Cannabis-Legalisierung in Deutschland – die Vorteile und Nachteile

Hanf, Marihuana & Co.: Cannabis-Legalisierung in Deutschland – die Vorteile und Nachteile

Cannabis galt früher als Einstiegsdroge. Heute wird es von Befürwortern als Allheilmittel gefeiert, und in immer mehr Ländern wird der Konsum von Hanf legal. Vielleicht auch bald in Deutschland.

In Deutschland ist Cannabis nur für Schmerzpatienten mit Rezept erlaubt. Für alle anderen ist der Anbau, Verkauf, Besitz oder Konsum verboten. In der Welt sieht das dagegen anders aus: Immer mehr Länder sehen nicht mehr nur die Nachteile von Cannabis.

Wie ist der Stand der Cannabis-Legalisierung weltweit?

In den Vereinigten Staaten geht der Trend in Richtung Legalisierung der Droge. Seit 2012 erlauben immer mehr Staaten das legale Kiffen. Begonnen mit Colorado und Washington, ging es weiter mit den Städten Portland, Ferndale und Lansing. Seit 2014 ist der Privatkonsum auch im kalten Alaska erlaubt. 2016 folgten Kalifornien, Nevada, Maine und Massachusetts. In anderen US-amerikanischen Staaten ist Cannabis wie in Deutschland rezeptpflichtig und kann nur als Medizin legal konsumiert werden.

Die Niederlande erlauben Hanf bereits seit 1976. Oder tolerieren es zumindest. Denn in den Niederlanden ist der private Konsum und Besitz von Cannabis legal – sofern die Menge nicht über 30 Gramm liegt und der Konsument mindestens 18 Jahre alt ist. Der Anbau und Großhandel ist allerdings verboten.

Auch Uruguay ist pro Cannabis. Hier ist der Anbau, Besitz und Konsum von Marihuana ganz legal. Mit dieser Drogenlegalisierung konnte das Land die staatliche Kontrolle der Droge zurückerobern und den Verkauf von Hanfprodukten überwachen und kontrollieren. Privatpersonen dürfen in Uruguay bis zu sechs Pflanzen anbauen. In Kolumbien und Chile ist der Besitz, Konsum und Anbau für private Zwecke ebenfalls freigegeben.

Was sind die Argumente für einen Cannabiskonsum?

Cannabis hat viele Namen: Marihuana, Hanf, Gras, Weed oder Haschisch. Gemeint ist grob das Gleiche: eine Heilpflanze, deren Kräfte schon seit Tausenden von Jahren bekannt und genutzt werden. Ursprünglich stammt sie wohl aus Zentralasien und breitete sich von dort über die ganze Welt aus. Sie wurde nicht nur als Rauschmittel, sondern auch als Medizin und als Nutzpflanze bei der Herstellung von Seilen und Textilien verwendet.

In der jüngeren Geschichte ist Cannabis jedoch überwiegend als Droge bekannt. Laut des Weltdrogenberichts 2017 ist sie das meistgenutzte illegale Rauschmittel. Von Gesellschaft und Politik wurde sie lange als gefährliche Einstiegsdroge bezeichnet. Seit einigen Jahren entdeckt die Wissenschaft jedoch die medizinischen Vorteile wieder.

So sollen die enthaltenen Cannabinoide wie THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) bei der Schmerztherapie wirksam sein. Auch bei Krebs, multipler Sklerose und entzündlichen Schmerzsyndromen wie Arthritis wurde eine positive Wirkung von Hanfprodukten wie Cannabis-Öl festgestellt.

Wie wahrscheinlich ist die Cannabis-Legalisierung in Deutschland?

Trotz der positiven Eigenschaften, die die Pro-Cannabis-Fraktion betont, können Sie in Deutschland nicht legal kiffen. Die Hanfpflanze gilt hierzulande noch immer als illegale Droge. Weder der Besitz von Pflanzenteilen noch der Anbau ist erlaubt. Nur für medizinische oder wissenschaftliche Zwecke kann der Besitz genehmigt werden.

Die Zeit, in der der private Konsum von Hanf aber legal sein wird, wird aber vermutlich kommen. Der weltweite Trend macht es vor. Die Frage ist nur, wann die Politik eine Entscheidung treffen wird.

