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Borussia Mönchengladbach - Matthäus kritisiert Hütter für Ginter-Entscheidung

Scharfe Kritik von Matthäus : Wie Hütter und Eberl den Fall Ginter bei Borussia moderieren

Rund um die 1:2-Niederlage gegen Leverkusen gab es bei Borussia Mönchengladbach am Samstag ein großes Gesprächsthema: Matthias Ginter, den Adi Hütter auf die Bank setzte. Dafür wurde er von Lothar Matthäus kritisiert. Hütter und Manager Max Eberl verteidigten diese Entscheidung jedoch.

Es gibt Dinge, die wird Matthias Ginter in seinem Fußballer-Leben noch nicht oft erlebt haben: Dazu zählt sicher das Sprinten von Sechzehner zu Sechzehner nach dem Abpfiff eines Bundesligaspiels. Denn das ist ausschließlich den Ersatz- und Einwechselspielern vorbehalten. Und genau zu denen zählte der Nationalspieler am Samstag bei der 1:2-Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen. Nie zuvor war Ginter seit seinem Wechsel von Borussia Dortmund nach Gladbach in der Liga, sofern er im Kader stand, nicht zum Einsatz gekommen.

Mit der Nominierung von Winter-Zugang Marvin Friedrich, der von Union Berlin verpflichtet wurde und am Mittwoch das erste Mal mit seinen neuen Mitspielern trainiert hatte, sorgte Gladbachs Trainer Adi Hütter bereits vor dem Anpfiff für ein Gesprächsthema. „Wir haben uns vor dem Abschlusstraining am Freitag dazu entschieden, dass wir mit Marvin Friedrich ins Spiel gehen“, erklärte Hütter vor dem Spiel bei „Sky“.

Doch Hütter setzte nicht nur auf Friedrich, sondern auch auf Tony Jantschke, der ebenfalls den Vorzug vor Ginter erhielt. „Weil Tony Jantschke auf der linken Seite gegen Bayern München gut gespielt hat und auch gut mit Luca Netz zusammengespielt hat. Das wollten wir beibehalten“, erläuterte Hütter diese Entscheidung. In der Vorwoche hatte Ginter beim 2:1-Sieg gegen den FC Bayern zu den stärksten Gladbachern gezählt. „Auf der einen Seite geht es um die Zukunft, auf der anderen Seite um Leistung. Seine Leistung war gegen Bayern München absolut in Ordnung. Ich habe mich nicht gegen ihn entschieden, sondern schlussendlich auch für die Zukunft und für Marvin Friedrich“, sagte Hütter, der zudem auf ein Gespräch zwischen Sportdirektor Max Eberl, Ginter und ihm verwies. „Was Matthias Ginter mit der Situation macht – er ist Profi genug, er weiß, dass man ihn noch brauchen kann. Bis zum 31. Januar ist das Transferfenster offen“, sagte Hütter.

Ob Ginter den Verein noch in diesem Monat verlassen wird, scheint weiter offen. „Er hat einen Vertrag bei uns und bei uns wird kein Spieler weggeschickt“, sagte Eberl und benannte damit ein Credo, das bei Borussia stets gepflegt wird. „Wir werden sehen, was bis zum 31. Januar passiert“, so Eberl, der zudem betonte, dass es zum jetzigen Zeitpunkt kein Angebot für Ginter geben würde. All das wurde im Borussia-Park noch vor dem Start des Spiels gesagt.

Im Anschluss an die Partie und das 1:2 verlangte insbesondere Ex-Borusse und Sky-Experte Lothar Matthäus Erklärungen für die Nicht-Berücksichtigung Ginters, der von der Bank aus mit ansah, wie seine Abwehr-Kollegen nicht immer eine gute Figur machten und Hütter in der Schlussphase Beyer für Jantschke einwechselte. „Mir ist klar, dass jetzt das Fass aufgemacht wird“, sagte Hütter.

Matthäus zeigte keinerlei Verständnis für Hütters Entscheidung. „Wir sind alle lange genug dabei, Adi“, begann der 60-Jährige seine Ausführungen. „Ginter hat sich nichts, zumindest sportlich, zu Schulden kommen lassen und hat ein Riesenspiel bei den Bayern gemacht. Heute wird mit Beyer ein junger und talentierter Spieler vor ihm eingewechselt. Gladbach steckt im Abstiegskampf, da muss ich die besten Spieler spielen lassen, außer man hat die Ansage bekommen, dass man schon was für die Zukunft aufbaut. Als Borussia-Fan ist mir aber die Gegenwart wichtiger“, sagte Matthäus zu Hütter, der neben ihm stand.

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Noch bevor Hütter überhaupt etwas dazu sagen konnte, machte Matthäus weiter. „Er ist einer der besten Innenverteidiger in Deutschland. Deswegen müssen wir uns schon die Frage stellen, was das Ziel mit Ginter in den nächsten Wochen und Monaten ist. Will man ihn auf der Bank verhungern lassen? Kann ihn Gladbach noch gebrauchen?“, sagte Matthäus.

„Diese Stellungnahme nehme ich gerne auf. Nichtdestotrotz haben wir 17 Gegentore in vier Spielen bekommen, in denen er gespielt hat. Auch das darf man nicht vergessen. Ihr macht es euch meiner Meinung nach viel zu einfach. Ich werde nie einen Spieler vor der Kamera kritisieren. Er ist ein guter Spieler, das habe ich ihm auch gesagt“, sagte Hütter. „Ich habe nicht gesagt, dass die Tür zu ist, heute haben wir Marvin Friedrich spielen lassen“, so Hütter, der Friedrich zudem ein „ordentliches Debüt“ bescheinigte und betonte, dass man „mit und ohne Matthias Ginter“ aus dieser Situation rauskommen müsse. Ob Ginter am Mittwoch (18.30 Uhr) im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Hannover 96 möglicherweise wieder in der Startelf stehen wird, wollte Hütter am Samstag nicht kommentieren.

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