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Borussia Mönchengladbach: Yann Sommer hält zwei Elfmeter und verliert dennoch

Borussias Torwart : Sommers seltenes Glanzstück wird nicht belohnt

Borussias Torwart Yann Sommer hielt gegen Bayer Leverkusen zwei Elfmeter, das Heimspiel ging trotzdem 1:2 verloren. Immerhin besserte der Torwart seine Strafstoß-Bilanz in Gladbach deutlich auf. Was Sommer nun mit Uli Sude verbindet.

Es ist nicht überliefert, was Yann Sommer gedacht hat, als er in der 51. Minute im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen das 0:1 kassierte – 29 Sekunden, nachdem er einen Elfmeter von Patrik Schick glänzend pariert hatte. Es dürfte jedoch ein besonders bitterer Moment für Borussias Torwart gewesen sein, der im Anschluss an seine Parade machtlos mit ansehen musste, wie bei der folgenden Ecke Bayers Robert Andrich mühelos seinen Gegenspieler Tony Jantschke stehen ließ und aus wenigen Metern einschoss. Mit diesem Tor stellte Leverkusen die Weichen auf Sieg, am Ende behielt der Gast mit 2:1 die Oberhand. Weswegen sich Sommer nach dem Schlusspfiff auch nicht über seine denkwürdige Leistung freuen konnte – hatte der Keeper in der Schlussphase doch noch einen zweiten Strafstoß gehalten: In der 87. Minute scheiterte Kerem Demirbay am Schweizer Nationaltorwart.

„Ich werde mir den Tag auf keinen Fall im Kalender anstreichen. Das Resultat ist enttäuschend, ich hätte mir gewünscht, dass wir am Schluss noch den Lucky Punch hinbekommen“, sagte der 33-Jährige, dem es als erstem Torhüter seit knapp acht Jahren und als 16. Keeper insgesamt gelungen war, in einer Bundesligapartie zwei Elfmeter zu halten. Im eigenen Verein hat Sommer zwei Vorgänger: Wolfgang Kneib parierte in der Saison 1978/79 beim 3:1-Erfolg der Gladbacher in Kaiserslautern zwei Elfmeter. Getoppt wird diese Leistung noch von Uli Sude, dem in der Spielzeit 1984/85 gleich zweimal dieses Kunststück gelang: beim 5:1-Erfolg in Köln sowie wenige Monate später bei der 0:2-Niederlage in Bremen – wobei dort zumindest Norbert Meier noch im Nachschuss gegen Sude traf.

Mit Sude hat Sommer nun gemein, dass er trotz der Glanztat eine Niederlage hinnehmen musste. Dabei waren die Leverkusener Strafstöße am Samstagabend gar nicht schlecht geschossen, doch Sommer hatte das richtige Näschen. „Yann Sommer ist ein guter Torhüter bei Elfmetern. Er ist sehr dynamisch, explosiv“, lobte auch Leverkusens Trainer Gerardo Seoane. „Natürlich studiert man die Spieler auch ein bisschen. Ich habe gute Entscheidungen getroffen und die Bälle zum Glück gehalten“, sagte Sommer, der damit seine Elfmeterbilanz für Gladbach ordentlich aufpolierte.

Vor dem gestrigen Abend hatte der Schweizer nur zwei seiner bisherigen 32 Elfmeter in der Bundesliga gegen ihn halten können, zudem hatten zwei Schützen gegen ihn daneben gezielt. 28 Versuche waren indes im Tor gelandet. Nun steht die Bilanz bei sechs nicht verwandelten von insgesamt 34 Strafstößen – macht eine Quote von 17,6 Prozent. Damit ist er weit von Borussias besten Elfmetertötern in der Liga entfernt: Christofer Heimeroth kommt gar auf 57,1 Prozent, Sude auf 47,1 und Kneip auf 45 (bezogen auf Torhüter, die mehr als einen Strafstoß gegen sich kassierten).

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Dabei war Sommer mit dem Ruf eines Elfmeterkillers 2014 vom FC Basel an den Niederrhein gewechselt. Doch in Gladbach schien er sein Gespür für das Duell mit dem Schützen verloren zu haben. Dass er es kann, demonstrierte er zuletzt häufiger in der Schweizer Nati: Gegen Spanien hielt er zwei Strafstöße von Sergio Ramos, bei der Europameisterschaft brachte seine Parade gegen Kylian Mbappé die Schweiz ins Viertelfinale. Und in der WM-Qualifikation blieb er zweimal gegen Italiens Spezialisten Jorginho Sieger.

Auch bei der Borussia bewies Sommer immer wieder seine starke Form – trotz der nun 35 Gegentore, die Gladbach in 19 Ligaspielen bereits kassiert hat. Oftmals war es Sommer zu verdanken, dass die Niederlagen nicht noch höher ausfielen, etwa beim 1:4 in Leipzig. Oder der Keeper rettete seiner Mannschaft wichtige Punkte, so geschehen bei den 1:1-Unentschieden in Mainz und Hoffenheim. Nun gegen Leverkusen war er bei zwei scharf getretenen Standards der Gäste machtlos.

„Leverkusen hat ein gutes Spiel gemacht. Wir wussten, dass sie nach vorne viel Qualität und Power haben. Wenn wir noch ein bisschen mehr Durchschlagskraft und Effizienz vor dem Tor gehabt hätten, wäre es vielleicht anders gelaufen“, sagte Sommer. Doch die Teamkollegen in der Offensive konnten bei weitem nicht so ihre Leistung abrufen, wie das ihrem Torhüter erneut gelungen war. Nur halfen diesmal selbst zwei gehaltene Elfmeter nicht, um etwas Zählbares mitzunehmen.

Hier geht es zur Infostrecke: Yann Sommers Elfmeter-Bilanz bei Borussia