Hanf, Marihuana & Co. Cannabis-Legalisierung in Deutschland – die Vorteile und Nachteile

Cannabis galt früher als Einstiegsdroge. Heute wird es von Befürwortern als Allheilmittel gefeiert, und in immer mehr Ländern wird der Konsum von Hanf legal. Nun zieht Deutschland nach. Welche Chancen und Gefahren das birgt.

Cannabis-Legalisierung in Deutschland – Pro und Contra im Überblick
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Cannabis-Legalisierung in Deutschland – Pro und Contra im Überblick

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Foto: shutterstock.com / Miss Nuchwara Tongrit

In Deutschland ist Cannabis bislang erst für Schmerzpatienten mit Rezept erlaubt. Für alle anderen ist der Anbau, Verkauf, Besitz oder Konsum noch verboten. In der Welt sieht das dagegen anders aus: Immer mehr Länder sehen nicht mehr nur die Nachteile von Cannabis. Nun will Deutschland nachziehen und die Droge ebenfalls legalisieren.

Wie ist der Stand der Cannabis-Legalisierung weltweit?

In den Vereinigten Staaten geht der Trend in Richtung Legalisierung der Droge. Seit 2012 erlauben immer mehr Staaten das legale Kiffen. Begonnen mit Colorado und Washington, ging es weiter mit den Städten Portland, Ferndale und Lansing. Seit 2014 ist der Privatkonsum auch im kalten Alaska erlaubt. 2016 folgten Kalifornien, Nevada, Maine und Massachusetts. In mehr als 20 Staaten ist Cannabis mittlerweile legal. In vielen anderen US-amerikanischen Staaten hingegen ist Cannabis wie in Deutschland rezeptpflichtig und kann nur als Medizin legal konsumiert werden. Kanada legalisierte im Oktober 2018 den Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis für Erwachsene.

Die Niederlande erlauben Hanf bereits seit 1976. Oder tolerieren es zumindest. Denn in den Niederlanden ist der private Konsum und Besitz von Cannabis legal – sofern die Menge nicht über 30 Gramm liegt und der Konsument mindestens 18 Jahre alt ist. Der Anbau und Großhandel ist allerdings verboten.

Auch Uruguay ist pro Cannabis. Hier ist der Anbau, Besitz und Konsum von Marihuana seit 2013 legal. Privatpersonen dürfen in Uruguay bis zu sechs Pflanzen anbauen. Thailand hat den Konsum von Cannabis für Menschen, die 20 Jahre oder älter sind, 2022 erlaubt. Es ist damit das erste Land in Asien, in dem Gras legal verkauft werden darf.

Was sind die Argumente für einen Cannabiskonsum?

Cannabis hat viele Namen: Marihuana, Hanf, Gras, Weed oder Haschisch. Gemeint ist grob das Gleiche: eine Heilpflanze, deren Kräfte schon seit Tausenden von Jahren bekannt sind und genutzt werden. Ursprünglich stammt sie wohl aus Zentralasien und breitete sich von dort über die ganze Welt aus. Sie wurde nicht nur als Rauschmittel, sondern auch als Medizin und als Nutzpflanze bei der Herstellung von Seilen und Textilien verwendet.

In der jüngeren Geschichte ist Cannabis jedoch überwiegend als Droge bekannt. Laut Weltdrogenbericht 2022 ist sie das meistgenutzte illegale Rauschmittel. Demnach haben 2022 weltweit mehr als 200 Millionen Menschen Cannabis konsumiert. Von Gesellschaft und Politik wurde sie lange als gefährliche Einstiegsdroge bezeichnet. Ihr Gebrauch kann für Patienten aber auch medizinisch sinnvoll sein.

So sollen die enthaltenen Cannabinoide wie THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) bei der Schmerztherapie wirksam sein. Auch bei Krebs, Multipler Sklerose und entzündlichen Schmerzsyndromen wie Arthritis wurde eine positive Wirkung von Hanfprodukten wie Cannabis-Öl festgestellt.

Wie sieht die bisherige Situation in Deutschland aus?

Einen ersten Schritt ging die Politik Anfang 2017. Seit März 2017 kann der Arzt Cannabis legal an Schmerzpatienten verschreiben. Die Krankenkassen übernehmen nach der Genehmigung die Kosten für das legale Gras, das die Patienten in der Apotheke erhalten. Die Gesetzesänderung machte aus der einstigen Droge ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel.

Verschrieben werden kann Cannabis an Menschen, die unter Schmerzzuständen leiden, sofern andere Medikamente nicht wirken. Beispielsweise bei fortschreitendem Krebs und Nebenwirkungen der Chemotherapie, Multipler Sklerose, Gelenkschmerzen wie Arthrose und weiteren Beschwerden.

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SPD, Grüne und FDP haben bereits 2021 in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, „die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften“ einführen zu wollen. Dadurch werde die Qualität kontrolliert, die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet, heißt es im Koalitionsvertrag der Ampelparteien.

Was soll sich in Deutschland nun konkret ändern?

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will „die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene in klaren Grenzen“ erlauben. Der Anbau soll in bestimmten Clubs erfolgen, über die auch die kontrollierte Abgabe erfolgt. Auch der private Eigenanbau mit bis zu drei Pflanzen soll legal werden. In weiteren Verlauf soll in Modellregionen der Verkauf über lizenzierte Fachgeschäfte getestet werden. Generell soll der Besitz von bis zu 25 Gramm zum Eigenbedarf straffrei werden.

Wie begründet der Minister seine Pläne?

