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Bayer Leverkusen: Lucas Alarios Torinstinkt wird der Werkself fehlen

Torgarant fällt aus : Lucas Alarios Verletzung trifft Bayer hart

Die Werkself muss den Saisonendspurt ohne Lucas Alario meistern. Der Stürmer fällt mit einer Muskel-Sehnenverletzung sechs bis acht Wochen aus. Nun ist Patrik Schick gefordert, doch der Tscheche schwächelt seit Monaten.

Wie eng Freud und Leid im Fußball beieinander liegen können, zeigt das Beispiel Lucas Alario. Beim 3:1-Sieg der Werkself gegen Frankfurt war der Argentinier noch einer der Matchwinner. In der 77. Minute wurde er eingewechselt, in der 80. erzielte er den Treffer zum vorentscheidenden 2:0. Es war eine Szene, in der die größte Stärke des 28-Jährigen sichtbar wurde: sein Torinstinkt. Diesen wird Bayer im Saisonendspurt schmerzlich vermissen, denn Alario fällt sechs bis acht Wochen aus.

Im Training am Donnerstag zog sich der Stürmer eine Muskel-Sehnenverletzung im rechten Oberschenkel zu. Eine MRT-Untersuchung sicherte die bittere Diagnose, die Alario wohl die Teilnahme an der Copa América kostet. Das südamerikanische Kontinentalturnier findet – beinahe parallel zur Europameisterschaft – vom 11. Juni bis 10. Juli in Argentinien und Kolumbien statt.

Die Verletzung ist für Bayer ein Schlag ins Kontor. Denn in Patrik Schick steht Interimstrainer Hannes Wolf jetzt nur noch ein erfahrener Mittelstürmer für die letzten drei Spieltage der Saison zur Verfügung. Und dann ist da noch der 18-jährige Emrehan Gedikli aus dem eigenen Nachwuchs, der vor wenigen Tagen seinen ersten Profivertrag in Leverkusen unterschrieben hat. Welche Rolle der Angreifer, der in den Jugendteams der Werkself durch seine Treffsicherheit auffiel, nach dem Ausfall Alarios in Wolfs Plänen spielt, wird sich zeigen. Sicher ist hingegen, dass es nun mehr denn je auf Patrik Schick ankommt.

Doch der Tscheche ist in seiner derzeitigen Verfassung im Gegensatz zu Alario kein Garant für Tore. Zwar liest sich seine Statistik mit neun Toren in 26 Ligaspielen ähnlich wie die des Argentiniers (11/25), doch Schick brauchte dafür knapp 1670 Spielminuten, während sein Positionskonkurrent in der Liga in dieser Spielzeit bislang nur 1240 Minuten auf dem Platz stand.

Im Sommer 2020 wechselte Schick für 26,5 Millionen Millionen Euro von der AS Rom nach Leverkusen, um den nach Monaco abgewanderten Kevin Volland zu ersetzen. Zuvor war er ein Jahr an RB Leipzig ausgeliehen. Bei Bayer konnte der 25-Jährige bislang allerdings nur sporadisch überzeugen. In den vergangenen Monaten blieb er meist eher glücklos in seinen Aktionen. Fleiß und Einsatzwille sind ihm nicht abzusprechen, aber so richtig in Fahrt kommt der Stürmer bislang nicht. Mitunter wirkt er gehemmt.

Die Gewissheit, Alario im Zweifelsfall von der Bank bringen zu können, ist nun dahin. Schick ist bei den Spielen in Bremen, gegen Union Berlin und zum Abschluss in Dortmund also mehr denn je gefordert. Die Zeiten des Job-Sharings der beiden im Sturm könnten aber auch über die Saison hinaus vorbei sein. Alarios Vertrag läuft 2022 aus. Dann könnte er ablösefrei den Verein verlassen. Denkbar ist aber, dass der Argentinier bereits nach dieser Saison zu einem neuen Klub wechselt, denn wirklich glücklich ist er mit seiner Rolle in Leverkusen nicht geworden.

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Zwar äußerte Alario nie öffentlich Unmut, erst hinter Volland und dann hinter Schick die zweite Geige spielen zu müssen, doch sein Berater Pedro Aldave lancierte in den vergangenen Jahren in regelmäßigen Abständen die Unzufriedenheit nebst Wechselgedanken seines Schützlings – zuletzt im August 2020: „Der Verein liebt den Spieler, weil er weiß, wie er funktioniert, aber es ist nicht gut, einen Ferrari nur in der Garage stehen zu haben.“