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Borussia Mönchengladbach: Vor 60 Jahren erstmals Europapokal gegen Glasgow Rangers

Vor 60 Jahren : Borussias erstes Mal im Europapokal

Als überraschender DFB-Pokalsieger zog Borussia 1960 in den Europapokal der Pokalsieger ein. Gegen die routinierten Glasgow Rangers gab es zwei Lehrstunden und in der Summe 0:11 Tore.

Mancher mag in der Parallelität der Ereignisse eine gewisse Schicksalshaftigkeit vermuten. Möglich, dass, so gesehen, in dieser Geschichte die Keimzelle liegt dafür, dass Borussia und der FC Liverpool eine ungewöhnliche und enge Beziehung zueinander haben. Lange bevor sich beide Klubs immer wieder auf höchster Ebene auf dem internationalen Parkett maßen, in Landesmeister- und Uefa-Cup-Finalspielen, und die „Reds“ zum Europa-Trauma der Borussen wurden, gab es zwei völlig voneinander unabhängige Ereignisse, die sich jedoch beide im Jahr 1960 zutrugen.

Vor 60 Jahren im August war es, als eine Liverpooler Band den Namen fand, der einer größten wurde, die es in der Musikgeschichte gibt: Sie nannte sich nun „The Beatles“. Zuvor hatte sie unter diversen Namen gespielt, doch nun fanden sie ihre Identität und wurden legendär. Im selben Jahr betrat ein deutscher Fußball-Klub erstmals die internationale Bühne, der zuvor völlig überraschend seinen ersten großen Titel gewonnen hatte mit dem DFB-Pokal: Borussia, damals noch tätig in der Oberliga West. Borussia plus Liverpool gleich - nun ja ...

Fünf Jahre vor Gladbachs Bundesliga-Aufstieg war das 3:2 der Borussen im Pokalfinale gegen den Karsruher SC im mit 50.000 Menschen bevölkerten Düsseldorfer Rheinstadion jedenfalls historisch. Das siegbringende Tor erzielte Albert Brülls. Am 5. Oktober jenes Jahres schrieb er Geschichte. Nur 42 Tage danach betraten die Gladbacher an gleicher Stelle ein für sie bis dahin ganz neues Terrain: die europäische Bühne. Der Gegner im Europapokal der Pokalsieger, in dem die Borussen starteten, waren die routinierten Glasgow Rangers, die ein paar Monate vorher noch im Halbfinale des Landesmeister-Wettbewerbs gestanden hatten.

Es war das erste Mal, dass die europäischen Pokalsieger ihren Champions ausspielten in jenem Jahr, Borussia ist der westdeutsche Pionier, für die DDR tritt Vorwärts Berlin an. In der ersten Runde hat Gladbach ein Freilos, darum beginnt die Europapokal-Geschichte Borussias in einem Viertelfinale.

Wer sich bei „Wikipedia“ über die Ergebnisse des Pokalsieger-Wettbewerbs 1960 informiert, bekommt das, was sich in Düsseldorf und dann am 30. November im Ibrox-Park in Glasgow abspielte in schonungsloser Deutlichkeit dargeboten: 0:11 steht da geschrieben, erst nachrangig werden die Ergebnisse auseinander gerechnet. 0:3 endete das Hinspiel, in Schottland gab es dann ein turmhohes 0:8. Die meisten Gladbacher waren zum ersten Mal auf der britischen Insel, auf dem Hinweg stand ein Sightseeing in London an, bevor es weiterging nach Glasgow.

Zehn Jahre dauerte es nach dem Debakel, bis die Borussen zurückkehrten nach Europa – was sie ihrerseits mit zwei Kantersiegen taten: Im September 1970 gab es insgesamt 16:0 Tore für den Deutschen Meister Borussia im Europapokal der Landesmeister gegen EPA Larnaka. Die beiden Rangers-Spiele sind und bleiben aber der Auftakt der großen Europapokal-Geschichte des niederrheinischen Klubs, die in der aktuellen Spielzeit in der Champions League ihre Fortsetzung findet.