Wie funktioniert die Cannabis-Legalisierung für Schmerzpatienten?

Einen ersten Schritt ging die Politik Anfang 2017. Seit März 2017 kann der Arzt Cannabis legal an Schmerzpatienten verschreiben. Die Krankenkassen übernehmen nach der Genehmigung die Kosten für das legale Gras, das die Patienten in der Apotheke erhalten. Die Gesetzesänderung machte aus der einstigen Droge ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel.

Verschrieben werden kann Cannabis an Menschen, die unter Schmerzzuständen leiden, sofern andere Medikamente nicht wirken. Beispielsweise bei fortschreitendem Krebs und Nebenwirkungen der Chemotherapie, Multipler Sklerose, Gelenkschmerzen wie Arthrose und weiteren Beschwerden.

Doch auch Patienten mit starken Schmerzen kommen nicht immer so einfach an legales Haschisch. Nur wenige Ärzte verschreiben tatsächlich auch Cannabis. Und sollten Sie ein Rezept erhalten, muss dieses noch von der Krankenkasse genehmigt werden.

Allzu oft wird der Kostenantrag abgelehnt und das Gras aus der Apotheke ist ohne Kostenübernahme sehr teuer. Dazu kommt Knappheit in den Apotheken, weil die Nachfrage höher ist als erwartet und das Cannabis aus dem Ausland eingeführt werden muss. Erst ab 2019 soll Marihuana für die Patienten in Deutschland angebaut werden. In der Zwischenzeit greifen einige Menschen noch auf die illegalen Märkte zurück, um an Ihre Schmerzmedizin zu gelangen.

Wie lässt sich der Cannabis-Anbau legalisieren?

Der Cannabis-Anbau ist trotz Rezept verboten. Sondergenehmigungen können nur auf gerichtlichem Weg erkämpft werden. Bislang ist es in Deutschland nur wenigen Patienten überhaupt gelungen, eine befristete Erlaubnis zu erhalten. Und es besteht dennoch die Gefahr, dass die Genehmigung nicht verlängert wird.

Ob der Privatanbau in Zukunft legal wird, ist fraglich. Denn bei Cannabis Sorte Eigenanbau kann der Staat die Qualität nicht prüfen. Laut Forschern soll der Wirkstoff THC, der für die berauschende Wirkung verantwortlich ist, unter dem Wachstum bei Kunstlicht viel stärker ausgeprägt sein als beim Wachstum in der Sonne. Ob das regelmäßige Kiffen von THC-lastigen Joints Gesundheitsprobleme mit sich bringt, muss noch weiter erforscht werden.

Wie könnte Cannabis legalisiert werden?

Eine Änderung der Drogenpolitik ist derzeit keine Priorität, aber sie steht zumindest auf dem Plan. So fordern die Grünen und die FDP eine kontrollierte Freigabe von Cannabis. Die Mehrheit von CDU und CSU sind dagegen.

Langsam sehen allerdings auch die Mitglieder der Contra-Fraktion nicht mehr nur die Nachteile der Cannabis-Legalisierung. Ein weiterer Anschub für eine Cannabis-Legalisierung: Mittlerweile kann die Bundesregierung in Berlin auch auf Erfahrungswerte aus Kalifornien, Uruguay und anderen Ländern zurückgreifen.

Was sind die Vorteile einer Cannabis-Legalisierung?

Wer die Droge Cannabis von Anfang an verteufelt, übersieht schnell die Vorteile, die eine Legalisierung von Cannabis mit sich bringen könnte. Bei der Legalisierung profitieren nämlich nicht nur die Konsumenten, sondern auch die Wirtschaft.

  • Cannabis-Legalisierung weltweit – wo ist kiffen legal?

