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Nordische Ski-WM 2021: Kaum noch Medaillenchancen - Kombinierer liegen nach dem Springen weit zurück

Nordische Ski-WM in Oberstdorf : Kaum noch Medaillenchancen - Kombinierer erleben Sprung-Desaster

Die deutschen Nordischen Kombinierer liegen im WM-Einzel nach dem Skispringen extrem weit zurück und haben kaum noch Chancen auf die Medaillenränge. In unserem Telegramm halten wir Sie über die Nordische Ski-WM auf dem Laufenden.

Rekordweltmeister Eric Frenzel (Geyer) hat bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf alle Chancen auf die erfolgreiche Titelverteidigung im Wettbewerb von der Großschanze schon im Springen eingebüßt, auch die weiteren deutschen Starter liegen schon zur Halbzeit abgeschlagen zurück. Der 32 Jahre alte Frenzel kam am Schattenberg mit 122,0 m nur auf Platz 13 und geht mit 2:14 Minuten Rückstand auf den führenden Österreicher Johannes Lamparter in den 10-km-Langlauf ab 15.15 Uhr (ZDF und Eurosport).

"Das ist ärgerlich, wenn man in einem WM-Rennen so viel Rückstand hat, schade", sagte Frenzel. Bester DSV-Kombinierer ist Fabian Rießle (Breitnau) auf Platz zehn, doch auch der Teamsprint-Weltmeister von 2019 kassierte 1:55 Minuten Rückstand. "Da muss man nicht mehr viel rechnen, das ist ziemlich aussichtslos auf die ersten drei Positionen", sagte Rießle.

Ein Desaster erlebte der viermalige Saisonsieger Vinzenz Geiger, der in seiner Heimat nur auf Platz 25 kam und riesige 3:18 Minuten Rückstand hat. Der ansonsten sprungstarke Manuel Faißt (Baiersbronn) blieb bei seinem ersten Einsatz in Oberstdorf mit 118,5 m auf Platz 15 (+2:25) hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Der sechsmalige Weltmeister Johannes Rydzek (Oberstdorf), der den Staffel-Zweiten Terence Weber wieder aus dem deutschen Team verdrängt hatte, verabschiedete sich mit einem schwachen Sprung auf 116,0 m aus dem Medaillenkampf und steuert als 21. mit 2:54 Minuten Rückstand einem enttäuschenden Abschluss einer ernüchternden Heim-WM entgegen.

Hinter dem erst 19 Jahre alten Lamparter, der mit 138,0 m die Bestweite erzielte, liegt der Japaner Akito Watabe mit 22 Sekunden Rückstand auf Platz zwei. Topfavorit Jarl Magnus Riiber (Norwegen), der bereits im Einzel von der Normalschanze sowie mit Norwegens Team gesiegt hatte, hat als Dritter (+0:37) noch alle Chancen auf seinen dritten Titel in Oberstdorf.

+++++4. März 2021+++++

Skispringerinnen von WM-Ausbeute enttäuscht

Die Enttäuschung war Katharina Althaus deutlich anzumerken. Deutschlands Vorzeige-Skispringerin war mit ihrer eigenen Leistung nach Platz zwölf bei der WM-Premiere der Frauen auf der Großschanze alles andere als zufrieden, zog aber trotzdem ein positives Gesamtfazit ihrer ganz besonderen Heim-Weltmeisterschaft. „Ich fand, es war trotzdem eine coole WM“, sagte die Lokalmatadorin aus Oberstdorf am Mittwochabend. „Gerade meine Medaille hätte ich nicht erwartet. Es war einfach eine andere, bissl verrücktere WM.“

In den Einzelwettbewerben und auch mit dem Frauen-Team erreichte die 24-Jährige nicht, was sie sich vorgenommen hatte. Von der Normalschanze belegte Althaus Rang zehn, mit der Frauen-Mannschaft reichte es nur zu Platz fünf. Erstmals seit 2013 gab es bei einer WM keine Medaille für Deutschland in den reinen Frauenwettbewerben. Dafür freute sich Althaus gemeinsam mit Anna Rupprecht, Karl Geiger und Markus Eisenbichler über die überraschende Goldmedaille im Mixed.

