Team Butterfl’ice belegt bei Eistanz-DM in Berlin Platz zwei

Eistanzen : Auch Silber glänzt für Team Butterfl’ice

Bei der Deutschen Meisterschaft im Synchron-Eislaufen zeigte die Formation des Neusser Schlittschuh-Klubs (NSK) die wohl anspruchvollste Kür. Die Preisrichter sahen allerdings überraschend die „Saxony Ice Pearls“ aus Dresden vorne.

Die Menschen im Rheinland gelten gemeinhin als gemütlich und haben für jede Lebenslage den passenden Spruch parat. Einer der wichtigsten: „Mer muss och jünne künne.“ Man muss auch gönnen können. Und darum steckte das „Team Butterfl’ice“ des Neusser Schlittschuh-Klubs (NSK) seine Enttäuschung über den bei der Deutschen Meisterschaft im Synchron-Eislaufen so unglücklich verpassten Titel mit einem Lächeln weg. Auch Silber glänzte am Ende für die zunächst todtraurigen Schützlinge von Trainerin Ilka Voges.

 Aber bitter war er schon, der Wettkampf im Erika-Hess-Stadion im Berliner Wedding. Denn eigentlich hatte die seit Jahren zur Weltklasse gehörende Formation aus der Quirinusstadt schon mehr als eine Hand an Gold. Zwar hatte das Team „Munich Synergy“ in beeindruckender Manier vorgelegt – für ihre gelungene Kür zum von Birdy gesungenen Popsong „People Help The People“ erhielten die Münchner 49,96 Punkte und damit sogar zwei Zähler mehr als beim im Dezember hinter Neuss auf Platz zwei abgeschlossenen „Lumière Cup“ im niederländischen Eindhoven. Aber „Butterfl’ice“ vertraute auf seine technisch hochklassige und mit schwierigen Elementen gespickte Performance. Der Vizemeister verschmolz dabei förmlich mit den Musik-Titeln „Rhythm is a Dancer“ von Christopher & Mike sowie „Nothing compares 2U“ von Sinéad O‘Connor. Doch dann der Schock: Nach 33 Sekunden stürzte eine Läuferin, was zu Abzügen sowohl bei den Punkten als auch bei der technischen und künstlerischen Bewertung führen kann. Vorwürfe gab es indes keine. „Das kann immer passieren“, sagte NSK-Vorsitzender Ulrich Giesen, „da muss nur eine Fluse vom Kostüm aufs Eis fallen.“

Der Patzer geriet in der ansonsten fehlerfrei und mit Verve vorgetragenen Kür indes zur Marginalie. Die mit Recht begeisterten Preisrichter vergaben 57,67 Punkte und sorgten damit für ein Topbewertung. „Das sollte der Sieg sein“, war sich auch Giesen sicher. Doch noch stand der Auftritt des Titelverteidigers „Saxony Ice Pearls“ aus Dresden, der die Neusserinnen schon im Vorjahr nicht unumstritten auf Rang zwei verwiesen hatte, aus.

In ihren, laut Giesen, „etwas gewöhnungsbedürftigen pinken Hotpans, für die es auf internationaler Ebene sogar schon Punktabzüge gegeben hat“, brachten die Mädels aus Sachsen zum Thema „National Aerobic Championship“ von Ty Parr die Kür des vergangenen Jahres zum Vortrag. „Technisch zwar sehr anspruchsvoll“, stellte Giesen fest, Angst jagte sie ihm freilich nicht ein, hatte es für diese Aufführung „im vorigen Jahr doch nur 54,69 Punkte gegeben – und besser war die Darbietung 2020 eigentlich nicht.“ Doch wie so oft hatten die Preisrichter ganz eigene Ideen. Und so vernahmen die mit geschlossenen Augen auf die Wertung wartenden Neusserinnen mit größtem Entsetzen, dass ihre Konkurrentinnen mit 64,02 Punkten wiederum die Nase vorne hatten.

Das sorgte zunächst für Frust und Tränen, dann für Kopfschütteln. Die sofortige Recherche im Internet ergab, „dass zwei Preisrichter die Dresdnerinnen immer in Nuancen etwas besser bewertet hatten, was dann zusammengezählt den Punktevorsprung brachte“, verriet Giesen. Ein Geschmäckle erhielt die Angelegenheit, weil die Jury mit Richtern aus Berlin und Sachsen besetzt war. Giesen: „Denen unterstellte man schon in der Vergangenheit Kungeleien und bemängelte, dass Nordrhein-Westfalen keine eigenen Leute zur DM entstandt hatte.“

Da der Rheinländer indes auch kein nachtragender Mensch ist, verrauchte der Ärger schnell, „schließlich sind die Diskussionen über Entscheidungen der Preisrichter ja so alt wie diese Sportart“, sagte Giesen abschließend. „Bei der Siegerehrung am Abend waren die Tränen getrocknet. Wir freuen uns über den gewonnen Vizemeistertitel und schauen zuversichtlich nach vorne.“ Bereits am am Wochenende steht im polnischen Danzig der nächste Wettbewerb an. „Dann wieder mit besseren Noten“, hofft Giesen.