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Borussia Mönchengladbach: Corona-Krise sorgt für Minus von 37 Millionen Euro

Wegen Corona : Borussia hat bisher ein Minus von 37 Millionen Euro

Gladbachs Finanz-Chef Stephan Schippers legt die Zahlen zur Corona-Krise offen. Bisher steht ein Minus von 37 Millionen Euro zu Buche. Die Bilanz zeigt, wie wichtig es für die Gladbacher war, die Champions League zu erreichen.

Stephan Schippers ist der Herr der Zahlen bei Borussia. Der Geschäftsführer hat in den vergangenen Jahren immer wieder von schönen Bilanzen berichten können, von Rekordumsätzen und Gewinnen. Doch nun ist da die Corona-Pandemie, die alles verändert. „Wir liegen aktuell für das Geschäftsjahr 2020 bei einem Verlust von rund 37 Millionen Euro“, teilte Schippers am Samstag auf Borussias Internetseite mit. Erstmals legt er damit das gesamte Ausmaß des Schadens für den Klub offen.

Seit dem 7. März gab es nur Geisterspiele oder Spiele mit ganz wenigen Fans. Schon 21 Pflichtpartien mit Borussen-Beteiligung sind betroffen, davon eines im DFB-Pokal und drei in der Champions League. Schippers hatte mal pro Spiel ohne Zuschauer einen Verlust von rund 1,4 Millionen Euro veranschlagt, alles inklusive. Hinzu kommt, dass der gesamte Borussia-Park während des ersten Lockdowns drei und schon wieder mindestens einen Monat komplett heruntergefahren ist: die Sportsbar, das Hotel und das Vereinsmuseum sind geschlossen, seit März sind hunderte Veranstaltungen im Borussia-Park ausgefallen. Und auch die üblichen Fußball-Camps.

Transfereinnahmen gab es nicht, weil das Team zusammengehalten wurde für die Champions League, deswegen steht an der Stelle ein Minus von 4,5 Millionen Euro zu Buche für die Leihspieler Hannes Wolf und Valentino Lazaro. Die Zahlen zeigen, wie elementar wichtig es war, dass sich die Mannschaft von Trainer Marco Rose, die zwischenzeitlich auf einen Teil ihres Gehalts verzichtete, für die Champions League qualifizierte: Rund 28 Millionen Euro kamen bisher zusammen in der Königsklasse. Hinzu kommen die TV-Einnahmen aus der Bundesliga. Durch diese Einnahmen bleibt Borussia handlungsfähig trotz der immensen Verluste.

Indes: Bis Jahresende wird es weitere zehn Spiele ohne Fans geben, und ob und wann sich die Situation 2021 ändern wird, ist fraglich. Umso wichtiger wäre es für die Gladbacher, wenn sie in der Champions League überwintern könnten. Der Einzug ins Achtelfinale würde, so ist es vorgesehen, 9,5 Millionen Euro garantieren. Dass nicht nur aus sportlicher, sondern auch wirtschaftlicher Sicht erneut Platz vier mindestens das Ziel sein dürfte, liegt auf der Hand. Ein Plus für Borussia: Sie hat ein wertvolles Team.

Die Gladbacher Bilanz zeigt, wie überlebenswichtig es für die Klubs ist, dass überhaupt gespielt wird, auch wenn die Spiele ohne Zuschauer wehtun. „Wie alle Teile der Gesellschaft und der Wirtschaftswelt müssen wir mit den Einschränkungen leben und klarkommen. Was uns am meisten belastet, ist die Tatsache, dass unsere Fans nicht bei den Spielen dabei sein können. Das trifft uns wirtschaftlich, aber vor allem auch emotional. Keinen bzw. nur einen so stark reduzierten Kontakt zu den Fans zu haben, ist auf Dauer kein Zustand, mit dem wir leben wollen und können“, sagt Schippers. Letzteres meint vor allem: wirtschaftlich.

Dass sich Borussia in den vergangenen Jahren im oberen Tabellenbereich angesiedelt hat und inzwischen als ein Topklub wahrgenommen wird, zeigt die Tatsache, dass die nun in einem Atemzug mit den Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen genannt wird, wie jetzt, als die Bayern zum umstrittenen G15-Treffen nach Frankfurt luden. „Das ist ein Signal, dass unser sportlicher Erfolg, aber auch unsere wirtschaftliche Performance und die Investitionen in die Infrastruktur im Borussia-Park in der Branche wahrgenommen werden. Was wir erreicht haben, haben wir uns hart erarbeitet. Aus eigener Kraft, ohne Investor, ohne Werksgeld“, sagte Schippers.

Weswegen Schippers auch nicht die Ansicht teilt, dass die TV-Gelder neu verteilt werden sollten. „Der Weg von Borussia Mönchengladbach, aber auch anderer Vereine wie z.B. Eintracht Frankfurt, zeigt doch, dass es möglich ist, aus eigener Kraft in das obere Drittel der Bundesliga vorzustoßen. Durch gutes Wirtschaften, clevere Transferpolitik und sehr gute sportliche Leistungen. Dies alles hat dazu geführt, dass wir vom Kuchen der TV-Gelder ein größeres Stück abbekommen als zu den Zeiten, als wir in der unteren Tabellenhälfte rangiert haben. Dieses System finden wir gerecht und richtig. Wenn wir gute Arbeit nicht mehr belohnen, weil wir die TV-Gelder unabhängig von der Tabelle verteilen, dann ist das aus unserer Sicht nicht der zukunftsweisende Weg“, sagte Schippers.

Er und das Präsidium um Rolf Königs haben den Klub seit 1999 zunächst saniert, ihn dann mit dem Stadionbau und dem Ausbau der Infrastruktur in eine neue wirtschaftliche Dimension geführt, eben dies hat Sportdirektor Max Eberl im Segment „Sport“ getan.

Borussias Existenz sei nicht gefährdet durch die Corona-Krise, das hatten Schippers und Sportdirektor Max Eberl immer wieder gesagt. Doch sie haben auch betont, dass sie den Klub, den Schippers gern als „nicht reich, aber gesund“ bezeichnet, bis ins Mark trifft. Nun gibt es die Zahl dazu. „Alle bei Borussia arbeiten hart daran, dieses Ergebnis so erträglich wie möglich zu gestalten, aber es dürfte jedem klar sein, dass dies für uns keine einfache Situation ist“, sagte Schippers. Dass er so offen über die traurige Bilanz spricht, zeigt, wie kompliziert die Lage ist.