Borussia Mönchengladbach: Bei Doucouré macht der Körper mit

Borussias junger Franzose : Doucouré überzeugt nach langer Verletzung

Über zwei Jahre nach seinem Wechsel zur Borussia stand der junge Franzose in Wien erstmals in der Startformation. Er überzeugte und bereitete das zwischenzeitliche 3:0 von Patrick Herrmann vor.

Sein Debüt vor fünf Wochen mag noch etwas emotionaler gewesen sein. Schließlich stand Mamadou Doucouré damals, beim Test der Borussen gegen den VfL Bochum, an der Seitenlinie und wartete auf seine Einwechslung. Unter dem Applaus der Fans bestritt der 20-Jährige Anfang September in Willingen seine ersten Minuten als Gladbacher. Am Freitagabend in Wien feierte der junge Franzose nun seine nächste Premiere, die ein weiterer Schritt zurück in den Alltag eines Profifußballers ist: Über zwei Jahre nach seinem Wechsel von Paris Saint-Germain zur Borussia stand Doucouré nun beim 6:0 im Freundschaftsspiel beim Wiener Sport-Club erstmals in der Gladbacher Startformation.

Der Alltag des Mamadou Doucouré hatte zwei Jahre lang überwiegend aus Reha-Maßnahmen bestanden. In seinem letzten Spiel für Paris hatte sich der Verteidiger einen Muskelbündelriss zugezogen. Was zu diesem Zeitpunkt keiner ahnen konnte: Es war nur der Beginn einer unglaublichen Pechsträhne des hochtalentierten Abwehrspielers. Zwei weitere Muskelbündelrisse und ein Muskelteilabriss sollten noch folgen. Immer wenn sich Doucouré gerade wieder herangearbeitet hatte und das Trainingspensum auf dem Fußballplatz steigern durfte, machte ihm sein Körper wieder einen Strich durch die Rechnung.

Nun aber streikt die Muskulatur seit längerem nicht mehr. Die Sommervorbereitung begann er noch mit individuellen Athletik-Einheiten, doch längst ist er ein fester Bestandteil des Mannschaftstrainings. So still es lange um Doucouré war, weil er zumeist in der Reha weilte, so ruhig, aber beharrlich arbeitet er nun an seiner dauerhaften Rückkehr auf den Platz. In Wien ist ihm dabei nun der nächste Schritt gelungen.

Denn während die zehn Einsatzminuten gegen Bochum mehr dazu dienten, ihm ein gutes Gefühl zu verschaffen, so bot der erste Startelf-Einsatz Doucouré die Gelegenheit, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen. Und der Youngster hinterließ an der Seite von Tony Jantschke einen starken Eindruck in der Innenverteidigung. Ohne Hemmungen ging der 20-Jährige in die Zweikämpfe, defensiv stand er sicher. Vor allem setzte Doucouré gegen den unterklassigen Gegner auch Akzente im Aufbauspiel – mit Erfolg. Bereits in der dritten Minute wagte er einen Antritt ins Mittelfeld und spielte dann Lars Stindl frei, der daraufhin Julio Villalba zum 1:0 auflegte. Und nach einer halben Stunde verbuchte Doucouré einen direkten Assist für sich, als sein langer Ball Patrick Herrmann fand, der zum 3:0 traf.

„Es freut mich, dass Mamadou sich präsentieren konnte. Er hat eine richtig gute Halbzeit gezeigt“, sagte Dieter Hecking. Dass Borussias Trainer seinen Startelf-Debütanten zur Pause aus der Partie nahm, zeigt allerdings auch, dass die Gladbacher bei Doucourés Entwicklung weiterhin Vorsicht walten lassen. Zu schmerzhaft sind die Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre. Schon beim Test in Willingen hatte Hecking betont, dass sein junger Abwehrspieler nun nicht innerhalb von vier bis acht Wochen durchstarten werde: „Wir wollen ihn stabil haben, es soll Schritt für Schritt weitergehen.“

Der nächste Schritt sah nun für Doucouré 45 Testspielminuten vor. Bis der erste Einsatz in der Bundesliga folgt, wird noch etwas Zeit vergehen. Doch der Franzose hat gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist – wenn der Körper nun endlich auf Dauer mitspielt. „Mamadou hat sich in diesem Spiel ein gutes Gefühl erarbeitet, das soll er nun mitnehmen“, sagte Hecking. Noch ist Geduld gefragt bei Doucouré. Doch mit der Partie in Wien ist er wieder ein Stückchen weiter auf seinem langen Weg zurück in den Profi-Alltag.

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