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Bayer 04 Leverkusen: Lukas Hradeckys Gespür für den Moment

Parade gegen Rouwen Hennings : Lukas Hradeckys Gespür für den Moment

Mit einer Glanztat verhinderte der Schlussmann von Bayer 04 den möglichen Ausgleich beim letztlich klaren 3:0 gegen die Fortuna.

Zu den herausragenden Fähigkeiten eines modernen Torhüters gehören wie für jeden Fußballer Technik, Taktik, Kondition und Koordination. Bei der Parade von Lukas Hradecky gegen Rouwen Hennings war es neben eines Weltklasse-Reflexes des Finnen aber vor allem dessen Gespür für die Situation, mit der er das 1:1 verhinderte. „Es ist viel Intuition dabei“, beschreibt Hradecky die Szene in der 62. Minute. „Für Hennings wäre es schwieriger gewesen, in die andere Ecke zu schießen.“ Das habe er „gelesen“ – und so den Linksschuss des Fortuna-Angreifers abgewehrt.

Mit der Glanparade trug der 30-Jährige seinen Teil dazu bei, dass die Werkself das Schlusslicht aus Düsseldorf letztlich klar mit 3:0 besiegte. Dass die Stimmung unter dem Bayer-Kreuz nach dem dritten Sieg in Serie dennoch gedämpft war, lag vor allem daran, dass das Team von Trainer Peter Bosz es leichtfertig verpasste, den kriselnden Fortunen nicht schon früher die Hoffnung aus Zählbares zu nehmen.

„Wir haben selbst gespürt, dass wir nicht so dominant, nicht so überzeugend waren“, betonte Hradecky. Der Sieg an sich sei zwar verdient, doch zum Spitzenteam – das Bayer freilich sein will – fehle noch ein Stück. Zu Chancen wie der von Hennings dürfe Fortuna „eigentlich gar nicht kommen“, erläuterte der Nationalkeeper. „Wir dürfen ihnen nicht den Glauben geben, dass sie bei uns etwas mitnehmen können.“

Dass die Werkself den Gegner unterschätzt habe, vermutet die Nummer eins im Tor der Leverkusener derweil nicht. Bei einem 3:0 dürfe man ohnehin „nicht allzu kritisch“ sein. Der Großteil der Mannschaft und der Coach waren aber genau das, was dem ehemaligen Frankfurter gefiel. „Es ist ein gutes Zeichen, dass die Fehler trotzdem angesprochen werden“, sagte Hradecky. „Das ist das, was der Trainer immer wieder betont: Wenn wir eine Topmanschaft sein wollen, müssen wir akribisch darauf schauen, was wir falsch gemacht haben – trotz des Sieges.“

Am Samstag (15.30 Uhr) bekommt der Werksklub bei der TSG Hoffenheim die Möglichkeit, zu zeigen, dass er aus dem Spiel gegen die Landeshauptstädter die richtigen Schlüsse gezogen hat. Ein Erfolg beim nur zwei Plätze und vier Punkte hinter Leverkusen liegenden Siebten würde für Bayer 04 denvierten Sieg in Serie bedeuten. Zuletzt war Bosz und der Werkself das im Saisonfinale 2018/19 gelungen: Vom 29. bis zum 32. Spieltag reihten die Rheinländer Siege gegen Stuttgart (1:0), Nürnberg (2:0), Augsburg (4:1) und schließlich Frankfurt (6:1) aneinander.

 Läuft es allerdings wie in der Hinrunde gegen Hoffenheim (0:0), droht die kleine Serie des Bosz-Teams zu wackeln. Am 3. Spieltag schaffte es die Werkself trotz eines aberwitzigen Eckenverhältnisses von 19:0 nicht, den Gegner zu schlagen. „Vielleicht haben wir jetzt das Glück, dass uns im Hinspiel gefehlt hat“, betonte Hradecky und warnte sogleich vor den Qualitäten der von Alfred Schreuder trainierten Mannschaft. Insbesondere Stürmer Munas Dabbur, den die TSG im Winter für rund zwölf Millionen Euro vom FC Sevilla verpflichtet hat, sei ein Spieler, auf den Bayer Acht geben müsse.

Bayers Rechtsverteidiger Mitchell Weiser würde sich freilich freuen, dürfte er die Herausforderung gegen den Israeli am Samstag annehmen und auflaufen. Beim Triumph gegen die Fortuna saß der 25-Jährige zuletzt 90 Minuten auf der Bank. In der Woche zuvor, beim 4:1 in Paderborn, verhalf ihm Bosz zu einem zwölfminütigen Comeback nach überstandenem Bänderriss im Sprunggelenk. „Ich bin auf einem guten Weg. Mein Fuß fühlt sich relativ gut an“, sagte Weiser. Um zu alter Leistungsstärke zurückzukommen, fehlten ihm jetzt nur noch weitere Einsätze. „Das geht nur über Spielzeit. Ich muss mich jetzt noch ein wenig gedulden und hoffen, dass ich meine Chancen bekomme“, betonte der in Troisdorf geborene Profi und merkte mit einem Augenzwinkern an: „Sagen wir, ich bin aktuell bei 99 Prozent.“

Zur Aufgabe am Samstag in Hoffenheim äußerte sich der Außenspieler wie folgt: „Wir haben immer die Qualität, zu gewinnen.“ Die drei Punkte zu holen, sei „unser Anspruch“. Die Tabelle interessiere ihn derzeit noch nicht wirklich. Doch auch der U21-Europameister von 2017 weiß, dass sich Bayer mit einem Erfolgserlebnis im Kraichgau weiter oben fest- und von der TSG sogar absetzen kann.