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Krefeld: Trainieren, starten, absagen?

Krefelder Kandidaten für Olympia : Trainieren, starten, absagen?

Michaela Staelberg, Aline Focken, Jonathan Rommelmann und Niklas Wellen wären bei den Olympischen Spielen in Tokio mit dabei.

Spätestens nachdem Athletensprecher Max Hartung mit seinem Olympia-Verzicht ein Zeichen gesetzt hat über eine mögliche Absage der Olympischen Spiele in Tokio nachzudenken, heißt es auch für die dafür qualifizierten Krefelder Sportler sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen. Unsere Sportredaktion bat vier Aktive um eine Stellungnahme.

Michaela Staelberg vom Crefelder Ruder-Club bereitet sich seit zwei Jahren intensiv auf den großen Traum Olympia vor. „Dafür habe ich auch hart geschuftet und als Anfang März bekannt gegeben wurde, dass ich im Doppelvierer dabei bin, war die Erleichterung natürlich groß“, sagt die 25-Jährige. Es ist für sie eine schwierige Situation, denn es wäre ihre erste Teilnahme an Olympia. „Ich will auf jeden Fall teilnehmen, aber jetzt gilt es abzuwarten welche Entscheidungen getroffen werden. Ich liebsten wäre, man zögert das soweit wie möglich hinaus. Vielleicht können die Spiele ja Ende des Jahres stattfinden“, sagt Staelberg etwas ratlos zu dem Ungewissen. Das einzige, was sie derzeit machen kann, ist sich im „Home-Office“ am Ergometer und auf Radrollen mit dem Fahrrad fitzuhalten. Nach draußen geht es dann höchstens zu einem einsamen Waldlauf. „Das ist natürlich nicht einfach, weil wir alle individuell trainieren. Beim gemeinsamen Training im Doppelvierer sind wir zweimal täglich auf das Wasser gegangen, um uns abzustimmen. Als Team ist das wichtig, das fällt leider jetzt weg“, fügt Staelberg hinzu.

Jonathan Rommelmann vom Crefelder Ruder-Club hatte sich schon im vergangenen Jahr mit seinem Partner Jason Osborne bei der Weltmeisterschaft aufgrund der errungenen Bronzemedaille im Doppelzweier vorzeitig für Tokio qualifiziert. „Wir haben erstmals nach lange Zeit mit diesem Boot wieder eine Medaille geholt. Der Verband hat unseren Start direkt abgesegnet, weil wir zwei als Team einfach zusammenpassen“, sagt Rommelmann zu der Tatsache, dass er sich ohne weiteren Stress auf Olympia vorbereiten durfte. Waren im Januar und Februar noch Trainingslager angesagt, so beschäftigte sich der 25-Jährige erstmals nach den Absagen im Weltcup damit, dass dies auch für Tokio gelten könnte: „Man stellt sich schnell die Frage wie die Vorbereitung weiterlaufen soll. Die Fußball-EM wurde ja auch abgesagt und eine Absage für Olympia fände ich dann nur fair.“ Auch er hält sich wie Staelberg inzwischen im „Home-Office“ fit, doch das Problem der Ungewissheit bleibt. Immerhin hat Rommelmann für den Traum von Olympia sein Studium auf Eis gelegt und alles dem Sport untergeordnet. „Ich hoffe es klappt noch dieses Jahr mit Olympia, ich hätte aber auch nichts dagegen, wenn es auf das nächste Jahr verschoben wird. Es wird zunehmend schwieriger für fairen Sport und Chancengleichheit zu sorgen“, sagt Rommelmann weiter.

Niklas Wellen kennt als Hockeyspieler das Gefühl bei Olympia dabei zu sein, denn 2016 holte er in Rio mit Deutschland die Bronzemedaille: „Für uns Nicht-Profisportler ist es das größte Ziel überhaupt, die Vorfreude war vor vier Jahren sehr groß.“ Entsprechend wusste der 25-Jährige durchaus schon was ihn in Tokio erwarten würde, doch die rasche Entwicklung hat seine Vorfreude sehr getrübt. „Ich rechne nicht mehr mit einer Austragung in diesem Jahr, vom Gefühl her würde ich eher auf 2021 tippen“, vermutet Wellen. An Hockeytraining ist momentan überhaupt nicht zu denken, fit gehalten wird sich zu Hause mit entsprechenden Geräten. „Das ist aber was anderes, als wenn man im Kraftraum trainiert. Die Umstände sind nicht optimal. Eine Absage halte ich für sinnvoll, nicht auszudenken was passieren würde, wenn sie einer im Sportlerdorf infiziert“, warnt Wellen weiter.

Aline Focken hatte sich hingegen für Tokio ein großes Ziel gesetzt. Ihre großartige Sportler-Karriere sollte - wenn möglich - mit einer olympischen Medaille beendet werden. Entsprechend ist die Ringerin nun hin und her gerissen wie es weitergeht soll. „Bei meinem ersten Gedanken war es ein Schlag ins Gesicht, doch dann bin ich etwas runter gekommen und hab mir überlegt eventuell zwei Jahre weiter zu machen“, erklärt die Hülserin. Auch bei ihr ist an Training kaum zu denken, allerdings hat sie mit ihrem Ehemann Jan Rotter einen Trainingspartner in der Familie. „Wir müssen aber viel improvisieren, es ist nicht immer alles zielführend“, fügt Focken hinzu. Es wird sich also vorbereitet als würden die Spiele stattfinden. Und was wenn nicht? „Wenn sie auf 2021 verschoben werden, dann wäre das noch okay, ansonsten verabschiede ich mich bei einem anderen Turnier wie die EM oder WM“, lautet die Antwort.