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Bayer 04 Leverkusen: Was für und was gegen Trainer Hannes Wolf spricht

Bayers Interimscoach : Was für und was gegen Hannes Wolf spricht

Für Bayer Leverkusens Interimstrainer Hannes Wolf geht es bis zum Saisonende auch darum, sich für eine Zukunft unter dem Bayer-Kreuz zu empfehlen. Mit zehn Punkten aus fünf Spielen ist ihm der Start gelungen. Ist er der Richtige für die Werkself?

Julian Nagelsmann beerbt Hansi Flick beim FC Bayern, Marco Rose zieht es nach Dortmund und Adi Hütter wird Roses Nachfolger in Gladbach – die Liga erlebt in dieser Saison eine regelrechte Trainer-Wechselorgie. Wer in Leipzig auf Nagelsmann folgt, ist noch offen und in Wolfsburg weiß offenbar niemand genau, wie die Pläne von Oliver Glasner aussehen.

Und Leverkusen? Noch ist unklar, wer die Werkself in die kommende Saison führt. Wir zeigen, welche Argumente Interimscoach Hannes Wolf bisher für eine Vertragsverlängerung geliefert hat – und was gegen ihn als Dauerlösung spricht.

Das spricht für Hannes Wolf

Die Werkself punktet wieder zuverlässig. Die bislang einzige Niederlage war das 0:2 beim FC Bayern, hinzu kommen die Nullnummer in Hoffenheim und drei Siege. Das ergibt zehn Punkte aus fünf Spielen. In den letzten neun Partien unter seinem Vorgänger Peter Bosz waren es nur acht Zähler, was letztlich zur Entlassung des Niederländers führte. Wolfs Bilanz entspricht bislang dem einst von Geschäftsführer Fernando Carro ausgegebenen Ziel, im Schnitt zwei Punkte pro Ligaspiel zu gewinnen.

Zudem hat der Interimscoach bei Personalentscheidungen Mut bewiesen. Er setzte beim 3:1 gegen Frankfurt den formschwachen Kapitän Charles Aránguiz auf die Bank. Auch der unter Bosz beinahe bedingungslos gesetzte Moussa Diaby wurde rausrotiert, kam nach einer Stunde ins Spiel und bereitete postwendend das 1:0 vor. In den Vorwochen war es Stammspieler Leon Bailey, der zeitweise nur noch Ersatz war. Der Jamaikaner reagierte darauf mit zwei Gala-Auftritten gegen Köln und die Eintracht.

Aber nicht nur die Personalentscheidungen des Interimstrainers gehen auf, sondern auch die taktischen. Die Mannschaft wirkt vor allem defensiv besser ausbalanciert, gewinnt mehr Zweikämpfe und hat sich vom zunehmend ineffektiven Ballbesitz-Dogma unter Bosz verabschiedet. Gegen Frankfurt überzeugte die Werkself erstmals unter Wolf auch spielerisch und kreierte viele Torchancen. „Er ist der richtige Mann zur richtigen Zeit“, lobte Abwehrchef Sven Bender Wolfs Arbeit im Training und an der Seitenlinie.

Das spricht gegen Hannes Wolf

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In Leverkusen steht Wolf zum ersten Mal in seiner Trainerlaufbahn ein Team zur Verfügung, dessen fußballerische Qualitäten zum Besten gehören, was die Bundesliga zu bieten hat. Spielerisch überzeugt hat die Werkself unter dem vom DFB geliehenen Coach bislang aber selten. Die Punkte gegen Schalke, Köln und Hoffenheim waren vorrangig das Resultat fantastischer Einzelaktionen und solider Abwehrarbeit. In München präsentierte sich Bayer – entgegen der Ankündigung des 40-Jährigen – zu ängstlich und gab das Spiel früh aus der Hand. Nur gegen schwache Frankfurter zeigte Bayer zumindest in Ansätzen den Fußball, zu dem es in der Lage ist.

Dass Wolf nachhaltig erfolgreich bei den Profis arbeiten kann, muss er zudem noch beweisen. Als Retter verpflichtet führte er Stuttgart einst zur Zweitliga-Meisterschaft, mit Hamburg wurde er Herbstmeister in Liga zwei und auch in Genk war sein Beginn verheißungsvoll. Eine komplette Saison durfte er bei keinem dieser Klubs bleiben. In Leverkusen lautet das Ziel, jedes Jahr international zu spielen – am besten in der Champions League. Will Bayer einen Trainer mit entsprechender Reputation, gibt es auf dem Markt freilich erfahrenere Kandidaten.