass die Zukunft ein Faktor ist in der Aufstellungs-Politik, muss dem Trainer zugestanden werden. Doch hat Hütter ganz klar das Leistungsprinzip als Maßstab für seine Aufstellungen ausgerufen. Und den Erfolg. Und dass Ginter nun signifikant schlechter ist als der Rest des Personals, wäre vermessen zu behaupten. „Bei mir gibt es nicht Verteidiger eins, zwei, drei bis fünf“, stellte Hütter am Dienstag nochmal klar. Und er betonte, dass Ginter keineswegs aussortiert sei, sondern die Entscheidung gegen den 28-Jährigen zunächst mal bezogen gewesen sei auf das Leverkusen-Spiel.

Nun stehen binnen weniger Tage die beiden nächsten Spiele an, zunächst im DFB-Pokal bei Hannover 96 (Mittwoch, 18.30 Uhr) und am Samstag gegen Union Berlin (Samstag, 15.30 Uhr). Hütter hat für beide Partien nicht ausgeschlossen, dass Ginter zurückkehrt ins Team und an der Seite seines bereits verpflichteten Nachfolgers Friedrich spielt. „Es war nie ein Thema, ob Friedrich oder Ginter spielen, es kann genauso sein, dass beide spielen“, sagte Hütter. Dann würde Ginter anstelle Elvedis oder Jantschkes ins Team rücken.

Der, der in der Zukunfts-Variante die Nummer drei wäre, Beyer, fällt hingegen aus. „Muskuläre Probleme“ plagen den 21-Jährigen, der gegen Bayer für Jantschke und statt Ginters ins Spiel kam, sich dabei aber wohl etwas zugezogen hat. Es wird nochmal eine MRT-Untersuchung geben, Hütter hofft, dass es „nichts Schlimmes“ ist. Doch fehlt Beyer nun, je nach Untersuchungsergebnis sogar länger.

Und da auch Ramy Bensebaini noch beim Afrika-Cup ist, ist die Riege der Innenverteidiger schon wieder ein Stück kleiner geworden, mindestens für das Pokalspiel, aber wohl auch für Samstag gegen Union. Weswegen Ginter eine Startelf-Option sein muss in Hannover und dann wohl auch gegen Union. Die Situation zeigt, wie schnell sich das personelle Blatt wenden kann.

Hütter weiß, dass es Umfaller-Vorwürfe geben wird, wenn er ihn wieder aufstellt, allein schon wegen der Debatte, die um die Personalie entstanden ist, doch da muss er drüberstehen. Die Vehemenz des Themas dürfte Eberl und Hütter überrascht haben. „Es war jetzt ein Spiel, bei dem Matthias Ginter draußen saß“, sagte Hütter. Doch das reichte, um dafür zu sorgen, dass Borussias Aufstellung derzeit mehr als nur eine sportliche Dimension hat.

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