„Das überstrahlt natürlich vieles“, sagte Bundestrainer Andreas Bauer, während hinter ihm Siegerin Maren Lundby aus Norwegen sowie Sara Takanashi aus Japan (Silber) und die Slowenin Nika Kriznar (Bronze) mit lauter Musik gefeiert wurden. Der Erfolg im Mixed dürfe jedoch nicht dazu führen, dass die Analyse leide, sagte er. Mit Blick auf das Gesamtfazit sagte Bauer: „Generell muss ich sagen, ist es für uns zu wenig. Wir wollen natürlich als Mannschaft weiter nach vorne.“ Sein Anspruch sei es, „dass wir um die Medaillen mitspringen“.

Bauers Athletinnen haben nun erst einmal eine Wettkampfpause. Weil die Raw-Air-Tour mit drei Stationen in Norwegen coronabedingt ausfällt, ist der nächste Weltcup erst am 20. März in Russland geplant. Althaus will dann „nochmal Vollgas geben“. Bevor sie sich darauf konzentriert, braucht sie nach den aufregenden WM-Tagen aber etwas Abstand. „Erstmal runterkommen und alles analysieren“, beschrieb Althaus ihren Plan.

+++++4. März 2021+++++

Bauer hört als Skisprung-Bundestrainer der Frauen auf

Andreas Bauer hört zum Saisonende als Skisprung-Bundestrainer der Frauen auf. Dies teilte der 57-Jährige am Donnerstagmorgen in einer Medienrunde mit. „Ich bin schon seit längerer Zeit zu dem Entschluss gekommen, dass die Heim-WM in Oberstdorf nochmal das Highlight für mich wäre. Dass ich bis dahin gerne bereit bin, weiterzumachen. Zum Saisonende werde ich mein Amt niederlegen“, sagte Bauer einen Tag nach Beendigung der WM-Wettkämpfe der Frauen in Oberstdorf. Der ehemalige Athlet betreute die Skispringerinnen seit der ersten Weltcup-Saison 2011/2012 und begleitete als Chefcoach mehrere WM-Titel und Olympia-Medaillen.

+++++3. März 2021+++++

Norwegerin Lundby erste Skisprung-Weltmeisterin von der Großschanze

Ein paar Tage nach der Riesenüberraschung im Mixed-Team ist ein weiterer deutscher Skisprung-Coup bei der WM in Oberstdorf ausgeblieben. Angeführt von Juliane Seyfarth und Lokalmatadorin Katharina Althaus holte das deutsche Team am Mittwoch bei der so sehr ersehnten Premiere zwar ein ordentliches Teamresultat, hatte mit der Vergabe der Medaillen aber nichts zu tun. Seyfarth (118 und 123 Meter) belegte Rang 10, auch Althaus (12.), Anna Rupprecht (15.) und Luisa Görlich (19.) schafften es ohne Mühe in den zweiten Durchgang, konnten auf der Anlage am Schattenberg aber nicht mit den allerbesten Frauen der Welt mithalten.

Erste Weltmeisterin wurde stattdessen Maren Lundby. Die 26 Jahre alte Norwegerin gewann nach Sprüngen auf 128 und 130,5 Meter - damit lag sie rund 54 Punkte vor der besten Deutschen, was umgerechnet etwa 30 Meter sind. „Ich werde feiern, aber momentan bin ich noch sprachlos“, sagte Lundby im ZDF. Silber sicherte sich Sara Takanashi aus Japan (126 und 134 Meter), Bronze ging an Nika Kriznar aus Slowenien (126 und 129 Meter).

Für Deutschland gibt es damit erstmals seit 2013 keine Medaille in den reinen Frauenwettbewerben. 2015 und 2017 hatte sich Carina Vogt zur Einzel-Weltmeisterin gekrönt, bevor es 2019 Einzel-Silber für Althaus sowie Gold im Mannschaftsspringen gab. Die Resultate bei den Frauen waren bei der Heim-WM enttäuschend. Schon im Einzel war Althaus nicht über Rang zehn hinausgekommen, auch Rang fünf bei der Team-Titelverteidigung entsprach nicht den Erwartungen.

Doch abseits des Resultats waren die Skispringerinnen erfreut, erstmals ein WM-Springen auf der Großschanze absolvieren zu können. „Ich konnte leider keine guten Sprünge zeigen. Trotzdem war es ein guter und ein ganz wichtiger Wettkampf fürs Damen-Skispringen“, sagte Althaus.

Rupprecht gefiel vor allem das Niveau des Springens, bei dem es vor allem am Ende große Weiten gab. „Was die Mädels hier hinten raus machen: Großes Kino. Finde ich total toll, wie sie unseren Sport in Szene setzen“, sagte die 24-Jährige. Sie hoffe, „dass die Leute draußen sehen, dass hier echt gutes Niveau herrscht und dass sie uns nicht mehr so belächeln“.

