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Gladbach - Wolfsburg: VAR sorgt bei Kruse, Kohfeldt und Hütter für Diskussion

Diskussion um VAR und Schiri : Gladbach und Wolfsburg bewerten Aufreger-Szenen beim 2:2 unterschiedlich

Schiedsrichter Tobias Reichel und der Videobeweis standen beim 2:2 zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg mehrmals im Mittelpunkt. Nach Abpfiff wurde über drei Szenen besonders intensiv diskutiert. Die Beteiligten teilten aber in den wenigsten Punkten eine Meinung.

Sebastiaan Bornauw hatte bei Borussias 2:2 gegen den VfL Wolfsburg mit seinem provozierenden Jubel vor der Nordkurve nach seinem Kopfballtor zum 2:0 für die Gäste das erste Mal im Borussia-Park für Aufregung gesorgt. Die Gladbach-Fans quittierten die Aktion des Belgiers, der zwei Jahre für den 1. FC Köln auflief, mit Pfiffen. Yann Sommer stürmte aus seinem Tor Richtung Bornauw, Schiedsrichter Tobias Reichel zeigte Borussias Torwart dafür Gelb.

„Es tut mir leid. Ich habe nicht nachgedacht in diesem Moment“, sagte der Wolfsburger nach der Partie. „Er hat sich dafür entschuldigt. Das ist für mich völlig okay und ein Spiel, in dem viele Emotionen drin sind, weil beide Mannschaften in einer schwierigen Situation sind. Das gehört dazu“, sagte Sommer und zeigte sich damit ebenfalls versöhnlich.

Diskutiert wurde nach dem Abpfiff aber kaum noch über Bornauw. Schiedsrichter Reichel und der Videoschiedsrichter, der zweimal ins Spiel eingriff und einmal auf eine Korrektur verzichtete, standen im Mittelpunkt. Es begann in Minute 66: Der eingewechselte Manu Koné trat Wolfsburgs Max Kruse im Strafraum auf den Knöchel. Statt direkt zu fallen, schlug Kruse erst noch zwei Haken, ehe er zu Boden ging.

„Das ist ein glasklarer Elfmeter. Wenn der Schiedsrichter sich das anguckt, weiß er das auch“, sagte Wolfsburgs Trainer Florian Kohfeldt, der sich nach dem Abpfiff ebenso echauffierte wie der Ex-Gladbacher Kruse. „Dann muss ich einfach immer direkt fallen, dann gibt es direkt Elfmeter“, sagte Kruse. Für den Schiedsrichter war Konés Tritt aufgrund des verzögerten Sturzes allerdings nicht für Kruses Fallen verantwortlich, er ließ weiterspielen, auch Videoassistent Günter Perl schaltete sich nicht ein. „Natürlich ist der Kontakt da. Aber wenn er weiterläuft und dann erst fällt – jeder Trainer sieht es aus seiner eigenen Brille“, sagte Hütter.

Vier Minuten später lieferten sich Marcus Thuram und Maxence Lacroix ein intensives Laufduell, für das Reichel nach dem Sichten der Videobilder Lacroix aufgrund seines Handspiels als letzter Mann Rot zeigte. „Für mich ist das keine Rote Karte, weil Thuram ihn bis zum letzten Moment umklammert. Das Handspiel ist unstrittig, aber vorher ist es ein Foul“, analysierte Kohfeldt die Szene. Hütter sah das anders: „Es ist ein Zweikampf. Ich verstehe nicht, wenn man dann mit dem Ball zur Hand geht.“ Der Schiedsrichter nutzte seinen Ermessensspielraum und wertete den Zweikampf zugunsten der Gladbacher.

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Es war nicht die letzte strittige Szene. Noch während sich in der Nachspielzeit eine Jubeltraube auf Matthias Ginter bildete, dem Torschützen zum vermeintlichen 3:2, griff Perl erneut ein. Patrick Herrmanns Grätsche, bei der Reichel wohl davon ausgegangen war, Herrmann hätte gegen Jerome Roussillon den Ball gespielt, wurde nachträglich als Foul gewertet; das Tor damit zurückgenommen.

„Da wird Roussillion das Bein weggezogen“, sagte Kohfeldt. Hütter hatte Herrmanns Grätsche von der Seitenlinie aus beobachtet und sich deshalb nach Ginters Tor mit dem Jubeln zurückgehalten. Trotzdem sagte er: „Ich weiß nicht, ob es eine klare Fehlentscheidung ist, weiterlaufen zu lassen.“

Gladbachs Sportdirektor Roland Virkus betonte, sich grundsätzlich nicht über Dinge aufzuregen, auf die er keinen Einfluss habe. „Wenn man die Szene seziert, kann man es nach rechts und links diskutieren. Dass die Wolfsburger sich beschweren, kann ich verstehen“, sagte Virkus.

Er bilanzierte, dass die Borussen unter dem Strich mit den Schiedsrichter-Entscheidungen besser bedient waren als die Wolfsburger. „Vielleicht hatten wir auch ein bisschen Glück, aber das haben wir uns vielleicht auch verdient“, sagte Virkus nach einer turbulenten Schlussphase, über die bei den Fans auf beiden Seiten eifrig debattiert wurde.

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