Borussia Mönchengladbach: Testspiel gegen den Wiener SC erfüllt seinen Zweck

Einsatzzeit für Rückkehrer und Gastspieler: Borussias Test in Wien erfüllt seinen Zweck

Gladbach gewann die Partie beim österreichischen Drittligisten Wiener SC souverän. Beim 6:0-Erfolg kamen einige Spieler zum Einsatz, die lange verletzt gefehlt hatten. Auch die Gastspieler Tobias Levels und Eugen Polanski erhielten Spielzeit.

Es gibt durchaus einige Gemeinsamkeiten zwischen der Borussia und dem Wiener Sport-Club. Beide Traditionsklubs haben schwarz und weiß in ihren Vereinsfarben, beide werden auch vom selben Ausstatter eingekleidet. Und beide erlebten ihre wohl größte Europapokalnacht gegen ein italienisches Team – mit dem feinen Unterschied, dass Borussias 7:1 gegen Inter Mailand am 20. Oktober 1971 wegen einer von der Tribüne geworfenen Büchse, die Inter-Star Roberto Boninsegna an der Schulter traf, annulliert wurde.

Das sensationelle 7:0 des Wiener SC gegen Juventus Turin am 1. Oktober 1958 steht dagegen unauslöschlich in allen Statistikbüchern des Europapokals. Die Österreicher setzten sich damals in der ersten Runde des Landesmeister-Cups gegen das hochfavorisierte Juve durch. Jenes 7:0 hat vor wenigen Tagen sein 60-Jähriges gefeiert, und zum Jubiläum hatte sich der Wiener SC am gestrigen Freitagabend Prominenz aus der Bundesliga eingeladen.

Die Borussia setzte damit die Liste hochkarätiger Gäste fort, waren in den Vorjahren doch die AS Rom (2014), Paris St. Germain und der FC Valencia (beide 2015) im Stadion an der Alszeile aufgelaufen. Der Wiener SC kündigte die Borussia auf seiner Internetseite dann auch stolz als den „Bayern-Besieger“ an. Denn bei allen Gemeinsamkeiten liegen sportlich mittlerweile doch eher Welten zwischen den Klubs. Und Borussia wurde gegen den Tabellenfünften der Regionalliga Ost, der dritten österreichen Liga, ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann 6:0 (3:0).

Nichtsdestotrotz bekamen die Gladbacher das, was Co-Trainer Dirk Bremser im Vorfeld der Partie erwartet hatte: eine tolle Kulisse mit 2500 Zuschauern, einen engagierten Gegner und einen ernsthaften Test. Borussia trat ihrerseits aber von Beginn an konzentriert auf und nutzte die Lücken im Abwehrverbund des unterklassigen Gegners sogleich eiskalt aus. Nach neun Minuten führte der Gast durch Julio Villalba und Jonas Hofmann bereits 2:0, womit die Hoffnungen des Gastgebers auf einen Überraschnungserfolg schon im Keim erstickt wurden.

Der junge Paraguayer Villalba gehörte zu jenen Spielern, für die der Test in Wien eine ideale Gelegenheit war, um sich nach langer Verletzungspause zeigen zu können. Schon in der dritten Minute hatte der 20-Jährige sein persönliches Erfolgserlebnis, als er in eine Hereingabe des Gladbacher Kapitäns Lars Stindl grätschte. Später trafen in Josip Drmic und Keanan Bennetts zwei weitere Angreifer, die zu Borussias gutem Saisonstart in der Liga nichts hatten beitragen können.

Mamadou Doucouré erzielte zwar keinen Treffer, dafür feierte der junge Verteidiger, der mit mehreren Muskleverletzungen zwei Jahre lang der große Pechvogel im Gladbacher Kader gewesen war, sein Startelfdebüt für Borussia. Und der Franzose leitete gar die Treffer zum 1:0 und 3:0 (durch Patrick Herrmann) sehenswert ein. Den sechsten Treffer steuerte Fabian Johnson bei.

Da insgesamt 13 Spieler aufgrund ihrer Abstellungen zu den Nationalmannschaften fehlten und zudem Jordan Beyer und Raffael, die sich noch im Aufbautraining befinden, nicht zur Verfügung standen, nahm Hecking auch Tobias Levels und Eugen Polanski mit nach Wien. Die Ex-Borussen, die seit dem Sommer vertragslos sind, trainieren derzeit mit den Profis. „Es ist eine tolle Gelegenheit, einfach mal wieder ein Spiel zu haben“, sagte Polanski, der sich wie Levels nahtlos in das Gladbacher Spiel einfügte – und damit seinen Teil dazu beitrug, dass die Wien-Reise für alle Beteiligten ihren Zweck erfüllte.

(togr)
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