Bayer Leverkusen verliert das „kleine Rheinderby“ gegen Borussia Mönchengladbach

1:2 gegen Borussia : Bayer Leverkusen verliert das „kleine Rheinderby“

Gegen Borussia Mönchengladbach erspielt sich die Werkself zahlreiche Chancen, lässt aber die nötige Durchschlagskraft vermissen, um den Tabellenführer zu stürzen. Leon Bailey sieht kurz vor dem Schlusspfiff die Rote Karte.

„Verlieren verboten!“ war mit Blick auf die Ambitionen der Werkself das Credo vor dem Heimspiel gegen den Tabellenführer aus Mönchengladbach. Diese Vorgabe hat das Team von Trainer Peter Bosz trotz guter Leistung nicht erfüllt. Nach der 1:2 (1:2)-Niederlage in einem kurzweiligen Spiel ist der Abstand zu den Mannschaften gewachsen, die um die vordersten Plätze spielen.

Bosz veränderte seine Startelf im Vergleich zum 1:0-Pokalsieg unter der Woche gegen Paderborn auf drei Positionen. Für den verletzten Kapitän Lars Bender (Muskelfaserriss), Aleksandar Dragovic und Nadiem Amiri rückten Wendell, Sven Bender und Kerem Demirbay in die Anfangsformation.

Letzterer war in den ersten Minuten mehrfach als Eckenschütze gefragt, doch keine seiner Hereingaben sorgte für ernsthafte Gefahr. Die Werkself ließ den Ball laufen, machte aber zu wenig aus ihrem Ballbesitz. Bosz und sein Pendant Marco Rose verfolgten das sich in der Anfangsphase vor allem zwischen den Strafräumen abspielende Geschehen in scheinbar stoischer Ruhe – mit verschränkten Armen. Beide sahen, wie die Borussia zunehmend besser ins Rollen kam und den ersten wirklich guten Angriff der Partie zur Führung nutzte.

Auf der linken Seite ließ sich Wendell von Marcus Thuram überrumpeln. Der Gladbacher hatte erst Glück, dass der Brasilianer im Zweikampfversuch ausrutschte, daraufhin allerdings auch sonderbarerweise überhaupt keine Mühe, den völlig frei vor dem Tor lauernden Oscar Wendt zu bedienen, der aus kurzer Distanz nur noch den Fuß hinhalten musste (18.).

Dass sich offenbar keiner von seinen im Strafraum versammelten Spielern für den Torschützen zuständig fühlte, ließ Bosz sichtlich genervt an der Seitenlinie zurück. Doch sein Groll hielt nicht lange an, denn Lucas Alario filetierte wenig später mit einem Traumpass aus der eigenen Hälfte auf Kevin Volland die Defensive der Gäste. Leverkusens Angreifer stürmte alleine auf Yann Sommer zu, umkurvte den Schweizer und vollendete zum Ausgleich (25). Kurz danach zwang Karim Bellarabi mit einem wuchtigen Schuss aus der zweiten Reihe Sommer zu einer Parade (28.).

Jetzt war deutlich mehr Musik in der Partie, in der beide Teams mit Risiko den Weg zum gegnerischen Tor suchten. Die Gladbacher liefen die Leverkusener früh an und die Hausherren versuchten, sich mit schnellem Passspiel aus der Pressingfalle zu befreien. Die Borussia war dem 2:1 dennoch näher als Bayer – und münzte ihre gute Phase zügig in Zählbares um.

Wieder war Links die durchlässige Seite. Weder der weit nach hinten geeilte Volland, noch Wendell konnten Florian Neuhaus von einem Pass auf Herrmann abhalten, der den Ball direkt vor das Leverkusener Tor auf Thuram spielte. Der Rest war Formsache (41.). Alario hatte noch vor dem Halbzeitpfiff das 2:2 auf dem Fuß, nachdem er das Leder stark von Matthias Ginter eroberte, doch der Schuss des völlig frei vor dem Tor abschließenden Argentiniers strich um Zentimeter am rechten Winkel vorbei (44.).

Leverkusen kam mit ordentlich Dampf aus der Kabine, verzettelte sich aber vorerst zu oft in der Vorwärtsbewegung. Besser machten es die Gäste, deren nächste Großchance durch Neuhaus von Lukas Hradecky stark pariert wurde (56.). Die Antwort von Alario ließ nicht lange auf sich warten, flog aber weit, weit über das Tor von Sommer (58.), der nur vier Minuten später den Ausgleich durch Volland per Fußabwehr vereitelte.

Die Werkself war nun drauf und dran, das 2:2 zu erzielen, verpasste aber gute Gelegenheiten durch Karim Bellarabi (62./68.), Volland (70.) sowie Leon Bailey (78.) – und musste dabei stets höllisch aufpassen, nicht in einen Konter zu geraten. Kurz vor dem Schlusspfiff sah Leon Bailey die wohl unnötigste Rote Karte seit langem nach einer Tätlichkeit gegen Herrmann. Der Videobeweis überführte den Jamaikaner des Nachtretens.

So blieb es beim für die Gäste letztlich etwas schmeichelhaften Spielstand, der die Machtfrage am Rhein zumindest vorerst klärt – fröhlich untermalt von den Gesängen aus dem Gästeblock. Die Nachbarn aus Düsseldorf und Köln spielen zwar am Sonntag auch noch gegeneinander (15.30 Uhr), haben mit dem oberen Tabellendrittel aber auf absehbare Zeit nicht viel zu tun.

Leverkusen: Hradecky - Weiser, Tah, Sven Bender, Wendell (69. Bailey) - Baumgartlinger (46. Aranguiz) - Havertz, Demirbay (73. Amiri) - Bellarabi, Alario, Volland. - Trainer: Bosz

Mönchengladbach: Sommer - Jantschke, Ginter, Elvedi (69. Zakaria) - Kramer, Hofmann (80. Benes) - Lainer, Neuhaus, Wendt - Herrmann, Thuram (65. Stindl). - Trainer: Rose

Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)

Tore: 0:1 Wendt (18.), 1:1 Volland (25.), 1:2 Thuram (42.)

Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)

Rote Karte: Bailey nach einer Tätlichkeit (nach Videobeweis) (90.+7)

Gelbe Karten: Tah (3), Baumgartlinger - Hofmann

Torschüsse: 23:11

Ecken: 13:0

Ballbesitz: 57:43 %

Zweikämpfe: 144:112

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