Lauterbach erklärt die bisherige Cannabis-Politik für „gescheitert“. Die Droge sei ein weitverbreitetes Suchtmittel, das in Deutschland „oft illegal angeboten und genutzt“ werde. Schwarzmarktware sei dabei „häufig verunreinigt und schafft zusätzliche Gesundheitsgefahren“. Dies wolle die Bundesregierung nicht länger hinnehmen. Bereits im Oktober hatte die Regierung erste Eckpunkte zur Cannabis-Legalisierung vorgestellt. In der EU-Kommission gab es allerdings Bedenken. Das Bundesgesundheitsministerium erklärte nun, die Regierung habe sich „nach Gesprächen mit der EU-Kommission“ auf einen neuen Vorschlag geeinigt.

„Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt“, sagte Lauterbach bereits im Jahr 2021. Mittlerweile komme er aber zu einem anderen Schluss. „Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßencannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.“

Wann kommt das neue Cannabisgesetz?

Zum 1. April soll für Erwachsene ab 18 Jahren der Besitz von 25 Gramm im öffentlichen Raum erlaubt werden. Im privaten Bereich sollen bis zu 50 Gramm aus Eigenanbau erlaubt sein. Privat dürfen drei Pflanzen angebaut werden. Zum 1. Juli sollen dann Cannabis-Clubs zum gemeinsamen Anbau möglich werden. Der nötige Bundestagsbeschluss zu diesen Plänen der Ampel steht aber noch aus.

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Foto: content diller / shutterstock.com

Was sind die Vorteile einer Cannabis-Legalisierung?

Bei der Legalisierung von Cannabis profitieren nicht nur die Konsumenten der Droge, sondern mutmaßlich auch die Wirtschaft.

Diese Vorteile könnten sich durch die Cannabis-Legalisierung unter anderem ergeben:

  • Der Verkauf könnte staatlich kontrolliert werden. Sowohl die Qualität von Cannabis als auch die Mengenabgabe und das Mindestalter auf den Märkten könnten mit der Legalisierung kontrolliert werden. Der Verkauf wäre dann nur durch Verkäufer mit einer Lizenz möglich.
  • Die Qualität von Cannabis könnte genau geprüft werden. Das bietet den Konsumenten einen besseren Verbraucherschutz und mindert Gesundheitsrisiken, die durch den illegalen Verkauf von Cannabis mit zweifelhafter Qualität entstehen.
  • Die Entkriminalisierung von Cannabis führt derzeitige Konsumenten in die Legalität zurück. Können Konsumenten das Gras auf dem legalen Markt kaufen, kommen sie weniger mit kriminellen Dealern und harten Drogen in Berührung.
  • Im Zuge dessen könnte der Verkauf von illegalen Drogen stärker verfolgt und härter bestraft werden.
  • Durch die Legalisierung würde die Justiz entlastet werden. Die Polizei müsste keine Konsumenten verfolgen, und die Gerichte hätten weniger mit Kiffern zu tun.

Ungeachtet dieser Vorteile hat Cannabis ein geringes körperliches Suchtrisiko. Bei Nikotin oder Alkohol liegt das Risiko einer Sucht höher. Und diese beiden Substanzen sind schließlich sogar legal.

Was sind die Nachteile einer Cannabis-Legalisierung?

Risikolos ist die Cannabis-Legalisierung nicht. Diese Probleme könnten mit dem Gesetz einhergehen:

  • Gesundheitsrisiken sind noch immer ein Argument gegen den Cannabiskonsum. Die Langzeitwirkung ist nur unzureichend erforscht.
  • Auch die Wirkung von Cannabis bei bestehenden Krankheiten wurde noch nicht erforscht. Bei einigen Beschwerden oder Krankheiten kann der Konsum von Haschisch Nebenwirkungen oder eine Verschlimmerung der Symptome herbeiführen. Bei Psychosen wie Schizophrenie sollte beispielsweise vorsichtig mit Cannabis umgegangen werden.
  • Es besteht eine psychische Suchtgefahr. Diese liegt bei fünf bis zehn Prozent aller Konsumenten. Genau wie Alkohol sollte Cannabis nicht konsumiert werden, um Alltagsproblemen zu entfliehen.
  • Zudem bleibt fraglich, wie gut Jugendliche vom Konsum von Cannabis abgehalten werden können. Kritiker befürchten, dass von einer Legalisierung ein falsches Signal ausgehen und Cannabis noch leichter an jüngere Menschen gelangen könnte.
  • Der Wirkstoff THC in Cannabis kann zu Konzentrationsstörungen und einer verminderten Lernfähigkeit führen.
  • Wie sich ein erhöhter THC-Anteil bei Hanfpflanzen auswirkt, wurde noch nicht ausreichend erforscht.

Cannabis-Legalisierung und Autofahren – wie ist die Rechtslage?

Werden Sie unter dem Cannabiseinfluss beim Autofahren erwischt, kann das schwerwiegende Folgen haben. THC kann dabei im Blut bis zu drei Monate nach dem letzten Joint nachgewiesen werden. Wird bei Ihnen THC im Blut festgestellt, drohen der Entzug der Fahrerlaubnis, ein Bußgeld und Punkte in Flensburg. Noch viel schlimmere Folgen hat es selbstredend, wenn Sie mit THC im Blut einen Unfall bauen oder gar einen anderen Menschen verletzen.

Patienten, die medizinisches Cannabis konsumieren, dürfen allerdings trotzdem am Straßenverkehr teilnehmen. Dabei ist zu beachten, dass die Fahrtüchtigkeit trotz der Medikamente nicht eingeschränkt sein darf. Bei dem Missbrauch von Cannabis droht derweil auch Patienten die Abnahme des Führerscheins.

(rpo/ grz)
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