Norwegens Skilangläufer feiern Dreifachsieg - Topfavorit Bolschunow geschlagen

Angeführt von Hans Christer Holund haben Norwegens Skilangläufer bei der WM in Oberstdorf einen Dreifachsieg im Freistilrennen über 15 km gefeiert. Holund holte die zweite Goldmedaille seiner Karriere vor seinen Teamkollegen Simen Hegstad Krüger und Youngster Harald Östberg Amundsen. Bester Deutscher war Jonas Dobler (Traunstein) auf Rang 23.

"Wir sind schon ein bisschen enttäuscht", sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder, der in Youngster Friedrich Moch (20/Isny) seinen zweitbesten Akteur hatte: "Bei Friedrich hatten wir sogar auf ein Top-10-Ergebnis gehofft. Aber er ist sehr scharf angegangen und hat dem Tribut gezollt. Aber ich fand gut, dass er Risiko gegangen ist."

Holund, der 2019 in Seefeld Weltmeister im "Marathon" über 50 km geworden war, hatte nach 33:48,7 Minuten einen Vorsprung von 20,2 Sekunden auf Krüger. Topfavorit Alexander Bolschunow aus Russland, der vier Tage zuvor im Skiathlon noch vor fünf Norwegern zu Gold gestürmt war, musste sich diesmal mit Rang vier begnügen.

Dobler hatte im Ziel fast zwei Minuten Rückstand auf die Spitze, 4,2 Sekunden hinter ihm landete der in seinem ersten WM-Einzelrennen schnell angegangene Moch. Florian Notz (Römerstein) und Lucas Bögl (Gaißach) folgten auf den Positionen 26 und 28. "Diese beiden sind 10, 15 Plätze zu weit hinten gelandet", sagte Schlickenrieder.

Titelverteidiger Martin Johnsrud Sundby (36), der zuletzt nicht mehr zum norwegischen Weltcup-Team gehörte hatte und nur dank seines persönlichen Startrechts als Weltmeister teilnahm, wurde im wohl letzten WM-Rennen seiner Karriere Siebter. Olympiasieger Dario Cologna (Schweiz) belegte in Abwesenheit von Topstar Johannes Hösflot Kläbo (Norwegen), der sich auf seine Einsätze in der Staffel und über 50 km vorbereitet, den 13. Rang.

+++++3. März 2021+++++

Italien zieht gesamtes Team nach Coronafällen zurück

Italien hat nach erneuten Coronafällen sein komplettes Team von der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf zurückgezogen. Dies teilte der nationale Verband FISI am Mittwochmorgen mit. Die Entscheidung sei gefallen, um die Gesundheit der Athleten zu schützen und zugleich eine sichere Fortsetzung der WM zu erlauben.

Nachdem am Samstag zwei Coronafälle in Italiens Skisprung-Team bekannt geworden waren, bestätigte der Weltverband FIS am Mittwochmorgen zwei weitere positive Tests bei Mitgliedern der italienischen Delegation, die allerdings keinen Zugang zu den Wettkampfstätten hatten.

Bislang sind rund 15.000 Tests im Umfeld der WM vorgenommen worden, rund zehn davon fielen positiv aus. Einziger namentlich bestätigter Coronafall ist jener von Norwegens Skisprungstar Halvor Egner Granerud.

„Ein Jammer“: Corona-Aus für Granerud

Norwegens Skisprungstar Halvor Egner Granerud ist der erste prominente Coronafall in Oberstdorf. Für den Topfavoriten endet die WM in der Isolation.

Hier geht es zum ausführlichen Bericht

+++++2. März 2021+++++

Skispringerin Kramer gewinnt Quali - Althaus auf Rang vier

Marita Kramer hat die Qualifikation zur WM-Premiere der Skispringerinnen auf der Großschanze gewonnen. Die 19 Jahre alte Österreicherin sprang am Dienstagabend in Oberstdorf 137,5 Meter weit und verwies damit Ema Klinec aus Slowenien und die Japanerin Sara Takanashi auf die Plätze zwei und drei. Als beste Deutsche belegte Katharina Althaus den vierten Rang. Die 24 Jahre alte Allgäuerin hatte am Sonntag die Goldmedaille mit dem Mixed-Team gewonnen. Aus der Mannschaft von Bundestrainer Andreas Bauer hat sie die besten Chancen auf eine Medaille im Wettbewerb an diesem Mittwoch (17.15 Uhr/ZDF und Eurosport).

