1. Sport
  2. Wintersport
  3. Skispringen

Skispringen Weltcup 21/22: Maren Lundby verzichtet auf Olympia-Saison

Skispringen 21/22 : Maren Lundby verzichtet auf Olympia-Saison

Während die Norwegerin Maren Lundby mit ihrem Saisonverzicht ein Zeichen gegen den Gewichtswahn im Skispringen setzt, startet die Saison für viele andere Skispringerinnen und Skispringer Ende November. In unserem Skisprung-Telegramm verpassen Sie nichts.

Maren Lundby war nicht mehr die makellose Eiskönigin. Über die glühenden Wangen der sonst berufscoolen Norwegerin kullerten Tränen, ihre Stimme brach, doch die Botschaft der besten Skispringerin der Welt war klar zu vernehmen. "Ich habe im Moment ein paar Kilo zuviel, um in der Weltspitze zu springen", sagte die 27-Jährige in einem aufwühlenden Interview im TV-Sender NRK: "Und ich bin nicht bereit, verrückte Dinge zu tun, um dies zu ändern."

Lundby wird deshalb auf die gesamte Olympia-Saison verzichten, die Goldmedaillen-Gewinnerin von Pyeongchang kämpft nicht um Gold in Peking. Das sei bitter, "aber eine gute Entscheidung", sagte sie, "und ich war eigentlich immer ziemlich gut darin, gute Entscheidungen zu treffen."

Es gehe ohnehin um viel mehr als um sie selbst: Lundby will ein Zeichen setzen. Gegen unverantwortliche Fremdbestimmung über den Körper von Skispringerinnen, für die Gesundheit junger Sportlerinnen.

"Im Skispringen werden extreme Anforderungen gestellt, das Gewicht ist eine davon", sagte die zweimalige Weltmeisterin: "Ich habe mein Gewicht nie unverantwortlich kontrolliert, auch das gehört zu meinem Erfolgsrezept." Und gerade für Nachwuchsspringerinnen, "das ist meine Botschaft", solle kompromisslose Gewichtskontrolle "kein Thema" sein: "Damit kannst du alles zerstören."

Als Normalbürgerin wäre Lundby weit von Gewichts-"Problemen" entfernt. Gewiss: Ihr Gesicht wirkt ein wenig rundlicher als vor wenigen Monaten, ihr Körper, der ohnehin nicht zu den dürrsten im Business gehörte, stabiler. Jener habe sich zuletzt "aus natürlichen Gründen" etwas verändert, sagte Lundby, ohne konkret zu werden.

Im Bereich des Hochleistungssports, zuletzt Schauplatz von Magerkeitsdebatten wie im Fall der Leichtathletin Konstanze Klosterhalfen, kann eine derartige Entwicklung bei jungen Sportlerinnen katastrophale Auswirkungen haben, fatalen Druck erzeugen.

"Ich bin glücklich. Gesundheitlich geht es mir gut wie vielleicht noch nie", sagte Lundby. Dies "nur" für den Sport zu gefährden? Kein Thema für sie, die sich zuletzt "unprofessionell" schimpfen lassen musste, weil sie die Sommersaison ausließ und bei der norwegischen "Let's dance"-Variante im TV tanzte.

Mit dem Standing und Selbstbewusstsein einer der erfolgreichsten Springerinnen der Geschichte lässt sich leichter die Bremse ziehen als für eine Nachwuchsathletin, das weiß Lundby. Dennoch wolle sie ein Signal setzen - alles zu opfern, dazu sei sie nicht bereit: "Ich liebe Skispringen. Aber ich will lieber eine lange Karriere haben."

  • Termine, Zeitplan, Kader, Ergebnisse : Das müssen Sie zum Weltcup 2020/21 im Skispringen wissen
  • Weltcup-Saison 2021/22 : Der Kader der deutschen Skispringer
  • Schanzengrößen und Wettbewerbe : Die Disziplinen im Skispringen

+++++21. September 2021+++++

Rekord-Weltcupsieger Gregor Schlierenzauer beendet Skisprung-Karriere

Rekord-Weltcupsieger Gregor Schlierenzauer beendet seine erfolgreiche Skisprung-Laufbahn. Dies gab der 31 Jahre alte Österreicher am Dienstag bekannt. „Meine aktive Karriere zu beenden ist mir nach all dem, was ich als Spitzensportler erleben durfte, nicht leicht gefallen - aber die Entscheidung fühlt sich ebenso wie der Zeitpunkt richtig an“, sagte Schlierenzauer.

Der 53-malige Weltcupsieger gewann in seiner Laufbahn insgesamt zwölf WM-Medaillen - sechs davon aus Gold. 2010 wurde er in Vancouver zudem Team-Olympiasieger. Die Vierschanzentournee konnte der langjährige Dominator der Szene, der insgesamt viermal Skiflug-Weltmeister im Einzel und mit der Mannschaft wurde, zweimal in den Jahren 2012 und 2013 für sich entscheiden.

„Gregor hat für das Skispringen Großartiges geleistet. Seine außergewöhnliche Karriere ist gespickt mit Superlativen. Er hat im Grunde alles erreicht, was es zu erreichen gibt, fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, und es ist auch ihm zu verdanken, dass der Sport heute da steht, wo er ist“, sagte Mario Stecher, Sportlicher Leiter Ski nordisch des österreichischen Verbandes. Was der Skispringer künftig macht, blieb zunächst offen.

„Die letzten Monate waren für mich herausfordernd. In positiver Hinsicht. Durch die Verletzungspause, hatte ich ausreichend Zeit und den nötigen Abstand, um Vergangenes aufzuarbeiten und zu schauen, wo ich jetzt stehe, erklärte Schlierenzauer selbst. Die Karriere des Tirolers teilt sich in zwei höchst unterschiedlich erfolgreiche Hälften: Als Teenager reihte er Sieg an Sieg, schon mit 24 Jahren hatte er seine 53 Weltcup-Siege beisammen.

Danach folgten ein mentales Tief, zahlreiche Verletzungen und der wiederholte Versuch, in die Weltspitze zurückzukehren. Das gelang selbst mit Unterstützung von Ex-Bundestrainer Werner Schuster nicht mehr.

Hier lesen Sie unseren Kommentar zum Abschied von Gregor Schlierenzauer.

(red/dpa/sid)