Borussia Mönchengladbach: Wer vom Bundesliga-Titel träumt, spinnt nicht

Kommentar zu Borussias Tabellenführung : Gladbacher Titelträume sind keine Spinnereien

In Leverkusen gewinnt Borussia das nächste Ligaspiel und festigt die Tabellenführung in der Bundesliga. So langsam wächst das Team von Trainer Marco Rose zum ernsthaften Titelaspiranten heran.

Zum vierten Mal hintereinander ertönte aus der Gladbacher Kurve „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“. Verdient hatten sich die Borussen das aufgrund eines 2:1-Sieges bei Bayer 04 Leverkusen. Es war keiner der Erfolge, wie es sie schon einige gab. Kein Offensivfeuerwerk, kein gutes Pressing, kein Ergebnis großer Aktivität. Am 10. Spieltag musste harter Kampf herhalten. Und weil Borussia auch noch eine extreme Kaltschnäuzigkeit an den Tag legte, gab es bereits den siebten Erfolg in der Liga. Und spätestens jetzt die Erkenntnis, dass Meisterträume, die es bei einigen Sympathisanten sicherlich schon gibt, keine Spinnerei sind.

Denn die Gladbacher offenbaren in der Liga derzeit ein Sieger-Gen, das titelwürdig ist. In Leverkusen hatte Borussia kaum mehr Chancen als die beiden, die zu den Toren führten. Bei Gegner reichte es dagegen trotz mehrerer Gelegenheiten (und einem Eckenverhältnis von 13:0) nur für einen Treffer. Wer solche Spiele gewinnt, darf sich Spitzenteam nennen.

Bei den Heimsiegen gegen Augsburg (5:1) und Frankfurt (4:2) zeigte Borussia ein Offensivspektakel, bei Bayer war es das gröbere Besteck. Ein Sinnbild dafür war die 83. Minute. Leverkusens Karim Bellarabi zog im Strafraum der Gladbacher ab, und Lars Stindl, der stürmende Kapitän der Fohlenelf, schmiss sich mit einem Sprung in den Schuss und konnte ihn abblocken. Solche Szenen, in denen die Borussen großen Kampfgeist offenbarten, gab es zuhauf.

Die Spieler und Verantwortlichen der Gladbacher werden es weiter als schöne Momentaufnahme betrachten, dass das Team in der Bundesliga derart gut dasteht. Und ein Tabellenführer nach zehn Spielen muss noch lange keinen wirklichen Titelkandidaten darstellen. Aber Borussia durchlebt gerade schon eine Phase, in der sie unheimlich viel improvisieren muss, da mehrere Spieler, zum Teil auch sehr wichtige, aufgrund von Verletzungen fehlen.

Bislang hat diese Misere jedoch keinerlei ergebnistechnische Auswirkungen. Alassane Plea, der beste Stürmer der Borussen, fehlt – aber merkt man das gerade? Nein. Denn Marcus Thuram übernimmt seinen Job, war mit einem Tor und einer Vorlage der Matchwinner in Leverkusen. Denis Zakaria bekam gegen die Werkself mal eine Pause, denn er musste bislang immer spielen, weil im Mittelfeld Spieler verletzt waren – und was passiert? Christoph Kramer und Jonas Hofmann ersetzen ihn als gemeinsames Mittelfeldzentrum ebenfalls gut.

Die Gladbacher haben bereits jetzt die Gewissheit, auch in schwierigen Phasen Punkte holen zu können. Roses Team ist keines, das nur funktioniert, wenn alles in Ordnung ist. Es hat auch bereits Ergebnis-Rückschläge hinnehmen müssen, beispielsweise am vergangenen Mittwoch, als das 1:2 in Dortmund das Aus im DFB-Pokal bedeutete. Wer in Leverkusen wieder so zurückkommt, und mit großem Kampf das Spiel gewinnt, darf auch von der Meisterschaft träumen.