Cannabis

Marihuana ist weltweit die am meisten illegal genutzte Droge. Charakteristisch für die Wirkung des Rauschmittels ist das vielfältige Spektrum psychischer Effekte. Dabei hängt die Wirkung von diversen Faktoren wie der Dosis, der Konsumform und der aktuellen Stimmung des Konsumenten ab. Zwar macht die Droge nicht wie Heroin oder Crystal Meth körperlich sehr süchtig, Konsumenten können jedoch eine psychische Abhängigkeit entwickeln.

Die Cannabispflanze enthält eine Vielzahl an Inhaltsstoffen mit pharmakologischen Eigenschaften. Verantwortlich für den Rauschzustand ist der psychoaktive Inhaltsstoff (Phytocannabinoid) Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). Neben THC enthält die Cannabispflanze zahlreiche weitere Cannabinoide, Terpene und Flavonoide. Somit zählt Marihuana nicht zu den synthetischen Drogen wie beispielsweise MDMA (3,4-Methylendioxymethamphetamin), das als Ecstasy bekannt ist und vollsynthetisch im Labor hergestellt wird.

Was ist Marihuana für eine Droge?

Cannabis und Hanf gehören zur gleichen Pflanzengattung und werden lediglich in ihrer Genetik unterschieden. So wird Hanf (Nutzhanf) dazu genutzt, um verschiedene Produkte wie beispielsweise Papier, Kleidung oder Nahrungsergänzungsmittel herzustellen. Mit Cannabis ist hingegen die Droge oder das Arzneimittel gemeint, das durch die Zucht und die Kreuzungen einen höheren THC-Anteil aufweist. Unterschieden wird zwischen den drei Cannabissorten Cannabis Sativa, Cannabis Indica und Cannabis Ruderalis, die aus verschiedenen Regionen der Welt stammen und unterschiedliche Merkmale, Inhaltsstoffe und Wirkungen aufweisen. Aus diesen Cannabissorten entstehen dann verschiedene Produkte:

  • Marihuana (Gras, Dope oder Weed): getrocknete, harzhaltige Blütentrauben und blütennahe Blätter der Cannabispflanze. Marihuana (getrocknete Cannabisblüten) wird vorwiegend zum Rauchen genutzt. Auf der Straße illegal erworbenes Marihuana kann gestreckt sein, zum Beispiel mit wirkungsstoffarmen Cannabispflanzenteilen oder aber gesundheitsgefährdenden Substanzen wie Brix (Kombination aus Zucker, Hormonen und flüssigem Kunststoff), Haarspray, Blei oder Kaliumdünger.
  • Haschisch (Dope, Pott oder Shit): Beim Haschisch handelt es sich nicht um getrocknete Cannabisblüten, sondern um das goldgelbe bis braune Harz aus der Cannabispflanze, das zu Platten oder Blöcken gepresst wird. Einzelne Stücke werden auch als „Piece“ bezeichnet und ebenso wie Marihuana kann auch Haschisch mit unterschiedlichsten Substanzen gestreckt sein.
  • Cannabis-Öl (Haschisch-Öl oder THC-Öl): Cannabis-Öl wird aus dem Harzextrakt der weiblichen Blütenstände gewonnen und enthält in der Regel sehr hohe THC-Mengen, teilweise sogar über 90 Prozent.

Wann tritt bei Cannabis die Wirkung ein?

Der Wirkungseintritt von Cannabis ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum einen reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf THC und zum anderen kommt es auch auf die Höhe der Dosierung an. Beim Rauchen mittels Joint oder beim Verdampfen mithilfe eines Vaporizer gelangt das THC über die Lungen direkt in das Blut, sodass die Wirkung in der Regel relativ schnell innerhalb weniger Minuten zu spüren ist.

Bei Personen, die noch nie THC konsumiert haben, kommt es häufig vor, dass sie gar keine Wirkung spüren. Über dieses Phänomen existieren viele Theorien, jedoch keine konkreten wissenschaftlichen Erklärungen. Das High-Gefühl entsteht dadurch, dass die zugeführten Cannabinoide an den Cannabinoidrezeptoren, die im gesamten Körper verteilt sind, andocken und so ihre Wirkung entfalten. Warum das bei einzelnen Personen nicht der Fall ist, ist nicht eindeutig geklärt.

Wenn Cannabis beispielsweise in Tee oder Keksen verarbeitet und zugeführt wird, tritt die psychoaktive Wirkung erst nach 30 Minuten bis zwei Stunden ein. Das liegt daran, dass das THC aus dem Magen erst in den Blutkreislauf wandern muss.

Wann verliert Cannabis seine Wirkung?

Wie lange die Cannabinoide im Körper wirken, ist ebenfalls von Person zu Person unterschiedlich. In der Regel wirkt Cannabis zwei bis drei Stunden. Nach dem Verzehr von Tee oder Keksen dauert der Rausch je nach Füllzustand des Magens vier bis fünf Stunden. In Extremfällen kann der Rausch aber auch länger andauern.