In Anna Rupprecht, Luisa Görlich und Juliane Seyfarth qualifizierten sich auch die anderen drei deutschen Starterinnen für den Wettkampf. Deutschlands erfolgreichste Springerin Carina Vogt war wegen anhaltender Formschwäche nach großen Verletzungsproblemen nicht nominiert worden.

Johaug gewinnt zwölftes Gold – Carl auf Platz 14

Norwegens Skilanglauf-Königin Therese Johaug (32) hat bei der WM in Oberstdorf mit einer Machtdemonstration auch das Freistil-Rennen über 10 km gewonnen. Die Titelverteidigerin siegte im Einzelstart wie schon drei Tage zuvor im Skiathlon vor den Schwedinnen Frida Karlsson und Ebba Andersson. Als beste Deutsche belegte Victoria Carl (Zella-Mehlis) den 14. Platz.

Johaug, der sich in Oberstdorf noch zwei weitere Gold-Chancen bieten, hatte bei frühlingshaftem Wetter im Ziel nach 23:09,8 Minuten einen deutlichen Vorsprung von 54,2 Sekunden auf Karlsson. Carl folgte mit einem Rückstand von 1:54,5 Minuten, zweitbeste Deutsche war Pia Fink (Bremelau/+2:19,0) auf dem 20. Rang.

"Das war heute deutlich besser. Wir sind zusammengerückt, der Bann ist gebrochen", sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder nach zuletzt unglückliche Vorstellungen. Auch Carl, im Teamsprint an der Seite von Sofie Krehl (Oberstdorf) nur Neunte, war diesmal zufrieden: "Meine Ski waren heute absolut genial. Ich denke, damit habe ich mir meinen Staffelplatz mehr als verdient."

Für Johaug war es der zwölfte WM-Titel ihrer Karriere. Mehr Goldmedaillen bei Nordischen Ski-Weltmeisterschaften haben nur ihre ehemalige Teamkollegin Marit Björgen (18), die Russin Jelena Wälbe (14) und der Norweger Petter Northug (13) gesammelt, alle im Langlauf. "Therese erstaunt mich jedes Mal wieder. Ich wüsste gerne, was sie anders macht als wir, damit wir das vielleicht auch mal ändern können. Das ist schon sehr bemerkenswert", sagte Fink.

Bei ihrer siebten WM-Teilnahme seit 2007 - 2017 in Lahti hatte sie wegen einer Sperre nach einem positiven Test auf das Steroid Clostebol gefehlt - gelang Johaug zudem als erster Läuferin seit der Tschechin Katerina Neumannova 2007 die erfolgreiche Titelverteidigung über 10 km.

Skispringer Severin Freund fiebert erstem WM-Start entgegen

Severin Freund feuerte Karl Geiger an, er jubelte mit dem Gold-Quartett im Mixed, doch jetzt hat er genug von seiner Rolle als Edelfan. "Jetzt kommt die große Schanze, und die ist für mich ein bisschen einfacher", sagt der Skisprung-Weltmeister von 2015, der die Heim-WM in Oberstdorf bislang nur als Zuschauer erlebt hat. Zwar ist schon die Teilnahme ein Erfolg für den 32-Jährigen, in den Ergebnislisten auftauchen würde er dennoch ganz gerne.

Seine bisherige Nebenrolle sei "natürlich nicht die schönste Situation" für ihn gewesen, sagte Freund am Ruhetag der Titelkämpfe im Allgäu. Immerhin habe er dort, wo er 2015 das Oberstdorfer Tourneespringen gewann, ein wenig "die Atmosphäre einer WM" aufsaugen können. Für die Teilnahme hatte er sich schließlich nach zwei Kreuzbandrissen monatelang gequält. "Oberstdorf war ein sehr großes Ziel von mir", sagt Freund.

Auf der kleinen Schanze erhielt dennoch Constantin Schmid den Vortritt. "Verdient", wie Freund betont. Doch weil Stefan Horngacher für das Einzel vom großen Bakken dank Titelverteidiger Markus Eisenbichler fünf Startplätze zu Verfügung stehen, darf Freund hoffen. Am Mittwoch muss der Bundestrainer sein Team für die Qualifikation nominieren, aus dem Trio Freund, Schmid und Martin Hamann muss nur einer zuschauen.