Fußballheld Wolfgang Funkel aus Neuss wird 60

Fussball: Wolfgang Funkel: Vom Glück in Reihe zwei

Der ehemalige Fußballprofi aus Glehn feiert am Freitag Geburtstag. Mit 60 ist der Olympia-Dritte von 1988 im Reinen mit sich und der Welt.

Die große Show ist nicht sein Ding. Seinen „60.“ feiert Wolfgang Funkel am Freitag daheim in Glehn mit seiner Lebensgefährtin und seinen beiden Kindern. In aller Stille. Ganz anders als sein Bruder Friedhelm Funkel (64). Der Trainer des Bundesliga-Aufsteigers Fortuna Düsseldorf hatte es zum runden Geburtstag vor viereinhalb Jahren im zur Eventlocation umgebauten Lokschuppen des Nordbahnhofs in Krefeld mächtig krachen lassen. „Das mache ich dann beim 70.“, kündigt der Ex-Fußballer schmunzelnd an.

Dass „nun auch bei mir die Sechs vorne steht, ist schon ein komisch“, bekennt er indes, „denn ich fühle mich gar nicht alt. Alles ist noch so wie vor einem Jahr. Dabei denkt man immer, jetzt beginnt eine neue Ära. Aber ich bin halt kein Hektiker.“ Wolfgang Funkel ruht in sich. Er versichert glaubhaft: „Ich bin mit meinem Leben zufrieden.“

Erst mit 26 Jahren Profi geworden, absolvierte der „Lange“ von 1984 bis 1995 insgesamt 305 Bundesliga-Spiele für Bayer 05 Uerdingen (210 Partien/31 Tore)) und den 1. FC Kaiserslautern (95/10), stiegt in der Saison 1997/98 bei seinem Heimatverein VfR 06 Neuss als Trainer ein und war danach als zweiter Mann bei Hansa Rostock (unter Friedhelm Funkel und Juri Schlünz) sowie beim 1. FC Kaiserslautern (Friedhelm Funkel, Kjetil Rekdal) in der 1. Liga im Einsatz. Dass er – abgesehen von einem kurzen Intermezzo nach der Entlassung von Wolfgang Wolf in Kaiserslautern – nie als Cheftrainer im Wind stand, sieht er rückblickend sogar als Vorteil. „Dadurch ist mir viel Ärger erspart geblieben und das hat mir ein recht angenehmes Leben beschert“, resümiert er augenzwinkernd. Obwohl nach seiner Freistellung in Kaiserslautern im Februar 2008 kein neues Engagement mehr dazu kam, ist er mit sich und seiner Profikarriere im Reinen. „Natürlich hätte ich versuchen können, mehr Geld zu verdienen, aber ich war immer lieber in der zweiten Reihe.“

Er bestach jedoch auch in Hauptrollen: Da gibt es schließlich dieses Jahrhundertspiel am 19. März 1986, das „Wunder von der Grotenburg“: Uerdingen lag im Europapokal-Rückspiel nach dem 0:2 im ersten Duell mit Dynamo Dresden zur Halbzeitpause mit 1:3 hinten – und gewann noch mit 7:3. Für Friedhelm Funkel steht noch heute fest: „Wolfgang war für mich der Matchwinner. Das war das Spiel seines Lebens, der ist bestimmt 18 Kilometer gelaufen, der sah nach dem Spiel wie 100 Jahre alt aus.“ Dem stimmt der jüngere Bruder, der damals die Elfmeter zum 1:1 und zum vorentscheidenden 6:3 verwandelte, sofort zu: „Das Dresden-Spiel ist nicht zu toppen.“ Ganz weit oben in der persönlichen Hierarchie steht auch die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1988 in Südkorea, auch wenn ihn sein Fehlschuss vom Elfmeterpunkt im Halbfinale gegen Brasilien vor 100.000 Zuschauern in Seoul zum möglichen 2:1-Siegtreffer bis heute verfolgt. Unvergessen ist zudem das Duell mit dem FC Barcelona am 6. November 1991 in Runde zwei des Europapokals der Landesmeister. Bjarne Goldbaek hatte Lautern auf dem brodelnden Betzenberg mit 3:0 in Führung geschossen, ehe Bakero die stolzen Spanier in der Schlussminute mit seiner Bogenlampe über FCK-Keeper Gerry Ehrmann hinweg zum 1:3 doch noch in die nächste Runde brachte.

  • Porträt in Bildern : Das ist Friedhelm Funkel

Weitaus mehr bedrückt den 1,92 Meter großen und wegen seiner Kopfballstärke gefürchteten Schlaks allerdings das „Phantomtor“ von Thomas Helmer im Spiel der Münchener Bayern gegen Nürnberg (2:1) in der Saison 1993/94. Für ihn steht nämlich fest: „Hätte das Tor beim Spielstand von 0:0 nicht gezählt und wäre das Spiel dann nicht wiederholt worden, wären wir mit Kaiserslautern in diesem Jahr Deutscher Meister geworden.“

Bayern gewann im zweiten Anlauf deutlich mit  5:0 (Nürnberg stieg ab) und holte sich am Ende mit einem Punkt und drei Toren Vorsprung vor dem FCK den Titel. Bitter. Wolfgang Funkel zählt freilich nicht zu den Menschen, die mit ihrem vermeintlich ungerechten Schicksal hadern. Warum auch? Seit Mai ist er endgültig Privatier. „Finanziell geht es mir jetzt nicht glänzend, aber ich kann nicht klagen. Ich habe einen großen Freundeskreis – und das wichtigste: Ich bin gesund.“ Demnächst sei zwar ein künstliches Sprunggelenk fällig, „aber ich brauche noch keine Tabletten. Im Vergleich zu anderen sind meine Probleme geradezu lächerlich.“ Er denkt dabei in erster Linie an seine Tochter, die seit Jahren an Diabetes leidet. Franz Raschid, einer seiner Weggefährten bei Bayer 05 Uerdingen, starb 2010  im Alter von 56 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Er genießt sein Leben, in dem der Fußball nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Rückkehr (so gut wie) ausgeschlossen: „Ich bin jetzt seit zehn Jahren raus. Ich gucke mir schon mal Spiele der von meinem Bruder trainierten Mannschaften im Stadion an. Aber ich bin nicht mehr so fußballverrückt wie früher ...“ Für Stress hat er auch mit 60 keine Zeit.

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