Bayer 04 Leverkusen: So führte Peter Bosz die Werkself in die Champions League

Trainerwechsel mit Erfolg : Bosz tanzt mit Bayer in die Königsklasse

Peter Bosz hat Bayer 04 Leverkusen in die Champions League geführt. Der Trainer der Werkself hat in seinem ersten Halbjahr bewiesen, dass er sich anpassen kann. Der Erfolg gibt ihm Recht.

Die Gladbacher Niederlage gegen Dortmund hatte unter den Profis von Bayer Leverkusen schnell die Runde gemacht. Flugs wurden nach dem Abpfiff im Berliner Olympiastadion die roten T-Shirts mit der Aufschrift „Königsklasse 2019/20 – Das Dutzend ist voll“ übergestreift. Ausgelassen tanzten und jubelten die Profis anschließend mit den mehr als 3000 mitgereisten Bayer-Fans. Die Freude über den ersten Einzug in die Champions League seit drei Jahren war riesig.

Mit einem 5:1 (2:1) bei Hertha BSC hat sich der Werksklub zum zwölften Mal in der Vereinsgeschichte für die Königsklasse qualifiziert. Drei Treffer von Lucas Alario sowie je einer von Julian Brandt und Kai Havertz, der zum neunten Mal das 1:0 in dieser Saison erzielte, ließen keinen Zweifel am Ausgang der einseitigen Partie. Für den Hauptstadtklub traf lediglich Valentino Lazaro. Der scheidende Coach Pal Dardai wurde bereits vor der Begegnung verabschiedet.

Leverkusens fulminanter Saisonendspurt mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen und der damit verbundene, erstmalige Sprung auf den vierten Platz, trägt die Handschrift von Trainer Peter Bosz. Der Niederländer hatte die in der Hinrunde selten überzeugenden Rheinländer im Winter von Heiko Herrlich auf dem neunten Platz übernommen und in Windeseile zu einer kaum aufzuhaltenden Offensivmaschine geformt. 43 Tore gelangen der Werkself allein in der zweiten Saisonhälfte, elf von 17 Partien gewann Leverkusen. Nur Meister München war in diesen Kategorien besser.

Nach seinem Aus bei Borussia Dortmund vor rund anderthalb Jahren galt Bosz in Fußball-Deutschland als Trainer, der sein Heil ausschließlich in der Offensive sucht und stur an seinem 4-3-3-System festhält. Im ersten Halbjahr unter dem Bayer-Kreuz hat der 55-Jährige bereits das Gegenteil bewiesen. Als die Stammkräfte Karim Bellarabi und Leon Bailey nacheinander verletzt ausfielen, änderte Bosz seine Grundordnung in Ballbesitz und ließ fortan im 3-6-1 spielen. Charles Aránguiz und Julian Baumgartlinger sorgten für zusätzliche Stabilität im defensiven Mittelfeld. Kevin Volland, zuvor oft einzige Spitze, übernahm dafür Baileys Part auf Linksaußen und Alario rückte in das Sturmzentrum.

Der Plan ging auf: Bayer dominierte im zweiten Halbjahr beinahe jeden Gegner, war sicher im Passspiel und im Angriff ungewohnt effizient. Selbst von einer drei Spiele anhaltenden Niederlagenserie zwischen dem 26. und 28. Spieltag ließ sich die Werkself nicht beirren. „Am Ende stehen wir zurecht da oben, weil wir einen super Schlussspurt hingelegt und vor allem daran geglaubt haben“, sagte Volland und versicherte: „Die Champions League ist für alle Beteiligten – die Stadt, die Fans, das Trainerteam, uns Spieler – etwas ganz Großes.“

Einer der wohl wichtigsten Faktoren für den Leverkusener Umschwung zur Rückserie war freilich die Umstellung von Julian Brandt vom Flügel auf die Doppel-Acht. Dort blühte der 23-Jährige an der Seite von Nationalmannschaftskollege Havertz auf. Sechs Tore und elf Vorlagen in den letzten 17 Spielen sprechen für sich. Das sieht auch Sportgeschäftsführer Rudi Völler so. „Dadurch hat sich unser ganzes Spielgefüge geändert“, sagte der Weltmeister von 1990. „Es war eine sehr, sehr gute Maßnahme.“ Die Frage lautet nun: Bleibt Brandt, oder geht er? Während sich der unter anderem von Dortmund umworbene Profi nach dem Sieg in Berlin wortkarg zeigte, erklärte Völler: „Er wird sich innerhalb der nächsten Tage entscheiden.“

Auch wenn die Zeichen eher auf Abschied stehen, dürfte der Einzug in den wichtigsten Vereinswettbewerb des Profi-Fußballs Leverkusens Chancen auf einen Brandt-Verbleib zumindest nicht geschmälert haben.

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