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Krefeld: Mike Grühn: Linke Klebe eine echte Waffe

Ein alter Hase im Amateurfußball : Mike Grühn: Linke Klebe eine echte Waffe

Der mittlerweile 40 Jahre alte Fußballer ist immer noch aktiv und am Niederrhein bekannt wie ein bunter Hund.

Wenn jemand mit 40 Jahren noch in der Fußball-Bezirksliga mitmischt, kann er zwangsläufig auf eine lange Karriere zurückblicken. Nicht anders ist es bei Mike Grühn, der zu Beginn der zweiten Saisonhälfte im Februar, weil plötzlich das Personal knapp wurde, in der ersten Mannschaft des SV Vorst am Ball war. Normalerweise ist er Spielertrainer der in der B-Liga spielenden Zweiten, wobei er in der Spielzeit 2014/2015, da noch als Hauptverantwortlicher der Ersten, den lang ersehnten Aufstieg in die A-Liga schaffte. Und das nicht nur als erfolgreicher Trainer, sondern immer noch als respektabler Vollstrecker. Vor allen Dingen seine Freistöße, genaue Zuspiele, die oft zwangsläufig zu Toren führen, Ecken und auch Elfmeter waren in der Szene gefürchtet. Nicht selten versuchte er sein Glück direkt nach dem Anstoß fast von der Mittellinie aus; und das hin und wieder sogar mit Erfolg, weil der generische Keeper sich noch auf dem Weg in seinen Kasten befand. „Er hat den besten linken Fuß am Niederrhein, ein echte Waffe,“ war damals die klare Ansage vieler Trainer, als Grühn beim Oberligisten VfR Fischeln in seiner Schaffensblüte stand. Damals absolvierte er auch ein Probetraining beim KFC Uerdingen, winkte aber selbst ab. Da ihm oft die rechte Lust und entsprechende Ernsthaftigkeit fehlte, nach ganz oben durchzustarten, blieb er der hiesigen Szene stets erhalten. Ohne Übertreibung kann festgehalten werden: Im Kreis 6 und weit darüber hinaus ist er bekannt wie ein bunter Hund.

Unvergessen seine Slapstick-Einlage nach Doppelwette mit seinen Mannschaftskameraden beim Testspiel gegen Fortuna Düsseldorf im Juli 2005. Da verpasste er Jörg Albertz, dem Star des damaligen Drittligisten, genau vor der Fischelner Bank einen Beinschuss und sagte dann: „Hoppla“. Genau wie es der Wetteinsatz gefordert hatte. Der damalige VfR-Trainer Dieter Hussmanns schwärmt heute noch von dieser Aktion, bei der sich die gesamte Auswechselbank erhob. Aber es geht noch weiter. Leicht wütend räumte danach ein Fortuna-Akteur den VfR-Spielmacher im wahrsten Sinne des Wortes ab. Wäre dies nicht ein Testspiel gewesen, hätte der Unparteiische statt Gelb wahrscheinlich Rot gezückt. Aber Grühn blieb gelassen - wie immer, wenn er gefoult wurde, was keine Seltenheit war - und zimmerte anschließend den fälligen Freistoß aus 40 Metern genau in den Winkel von Düsseldorfs Keeper Patrick Deuß. Neben Deuß standen mit Lambertz, Kruse, Böcker, Eraslan, Feinbier, Canale oder Podszus noch andere bekannte Spieler in Reihen von Trainer Uwe Weidemann. Der wurde dann, und zwar im November 2010 und vorher beim KFC geschasst, an der Kölner Straße Nachfolger von Hussmanns. Der musste am 31. Oktober nach einer Niederlage beim 1. FC Wülfrath seinen Stuhl räumen. Danach schließt sich irgendwie der Kreis. In der Winterpause verbannte Weidemann neben Ömer Uzbay auch Mike Grühn aus dem Kader.

Übrigens: als Grühn beim MSV Duisburg aus der Jugend kam, trainierte er morgens unter Friedhelm Funkel bei den Profis mit, wurde mittags an der Westender Straße beköstigt, ruhte sich aus und trainierte am frühen Nachmittag bei der MSV-Zweitvertretung, wo er auch spielte, mit. Da hatte damals Fred Bockholt das Sagen. Weil Grühn zu dem Zeitpunkt noch kein eigenes Auto besaß, nahm ihn Seppo Eichkorn, Funkels Cotrainer und in Meerbusch wohnend, in Fischeln-Königshof in seinem Fahrzeug mit nach Duisburg. Das gesamte Thema erledigte sich dann aber mit Funkels Entlassung an der Wedau im März 2000. Einige Jahre später, da bei Bochum II aktiv, zog ihn Interimscoach Bernhard Dietz zu den Profis hoch. Zu Beginn der Rückrunde, Peter Neururer hatte an der Castroper Straße das Training übernommen, wurde diese Beförderung, auch wegen einiger Winterneuzugänge, wieder rückgängig gemacht.