"Ende Gelände": Polizei sperrt Bahnhof in Viersen - "Um Straftaten zu vermeiden"

„Um Straftaten zu vermeiden“ : Polizei sperrt Bahnhof in Viersen - kein Durchkommen für „Ende Gelände“-Aktivisten

Der Viersener Bahnhof ist aktuell komplett gesperrt. Weder Passanten noch „Ende Gelände“-Aktivisten können nun mit dem Zug fahren. Wie lange die Sperrung andauert, ist bislang noch unklar.

Nichts geht mehr am Bahnhof in Viersen. Polizeibeamte haben gegen 10 Uhr den kompletten Bereich abgesperrt, „um Straftaten zu verhindern“, wie eine Sprecherin der Polizei Aachen auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt. Außerdem wolle man damit auch für Sicherheit sorgen. Die Züge fahren nur durch, halten nicht.

4000 Klimaaktivisten wollen nach Angaben des Aktionsbündnis „Ende Gelände“ am Freitag mit Blockaden im Rheinischen Revier beginnen. Im Laufe des Tages würden Tausende vom Protest-Camp in Viersen aufbrechen. Eine weitere große Aufbruchswelle sei für Samstag geplant. Die Aktionen würden das ganze Wochenende andauern. Rund 3000 der Aktivisten übernachten während der Proteste in Viersen in einem Camp. „Die Aktivisten haben im Vorfeld zur Begehung von Straftaten aufgerufen. Diese sollen nun verhindert werden“, begründet die Sprecherin das Vorgehen der Polizei. Das Eindringen in den Tagebau stelle bereits eine Straftat dar. Bürgern, die auf den Bahnverkehr angewiesen sind, rät die Polizei geduldig zu sein. Noch sei unklar, wann der Bahnhof wieder freigegeben wird.

Kathrin Henneberger, Sprecherin von „Ende Gelände“, nannte die Sperrung des Bahnhofs „eine Unverschämtheit“. „Es ist nicht okay, dass die Polizei den Bahnhof und die Bahnen stillgelegt hat“, kritisierte sie. „Wir protestieren friedlich für Klimagerechtigkeit.“ Henneberger forderte die Polizei auf: „Machen Sie sofort den Bahnhof wieder auf!“

Kritisch äußerte sich auch Rene Heesen, Vorstandsmitglied der Grünen im Kreis Viersen: „Mit der Sperrung des Bahnhofs in Viersen wird die Polizei Aachen nicht die angekündigten Blockaden aufhalten. Sie schränkt aber die Demonstrationsfreiheit ein und nimmt alle Pendler in Sippenhaft.“ Er forderte den Aachener Polizeipräsidenten - ebenfalls Mitglied von Bündnis90/Die Grünen - auf: „Kehren Sie auf den Boden der Rechtsstaatlichkeit zurück!“

Schon am Freitagmorgen kreiste bereits ein Hubschrauber über dem Camp, um zu verfolgen, wohin die Aktivisten zu den Protesten aufbrechen. 

In Aachen am Rande des Braunkohlereviers bereiteten sich derweil am Freitagvormittag tausende Anhänger der Schülerbewegung Fridays for Future auf ihre erste internationale Großdemonstration vor. Zu den Klimaprotesten ab Freitagmittag in der Stadt im Dreiländereck Deutschland/Niederlande/Belgien werden bis zu 20.000 junge Teilnehmer aus 17 Ländern erwartet.

Am Samstag wollen Anhänger von Fridays for Future dann am Tagebau Garzweiler südlich von Mönchengladbach demonstrieren. Dort ist ebenfalls am Samstag unter dem Motto "Kohle stoppen - Klima und Dörfer retten" eine weitere Demonstration mit Kundgebung geplant, zu der ein Bündnis umwelt- und zivilgesellschaftlicher Gruppen wie Campact, BUND und Greenpeace aufruft.

Hier geht es zur Bilderstrecke: „Ende Gelände“-Proteste - Polizei sperrt Viersener Bahnhof

(dtm/mrö)
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