Bundesliga 19/20: Bayer Leverkusen sieht doppelt Rot und verliert in Köln

0:2 im Rheinduell : Bayer sieht doppelt Rot und verliert in Köln

Aleksandar Dragovic und Leon Bailey werden im Derby des Feldes verwiesen. Jhon Cordoba und Sebastiaan Bornauw machen den ersten Sieg des FC seit sechs Spieltagen perfekt.

Es war ein kleines, aber unmissverständliches Transparent, das am Oberrang der Südkurve die Lage des 1. FC Köln zusammenfasste: „Aufwachen!“ war darauf in Großbuchstaben zu lesen – neben einer handgemalten Uhr, auf der die sprichwörtlich bedrohliche Zeit fünf vor zwölf angezeigt wird. Entsprechend groß war der Druck bei den Domstädtern, etwas Zählbares im 63. Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen zu gewinnen, das seinerseits jeden Punkt brauchte, um weiterhin im Kampf um die Champions-League-Plätze mitmischen zu können. Das ist je nach Perspektive ge- oder misslungen. Die Werkself unterliegt dem kriselnden Nachbarn 0:2 (0:0).

Ein Blick auf die individuelle Qualität und Marktwerte beider Teams untermauerte die Favoritenrolle der Leverkusener. Doch ein Derby ist ein Derby ist ein Derby. So setzte der FC in der zweikampfbetonten Anfangsphase vor allem auf Physis und lange Bälle, um irgendwie in das Nachbarschaftsduell zu finden – und verbuchte durch Ismail Jakobs den ersten, wenn auch harmlosen Abschluss (5.).

Bayer versuchte es indes vorerst mit Technik, kurzen Pässen und Tempo. Der Ansatz wollte nicht so recht funktionieren, denn das Geschehen spielte sich vor allem zwischen den Strafräumen ab. Bayers Trainer Peter Bosz war nach gut 15 Minuten bereits auf 180 und brüllte Kommandos über den Platz. Zufriedenheit deutete seine Mimik dabei zu keinem Zeitpunkt an. Sein Pendant Markus Gisdol geizte hingegen nicht mit Szenenapplaus. Und er hatte gute Gründe dafür.

Seine Kölner schalteten schneller in den Derby-Modus, standen tief, machten die Räume eng und gaben keinen Zentimeter des Rasens kampflos preis. So wurde Leverkusens Nadiem Amiri an einem vielversprechenden Abschluss im Strafraum gehindert (18.), Kevin Volland und Kai Havertz fielen kurz danach auf die Abseitsfalle des FC herein. Moussa Diaby aber nicht, der plötzlich vor dem Tor der Gastgeber auftauchte – doch Timo Horn war zur Stelle, um den Ball schleunigst aus der Gefahrenzone zu boxen (21.).

Allmähich setzte sich bei der Werkself die Erkenntnis durch, dass sie mit Schönspielerei an diesem verregneten Nachmittag in Köln nicht weit kommen würde. Immer wieder funkte einer der „Geißböcke“ dazwischen, um das enorme Offensivpotenzial der Gäste rechtzeitig einzudämmen. Die erste richtig gute Chance hatte der FC. Jonas Hectors angeschnittener Ball vom linken Eck des Fünfmeterraumes aus drehte sich jedoch am rechten Pfosten vorbei (26.). Jan Thielmanns gewagter Versuch aus der zweiten Reihe war hingegen bei Bayers Nummer eins Lukas Hradecky in sicheren Händen (34.).

Die nun der Halbzeit entgegenplätschernde Begegnung zweier Erzrivalen bot freilich reichlich Raum für stimmungsvolle Gesangsduelle beider Fanlager – mal über, mal unter der Gürtellinie, aber manchmal auch gekonnt selbstironisch: „Wer wird Deutscher Meister, wenn man die Tabelle dreht?“, skandierte der leidgeprüfte Kölner Anhang. Auf der Gegenseite war indes völlig klar, wer „die Nummer eins am Rhein“ ist, was wiederum ein lautstarkes „ihr werdet nie Deutscher Meister!“ der Südkurve zur Folge hatte. Derby eben.

Laut wurde es ebenfalls bei der Gelben Karte gegen Kai Havertz, der es im Strafraum mit einer Schwalbe versuchte (41.). Kurz danach foulte Aleksandar Dragovic Kölns Dominick Drexler gelbwürdig – und dann wurde auch noch das vermeintliche 1:0 von Anthony Modeste wegen Abseits aberkannt (43.), was der bis dahin trotz aller Rechtmäßigkeit größte Aufreger war.

Viel Kampf, wenig Glanz war auf beiden Seiten des Rasens das Motto der ersten 45 Minuten. Zur Wahrheit gehört aber auch: Köln verkaufte sich gut und hatte die klareren Torchancen. Bayer wollte diesen Eindruck nach dem Wiederanpfiff offenbar schnell korrigieren, aber Amiris Versuch aus rund elf Metern prallte an Horns Fäusten ab (47.), ebenso wie der Schuss von Havertz (52.).

Mit einem Foul der Marke „Bärendienst“ legte nach einer guten Stunde Dragovic den eingewechselten Jhon Cordoba, was postwendend Gelb-Rot nach sich zog (63.). Nun wurde es hektisch, hitzig, intensiv – und die Gastgeber waren dem 1:0 nah, doch Rafael Czichos setzte seinen Kopfball nach einer Ecke über das Tor (68.). Drei Minuten später erklang das Trömmelchen dann doch, weil es in Hradeckys Tor klingelte. Cordoba schaltete nach einer kuriosen Situation am schnellsten, die anschließend minutenlang videobeweisgeprüft wurde. Marcel Risse hob den Ball über Bayers Defensive hinweg abseitsverdächtig zu Hector, der auf Cordoba querlegte, der sauber ins rechte untere Eck abschloss (73.).

Der rund 20 Minuten vorher eingewechselte Leon Bailey verlor daraufhin bei einem Zweikampf die Nerven, langte Kingsley Ehizibue ins Gesicht und sah völlig zurecht die Rote Karte (77.). Kurz vor dem Abpfiff machte der FC dann ersten Bundesligasieg seit dem 3:0 gegen Paderborn am 20. Oktober klar. Sebastiaan Bornauw erzielte den 2:0-Endstand gegen die doppelt dezimierte Werkself. Weiter geht es für Köln bereits am Mittwoch in Frankfurt (20.30 Uhr), Leverkusen tritt am vorletzten Spieltag des Jahres gegen Hertha BSC an (18.30 Uhr).

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