Borussia Mönchengladbach lernt aus dem BVB-Spiel und siegt in Leverkusen dreckig

Analyse nach dem 2:1 gegen Leverkusen : Dreckiger Sieg – das ist ein Lerneffekt für Borussia

Beim 1:2 in Dortmund wollte Borussia nach der Führung nicht nur verteidigen. In Leverkusen taten sie es in der Schlussphase und brachten einen „dreckigen Arbeitssieg“ mit. Das zeigt, Team und Trainer haben aus dem BVB-Spiel die richtigen Schlüsse gezogen.

Ausgerechnet Jonas Hofmann, einer der Ästhetik-Beauftragten im Gladbacher Team, brach eine Lanze für den „dreckigen Arbeitssieg“. Eine Art Sieg also, die nicht sonderlich glanzvoll ist, sondern aus viel „alles reinwerfen“ im eigentlichen Sinne besteht, aus Kampf und Willensstärke und aus Glück. Letzteres verdient man sich indes mit den vorgenannten Eigenschaften. „Es gehört auch mal dazu, ein Spiel durch die Defensive zu gewinnen“, sagte Hofmann.

Das haben die Borussen getan in der zweiten Halbzeit in Leverkusen, nachdem im ersten Teil des Spiels die Offensive extrem aufzeigte, worauf es ankommt: auf Coolness und Effektivität. Marcus Thuram bereitete erst vor und vollstreckte dann, zwei Angriffe, die einem Plan folgten: Zweimal über die rechte Seite kam Gladbach entscheidend zum Zug, erst durch das Dribbling Thurams, dann mit dem sorgfältigen Aufbau über Tony Jantsche und Stefan Lainer, der den Assist-Assist einstrich, weil er Thurams Vorlagengeber Patrick Herrmann bediente.

Dass Herrmann zu den Scorern zählte, überraschte nicht, es war im 17. Spiel gegen Bayer seine neunte Torbeteiligung. Das 2:1 war die Szene, die illustriert, wie Rose-Fußball geht: Über den Flügel zur Grundlinie, dann der Pass  ins Zentrum, alles im Zack-Zack-Tempo. Bei der Chance kurz nach der Pause hatte Jonas Hofmann seinen großen Auftritt, als er mit einer starken Pressing-Aktion den Ball eroberte und Florian Neuhaus bediente. Der nahm den Ball edel an, traf aber Torwart Lucas Hradecky. Szenen wie diese gab es öfter zuletzt, Borussia hat also Automatismen entwickelt. Dann aber begann die Abwehrschlacht.

Und eben eine solche zu überstehen (was im Übrigen beim 1:0-Sieg in Leverkusen in der vergangenen Saison auch so war), ist eine Qualität, Glück hin, Glück her.  Borussia hat in den vergangenen Wochen verschiedene Facetten des Erfolgs gezeigt: Sie kann glänzen wie gegen Augsburg und phasenweise gegen Frankfurt, sie kann kämpfen wie gegen Frankfurt, als die Eintracht kam, sie kann hartnäckig sein wie in Rom – und sie kann einfach mal verteidigen, was sie hat, wie jetzt in Leverkusen.

Marco Rose hatte offenbar den Spielverlauf etwa so erwartet, wissend um den körperlichen Zustand seines Teams, das, so der allgemeine Tenor, „am Limit“ ist. Rose formierte daher, das bestätigte der zurückgekehrte Abwehrchef Matthias Ginter, seine Borussen wieder im 3-4-1-2-System. Mit den drei Offensiven und über die hoch spielenden Außenverteidiger sollte Druck aufgebaut werden aus einer massiven Defensive heraus. Zwischenzeitlich war es gegen den Ball eine Raute, um mehr Zugriff zu bekommen. Und am Ende, als nach vorn nicht mehr los war, ging es im 4-5-1 darum, „das Ergebnis zu Ende zu verteidigen“, gab Rose zu. In Dortmund wollte er nach der Führung „dieses Signal nicht aussenden“. Der BVB drehte das Spiel noch. Bayer nicht.

„Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur schönen, sondern auch dreckigen Fußball spielen können. Das Thema hat uns in den letzten Jahren verfolgt, dass wir das nicht so drauf hatten“, stellte Hofmann eine Entwicklung fest. Der Sieg in Leverkusen zeigt, dass aus dem BVB-Spiel die richtigen Schlüsse gezogen wurden und er somit das Ergebnis eines wichtigen Lerneffekts ist, für Team und Trainer: Manchmal muss es auch defensiv sein. Und – wenn nötig – dreckig.