Diese Vorteile ergeben sich durch die Cannabis-Legalisierung unter anderem:

  • Der Verkauf könnte staatlich kontrolliert werden. Sowohl die Qualität von Cannabis als auch die Mengenabgaben und das Mindestalter auf den Märkten können mit der Legalisierung kontrolliert werden. Der Verkauf wäre dann nur durch Verkäufer mit einer Lizenz möglich.
  • Die Qualität von Cannabis könnte genau geprüft werden. Das bietet den Konsumenten einen besseren Verbraucherschutz und mindert Gesundheitsrisiken, die durch den illegalen Verkauf von Cannabis mit zweifelhafter Qualität entstehen.
  • Die Entkriminalisierung von Cannabis führt derzeitige Konsumenten in die Legalität zurück. Können Konsumenten das Gras auf dem legalen Markt kaufen, kommen sie weniger mit kriminellen Dealern und harten Drogen in Berührung.
  • Im Zuge dessen könnte der illegale Verkauf von illegalen Drogen stärker verfolgt und härter bestraft werden.
  • Cannabis hat ein geringes körperliches Suchtrisiko. Bei Nikotin oder Alkohol liegt das Risiko einer Sucht höher.
  • Durch die Legalisierung würde die Justiz entlastet werden. Die Polizei müsste keine Konsumenten verfolgen, und die Gerichte hätten weniger mit Kiffern zu tun.

Was sind die Nachteile einer Cannabis-Legalisierung?

Es gibt allerdings auch viele Contra-Stimmen, die auf wichtige Nachteile der Legalisierung hinweisen. Diese Risiken sollten vor dem Legalisieren der Droge beachtet werden:

  • Gesundheitsrisiken sind noch immer ein Argument gegen den Cannabiskonsum. Die Langzeitwirkung ist nur unzureichend erforscht.
  • Auch die Wirkung von Cannabis bei bestehenden Krankheiten wurde noch nicht erforscht. Bei einigen Beschwerden oder Krankheiten kann der Konsum von Haschisch Nebenwirkungen oder eine Verschlimmerung der Symptome herbeiführen. Bei Psychosen wie Schizophrenie sollte beispielsweise vorsichtig mit Cannabis umgegangen werden.
  • Es besteht eine psychische Suchtgefahr. Diese liegt bei fünf bis zehn Prozent aller Konsumenten. Genau wie Alkohol sollte Cannabis nicht konsumiert werden, um Alltagsproblemen zu entfliehen.
  • Der Wirkstoff THC in Cannabis kann zu Konzentrationsstörungen und einer verminderten Lernfähigkeit führen.
  • Wie sich ein erhöhter THC-Anteil bei Hanfpflanzen auswirkt, wurde noch nicht ausreichend erforscht.

Welche Parteien sind für eine Cannabis-Legalisierung?

Cannabis - ja oder nein? Derzeit ist noch keine eindeutige Entscheidung in Sicht. Pro- und Contra-Stimmen gibt es in jeder Fraktion. Die CSU und die AfD sind grundsätzlich gegen die Freigabe. Die Grünen, die FDP und die Linke stehen dem Thema liberaler gegenüber.

Die liberalen Parteien möchten den privaten Konsum für Erwachsene grundsätzlich freigeben. Die Entkriminalisierung der Joints liegt laut FDP und den Grünen auch im Sicherheitsinteresse der Konsumenten: Mit der Legalisierung können Inhaltsstoffe überwacht und die Abgabe an Minderjährige besser kontrolliert werden. Die Linke möchte sogar den eigenen Anbau von Cannabis erlauben – solange lediglich der Privatkonsum gedeckt wird.

Cannabis-Legalisierung und Autofahren - wie ist die Rechtslage?

Werden Sie unter dem Cannabiseinfluss beim Autofahren erwischt, kann das schwerwiegende Folgen haben. Dabei gibt es keine Grenzwerte wie bei Alkohol am Steuer.

THC kann im Blut bis zu drei Monate nach dem letzten Joint nachgewiesen werden. Bei einer Kontrolle könnte Ihnen also der Führerschein entzogen werden, auch wenn der Konsum schon Wochen zurückliegt.

Werden Sie mit THC im Blut erwischt, drohen der Entzug der Fahrerlaubnis, ein Bußgeld und Punkte in Flensburg. Noch viel schlimmere Folgen hat es, wenn Sie mit THC im Blut einen Unfall bauen oder gar einen anderen Menschen verletzen.

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Hier geht es zur Infostrecke: Cannabis-Legalisierung in Deutschland – Pro und Contra im Überblick

(rpo)