Was ist die Einstiegsdroge Nummer Eins - Alkohol, Tabak oder Cannabis?

Ob der Cannabis-Konsum zwangsläufig dazu führt, dass Nutzer auf stärkere Drogen umsteigen, wird seit Jahren immer wieder kontrovers diskutiert. Lange Zeit galt Cannabis sogar als erster Schritt in die Drogenabhängigkeit. Mittlerweile konnte diese These jedoch widerlegt werden. Wäre dem nämlich so, gäbe es in Deutschland Millionen drogenabhängige Menschen, die auf harte Drogen wie Heroin, Kokain oder Opiate umgestiegen sind. Statistiken belegen, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz der Cannabis-Konsumenten auf einen regelmäßigen Konsum von anderen Drogen wechselt.

Vor dem ersten Joint kommt es in den meisten Fällen zunächst zum Rauchen von Tabak oder zum Trinken von Alkohol. Aus diesem Grund gelten Alkohol und Tabak auch als Einstiegsdroge Nummer Eins.

Cannabis als Medizin

Cannabis wird als Medizin seit Jahrtausenden genutzt. Bereits in der Zeit um 700 v. Chr. fand man Marihuana als Grabbeigabe. Auch in zahlreichen alten chinesischen Lehrbüchern über die Heilkunst und Botanik finden sich Hinweise auf Cannabis als Medizin. Einst soll der chinesische Kaiser Shen Nung Cannabisharz bei Gicht, Verstopfung, Rheuma, Malaria, Geistesabwesenheit und Frauenkrankheiten empfohlen haben. Ebenso spielte Cannabis in der ayurvedischen Medizin in Indien eine wichtige Rolle. Hier wurden die Extrakte gegen Durchfall und Kopfschmerzen genutzt.

Im 19. Jahrhundert war Cannabis in Form von alkoholischen Extrakten und Tabletten ein häufig verschriebenes Medikament. Als dann Cannabis im Jahr 1971 als Droge im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes eingestuft wurde, war die medizinische Anwendung von Cannabis nicht mehr möglich.

Erst mit der Isolierung des THC im Jahr 1964 und später der Entdeckung des Endocannabinoidsystems wendete sich die Wissenschaft wieder mehr dem Cannabis zu.

Was ist medizinisches Cannabis, und wer verschreibt es?

Wenn Marihuana für medizinische Zwecke und zur Linderung von Beschwerden eingesetzt wird, spricht man von medizinischem Cannabis oder Medizinalhanf. Arzneimittelrechtlich wurde Cannabis in Deutschland erstmals im Jahr 2011 zugelassen. Zahlreiche Studien konnten bereits die schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung von THC sowie weiteren Cannabinoiden wie dem Cannabidiol (CBD) belegen. So wird Cannabis gegen diverse Symptome wie Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Cannabis kommt vor allem bei folgenden Krankheiten zum Einsatz:

  • Krebserkrankungen
  • AIDS/HIV
  • Multiple Sklerose
  • ADS/ADHS
  • Epilepsie
  • Tourette-Syndrom
  • Depressionen / Angststörungen
  • Migräne
  • Neurodermitis / Psoriasis / Rheuma
  • Entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa, Reizdarm)

Seit im März 2017 das "Cannabis als Medizin Gesetz" in Kraft getreten ist, darf jeder Arzt pharmazeutisches Cannabis in Form von Cannabisblüten, Cannabisextrakten sowie Medizinprodukte mit den Wirkstoffen Nabilon und Dronabinol auf einem Betäubungsmittel-Rezept verschreiben. Das neue Gesetz regelt zudem, dass die Krankenkassen die Kosten für das medizinische Cannabis übernehmen müssen. Nur in begründeten Einzelfällen dürfen sie die Kostenübernahme verweigern.

Wer bekommt medizinisches Marihuana?

Ob eine Cannabis-Therapie sinnvoll ist, entscheidet der Arzt. Patienten, für die pharmazeutisches Cannabis geeignet ist, lassen sich in die folgenden Gruppen einteilen:

  • Patienten mit chronischen Schmerzen (z. B. Phantomschmerzen oder Migräne)
  • Patienten mit neurologischen Erkrankungen (z. B. Epilepsie, Multiple Sklerose oder Tourette)
  • Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen (z. B. posttraumatische Belastungsstörung oder Depressionen)
  • Patienten mit chronischen entzündlichen Erkrankungen (z. B. Rheuma oder Neurodermitis)
  • Patienten, die an Übelkeit und Erbrechen infolge einer HIV-Erkrankung oder einer Chemotherapie leiden

Dem Cannabis-Gesetz zufolge zählt allein die Schwere der Erkrankung und nicht die Krankheit selbst. Aus diesem Grund obliegt auch dem Arzt die Entscheidung, Cannabis zu verordnen.