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Bayer Leverkusen nur mit Remis gegen Union Berlin bei Bender-Abschied

Bei Bender-Abschied : Bayer nach Remis gegen Union sicher in Europa League

Bayer Leverkusen hat im letzten Heimspiel der Saison einen Sieg verpasst und nur einen Punkt gegen Union Berlin geholt, ist dadurch aber fix für die Europa League qualifiziert. Sven und Lars Bender wurden vor dem Anpfiff verabschiedet.

Als Hannes Wolf im März als Interimscoach der Werkself antrat, hatte er einen klaren Auftrag. Der Nachfolger von Peter Bosz sollte die strauchelnde Mannschaft stabilisieren und mindestens in die Europa League führen. Das ist dem 40-Jährigen vorzeitig gelungen – allerdings mit Glück und Hilfe der Konkurrenz. Bayer reicht das 1:1 (1:0) gegen Union Berlin nur, weil parallel Mönchengladbach gegen Stuttgart verloren hat. Platz sechs ist Leverkusen nicht mehr zu nehmen.

Vor dem Anpfiff des letzten Heimspiels der Saison ging es zunächst um die Vergangenheit. Lars und Sven Bender wurden in kleiner Runde verabschiedet. Statt tosendem Jubel, Gesängen, Choreographien und womöglich auch Tränen der Rührung gab es für die Zwillingsbrüder ein paar nette Worte, Applaus vom Funktionsteam und einen Handschlag der Vereinsbosse. Immerhin: In der Nordkurve war ein großes Transparent mit dem Konterfei von Lars Bender aufgespannt. „Treue, Kampf, Leidenschaft – Danke Lars!“ war darauf zu lesen. Es war ein Gruß der organisierten Fanszene, die dem langjährigen Kapitän und neuen Ehrenspielführer mit Sicherheit gerne einen anderen Abschied bereitet hätte. Die Pandemie zwang die Anerkennung für die beiden 32-Jährigen ins Internet. Mit unzähligen Kommentaren und Tweets würdigten Bayers Anhänger die fußballerische Lebensleistung der Benders.

Dass Lars diese Saison nicht mehr spielen würde, war bereits lange vor dem Spiel gegen Berlin klar. Zudem gab es unter der Woche zwei weitere Hiobsbotschaften für Bayer. Topscorer Leon Bailey (Zehenbruch) wird diese Saison ebenso nicht mehr für Leverkusen auf dem Platz stehen, wie Exequiel Palacios (Adduktoren). Bereits zuvor reihte sich Daley Sinkgraven (Innenbandzerrung) in die Verletztenliste ein. Nadiem Amiri, Charles Aránguiz und Wendell standen dafür in der Anfangsformation. Zudem ersetzte Moussa Diaby Karim Bellarabi.

Den besseren Start in die Partie erwischten die Köpenicker. Max Kruse bediente nach einem schönen Sololauf Christopher Lenz, der aus rund 13 Metern schwach abschloss und damit Lukas Hradecky vor keine ernsthaften Probleme stellte (9.). Nur zwei Minuten später legte Lenz auf Marcus Ingvartsen ab, dessen Schuss ebenfalls harmlos war (11.). Zuvor wurde das vermeintliche 1:0 durch Patrik Schick nicht gegeben, weil der Ball vorab an die Hand des Leverkuseners prallte (7.).

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Es war also Musik in der Anfangphase. Bemerkenswert waren auch die beiden frühen Gelben Karten gegen Nadiem Amiri (6.), der Christian Gentner recht rüde in die Beine stieg, und Edmond Tapsoba (17.), der kurz vor einer von Hradecky parierten Großchance durch Kruse (16.) Ingvartsen abräumte. Für beide ist es jeweils die fünfte Verwarnung. Sie werden also beim Saisonfinale kommenden Samstag in Dortmund fehlen.

Spätestens nach dem aberkannten Treffer von Kruse (21.), das wegen einer Abseitsposition vorab von Ingvartsen nicht zählte, hatten die Gäste mehr vom Spiel. Und doch war es die Werkself, die in Führung ging. Zunächst wurde ein Schuss von Amiri abgeblockt, dann kam Wendell aus spitzem Winkel zum Abschluss. Sein Versuch, den Ball ins lange Eck zu befördern, landete leicht abgefälscht beim geistesgegenwärtig am zweiten Pfosten eingelaufenen Florian Wirtz, der aus kurzer Distanz keine Mühe hatte. Daran konnte auch der Videobeweis nichts mehr ändern (27.).

Berlin ließ daraufhin ein, zwei semigefährliche Distanzschüsse folgen – und ein skurriles Foul von Ingvartsen. Der Däne hielt Diaby gefühlte zehn Sekunden auf dessen Weg nach vorne mit beiden Händen fest, während der Franzose einfach weiter versuchte, seinen Sprint am Ball durchzuziehen. Für diese Ringereinlage am Mittelkreis, die einen potenziell gefährlichen Konter der Werkself verhinderte, gab es völlig zurecht die Gelbe Karte (40.). So ging es mit der schmeichelhaften Führung der Gastgeber in die Kabinen.

Nach dem Wiederanpfiff hatte Berlin zunächst mehr vom Spiel, wirklich zwingend kam Union aber nicht vor Bayers Tor. Lange zog sich das Spiel recht zäh dahin, doch dann war es – ausgerechnet – der eingewechselte Joel Pohjanpalo, der Bayer einen Strich durch die Rechnung machte. Die Leihgabe aus Leverkusen kam nach einer Flanke von Sheraldo Becker völlig frei aus kurzer Distanz zum Kopfball, den Hradecky noch abwehrte, doch der Ball landete wieder bei seinem Landsmann – und der Finne vollstreckte eiskalt (72.). Diaby ließ kurz danach einen sehenswerten Fernschuss folgen, den Unions Schlussmann Andreas Luthe mit den Fingerspitzen gerade so eben an den Querbalken lenkte (74.).

Jetzt war Zittern in Leverkusen angesagt, denn die Köpenicker drängten auf die Führung. Doch auch die Werkself kam zu weiteren Gelegenheiten – zum Beispiel durch Jonathan Tah per Kopfball (78.). Doch es blieb beim 1:1. Wolfs ehemaligem Klub Stuttgart ist es zu verdanken, dass Bayer trotzdem sicher in die Europa League einzieht. Der VfB gewann parallel zum mauen Remis in der BayArena 2:1 in Gladbach. So kann der Interimscoach der Werkself entspannter in das Duell mit seinem guten Freund Edin Terzic in Dortmund gehen, der ironischerweise als einer der Kandidaten für das womöglich im Sommer vakante Traineramt beim Werksklub gilt.

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