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Bayer 04 Leverkusen Rudi Völler erklärt die Wintertransfers der Werkself

Palacios, Tapsoba, Wirtz : Rudi Völler erklärt Bayers Wintertransfers

Die Verantwortlichen der Werkself waren im Januar auf Einkaufstour. Sie haben kurz- und langfristige Pläne mit den Zugängen.

Edmond Tapsoba kam für kolportierte 18 Millionen Euro aus Guimaraes, Exequiel Palacios für 17 aus Buenos Aires, und Toptalent Florian Wirtz wurde noch in der Winterpause von Köln nach Leverkusen geholt. Ob für den abwanderungswilligen 16-Jährigen, dessen Vertrag beim FC im Sommer ohnehin ausgelaufen wäre, eine Ablöse fällig war, ist nicht bekannt. Dem vernehmen nach zahlte Bayer einen niedrigen sechsstelligen Betrag für den sofortigen Wechsel. Ligaweit hat nur Hertha BSC im Winter mehr Geld ausgegeben als Bayer 04. Rudi Völler zufolge sind das langfristige Investitionen, doch sie sollen der Mannschaft auch kurzfristig helfen.

„Alle Transfers, die wir im Winter gemacht haben, stehen auf der Basis, dass wir ab jetzt viele Englische Wochen haben – und hoffentlich auch noch mehr haben werden. Aber das hängt von uns ab“, sagte Bayers Sportgeschäftsführer nach der 1:2-Niederlage in Hoffenheim mit Blick auf die anstehenden K.o.-Spiele am Mittwoch im Pokal gegen Stuttgart (18.30 Uhr) sowie die Europa-League-Zwischenrunde gegen den FC Porto. „Wir werden auf diesem Niveau alle Spieler brauchen. Deswegen haben wir es so gemacht, wie wir es gemacht haben“, betonte Völler.

Der Argentinier Palacios hat seine drei Spiele andauernde Sperre inzwischen abgesessen, die er aus seinem Heimatland mitbrachte. In seinem letzten Ligaspiel für River Plate sah der 21-Jährige die Rote Karte. Die Strafe wurde verbandsübergreifend übernommen. Gegen Stuttgart und am Samstag gegen Borussia Dortmund (18.30 Uhr) steht Palacios theoretisch zur Verfügung. „Er ist jetzt spielberechtigt. Ob er zum Einsatz kommt, muss der Trainer entscheiden“, sagte Völler.

Bereits gegen Dortmund könnte der Mittelfeldspieler zu seinem Debüt in der Bundesliga kommen, weil die Positionskonkurrenz ausfällt. Kerem Demirbay sah in Hoffenheim die Gelb-Rote Karte und ist gesperrt, Charles Aránguiz laboriert noch an den Folgen seines Muskelfaserrisses in der rechten Wade. „Gegen Dortmund wird es für ihn sicherlich noch nicht reichen“, sagte Völler. Erst danach sei allmählich mit einer Rückkehr des chilenischen Schlüsselspielers zu rechnen.

Dem Innenverteidiger Tapsoba, der am Sonntag seinen 21. Geburtstag feierte, bescheinigte der 59-Jährige, „topfit“ zu sein. Am 27. Januar spielte er in der portugiesischen Liga mit Vitoria Guimaraes noch gegen Rio Ave FC (1:2) und gab die Vorlage zum Treffer, vier Tage später war sein Last-Minute-Transfer nach Leverkusen fix. „Wir hatten ihn schon länger unter Beobachtung“, sagte Völler. „Im Grunde sind die Transfers ein Vorgriff auf die kommende Saison, aber sie sollen uns auch schon in der Rückrunde helfen.“

Dritter im Bund der Neuen ist Florian Wirtz, den Bayer aus Köln geholt hat. Der Wechsel des als Toptalent gehandelten offensiven Mittelfeldspielers hat für einige Aufregung zwischen den Klubs gesorgt – inklusive eines Verbalscharmützels. Den Anfang machte Bayers Geschäftsführer Fernando Carro, der sich über den FC lustig machte („Es gibt Vereine wie Atlético Madrid, die kommen in der Champions League zu uns und wissen gar nicht, dass in Köln auch Fußball gespielt wird“). Kölns Sportchef Horst Heldt konterte postwendend („Carro? Wer ist das? Keine Ahnung. Ich glaube, den kennt niemand außerhalb von Leverkusen“).

Sein Mönchengladbacher Pendant Max Eberl bestätigte zudem, ebenfalls an Wirtz interessiert gewesen zu sein und äußerte Verständnis für Bayers Vorgehen. Zuletzt gab FC-Ikone Lukas Podolski auf Twitter seinen Senf dazu („Schwachsinn am Werk. Egal, ob Mailand oder Atlético Madrid – Hauptsache Señor Carro weiß seit dem letzten Derby, dass in Köln Fußball gespielt wird. Viel warme Luft unterm Bayer-Kreuz“) und spielte damit auf Leverkusens 0:2-Niederlage in Köln an.

„Die Lage hat sich jetzt beruhigt“, sagte Völler. „Die Idee, sich ganz junge Spieler nicht gegenseitig wegzuschnappen, ist richtig“, erklärte er mit Blick auf eine jahrelange Vereinbarung unter den Rheinklubs, Talente nicht schon in jungen Jahren abzuwerben. „Bei Spielern, die schon relativ nah an den Profis dran sind, zählt das natürlich nicht. Und das ist ja heutzutage schon bei 16-Jährigen der Fall.“