Borussia Mönchengladbach verliert gegen RB Leipzig

Drei Werner-Tore : Gladbachs Leipzig-Fluch geht weiter

Wieder kein Sieg gegen RB Leipzig – Borussia Mönchengladbach kann den ungeliebten Gegner auch mit dem neuen Trainer nicht knacken. Die Gladbacher ließen zahlreiche Chancen ungenutzt.

Nein, ein Lieblingsgegner wird RB Leipzig für Borussia Mönchengladbach wohl nicht mehr. Das verdeutlichten zum einen die heimischen Fans, die den 2009 gegründeten Klub aus Sachsen mit dem Banner „Keine Akzeptanz für RB“ und einem 19-minütigen Pfeifkonzert – angelehnt an das eigene Gründungsjahr 1900 – bei Ballbesitz begrüßten. Zum anderen gibt es da die sportliche Komponente: Noch nie hat Borussia in der Bundesliga gegen Leipzig gewinnen können, vor der Partie am Freitagabend lautete die Bilanz: vier Niederlagen, zwei Unentschieden. Nach dem 1:3 (0:1) fällt sie noch negativer aus.

Von Beginn an war aber Musik im Spiel, nicht nur wegen des grellen Pfeifens aus der Nordkurve: Gladbachs Trainer Marco Rose musste schon nach rund einer Minute vom Vierten Offiziellen Robert Schröder an der Seitenlinie beruhigt werden, mit einem Handschlag gingen beide auseinander. Keine Minute später räumte Breel Embolo an der Außenbahn seinen Gegenspieler derart rüde ab, dass er direkt Gelb sah. Der Schweizer nahm im leicht umformierten System von Rose die Position der Zehn hinter den Spitzen Alassane Plea und Marcus Thuram ein, Borussias Trainer wollte auf die Wucht der Leipziger augenscheinlich ebenfalls mit Wucht reagieren.

Das schien aufzugehen: Nach rund neun Minuten schoss Plea nach Doppelpass mit Embolo volley im Strafraum über das Tor, nur eine Minute später verzog Embolo – das Pfeifkonzert ebbte in dieser Phase ziemlich ab, weil Borussia das Spiel machte und RB kaum an den Ball ließ. Die Gäste deuteten in der Folge zwar immer mal wieder ihr Tempo und ihr Ballgeschick an, kamen aber nicht in gefährliche Abschlusssituationen. Anders die Borussen, bei denen Embolo nach einem Dribbling durchs Mittelfeld einmal abgeblockt und einmal kurz vor dem Strafraum gefoult wurde – den fälligen Freistoß jagte Plea indes in die Leipziger Mauer. Nach rund einer halben Stunde scheiterte der Franzose aus sechs Metern nach schöner Kombination frei an RB-Torwart Peter Gulacsi.

Das Auslassen der Chancen rächte sich: Ein einziges Mal in Halbzeit eins wurde Leipzigs Stürmer Timo Werner perfekt im Strafraum bedient und ließ Gladbachs Torwart Yann Sommer keine Chance (38. Minute). Das 1:0 der Gäste war bereits der sechste Treffer des Nationalspielers gegen die Borussen, eine durchaus bemerkenswerte Bilanz bei erst sieben Aufeinandertreffen der beiden Klubs überhaupt in der Bundesliga. Kurz vor der Pause prüfte erneut Plea Gulacsi, der den Freistoß aus rund 20 Metern aber recht problemlos hielt.

So ging es mit einem Rückstand statt einer durchaus möglichen Führung in die Pause, Borussia hatte bis dahin ein gutes Spiel gemacht, Leipzig aber eben jene Effektivität gezeigt, die den Gladbachern derzeit noch abgeht. Und das Muster wiederholte sich keine zwei Minuten nach der Halbzeit: Einen Pass in die Tiefe erlief Werner, zog Borussias Verteidigern einfach davon und erzielte mit seinem ersten Schuss in Halbzeit zwei das 2:0 für die Gäste. Der 23-Jährige, der schon in der Vorsaison einen Doppelpack gegen die Gladbacher geschafft hatte, entwickelt sich immer weiter zum personifizierten Borussen-Schreck. Yann Sommer verhinderte fünf Minuten später gegen Yussuf Poulsen die Vorentscheidung, Mittelfeldmann Denis Zakaria kurz darauf mit einem irren Laufduell möglicherweise Werners drittes Tor an diesem Abend.

In der 58. Minute hätten die Borussen-Fans fast jubeln dürfen, eine Flanke von Rechtsverteidiger Stefan Lainer landete von einem Leipziger Kopf abgefälscht an der Latte. Sechs Minuten später musste aber wieder Sommer retten: Marcel Sabitzer verzweifelte am Schweizer Schlussmann, kurz darauf das heimische Publikum an Embolo, der im Strafraum den Ball nicht unter Kontrolle bekam und so kurz vor dem Tor nicht richtig zum Abschluss kam.

So schafften die Borussen in der Nachspielzeit nur noch den Anschluss mit dem zwischenzeitlichen 1:2 durch Embolo (90 +1). Kurz danach stellte Werner (90+4) den Zwei-Tore-Vorsprung aber kurz vor Abpfiff mit seinem dritten Tor wieder her. Es war die erste Pflichtspielniederlage unter Rose, zudem baute Gladbach eine wenig angenehme Serie aus: Seit nunmehr neun Heimspielen in Folge gab es keinen Sieg mehr. Nicht nur Linksverteidiger Oscar Wendt, der sein 200. Bundesligaspiel für Borussia machte, hatte sich den Abend aus Sicht der Gladbacher anders erhofft. Aber Leipzig wird eben für diese kein Lieblingsgegner mehr.

Bor. Mönchengladbach - RB Leipzig 1:3 (0:1)

Bor. Mönchengladbach: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Wendt - Neuhaus (77. C. Kramer), Zakaria, Embolo, Johnson (74. Raffael) - Thuram (66. Bénes), Pléa


RB Leipzig: Gulacsi - Klostermann, Konaté, Orban, Halstenberg (83. Mukiele) - Laimer, Forsberg (63. Haidara), Kampl (70. Demme), Sabitzer - Poulsen, Werner

Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)

Zuschauer: 47.227


Tore: 0:1 Werner (38.), 0:2 Werner (47.), 1:2 Embolo (90.+1), 1:3 Werner (90.+4)


Gelbe Karten: Embolo (1), Zakaria (2), Wendt (1) / Laimer (1), Konaté (1)

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