Bayer 04 Leverkusen: Nadiem Amiri könnte Löws 102. Debütant sein

Erste Berufung zur A-Nationalmannschaft : Bayers Amiri darf jetzt bei den „Großen“ spielen

Für Nadiem Amiri ist es keine neue Erfahrung, das Trikot mit dem Adler auf der Brust zu tragen. Er gehört bereits seit Jahren zu den Hoffnungsträgern des deutschen Fußballs – und steht nun vor seinem ersten Spiel mit der A-Nationalmannschaft.

Nadiem Amiris letzter Schritt Richtung Nationalmannschaft war kurios. Weil Joachim Löw nicht die Handynummer des offensiven Mittelfeldspielers hatte, erhielt er eine Nachricht von dessen Co-Trainer Marcus Sorg. „Er hat mir geschrieben, dass ich Jogi anrufen soll“, erzählte der 22-Jährige nach dem 1:1 gegen RB Leipzig am Samstag. Gesagt, getan. Als sich Spieler und Bundestrainer dann endlich gefunden hatten, teilte Löw dem Leverkusener mit, dass er Teil des Kaders für die Spiele gegen Argentinien am Mittwoch und Estland am Sonntag ist – seine erste Berufung in die A-Nationalmannschaft.

„Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht“, sagte Amiri. Überrascht sei er von der Nominierung aber nur bedingt gewesen. „Natürlich war es am Anfang der Saison schwer für mich. Nach Leverkusen zu kommen, war mein erster Wechsel im Profibereich und die Vorbereitung war wegen der U21-EM kurz.“ Doch inzwischen sei er angekommen bei Bayer 04 und habe auch schon gute Leistungen gezeigt. „Ich hatte schon nach der EM ein bisschen gehofft, dass ich eingeladen werde. Mein Glaube war immer da.“

Amiri ist seit der U18 fester Teil des DFB-Nachwuchses und absolvierte 51 Spiele in den verschiedenen Altersklassen. 2017 wurde er mit der U21 Europameister, 2019 endete die Reise mit der Mannschaft im Finale gegen Spanien, das 1:2 verloren ging. Doch Amiri zeigte auch bei dem Turnier in Italien/San Marino starke Leistungen und ließ so die Entscheidung der Verantwortlichen reifen, den gebürtigen Ludwigshafener zu verpflichten. Neun Millionen Euro flossen nach zähen Verhandlungen von Leverkusen nach Hoffenheim. Amiri erhielt einen Vertrag bis 2024. Nun ist er neben Jonathan Tah und Kai Havertz einer von drei Profis der Werkself im Kader der Nationalmannschaft. Kevin Volland, nach Scorerpunkten der beste deutsche Spieler des Kalenderjahres 2019, wurde indes erneut nicht berücksichtigt.

Sportgeschäftsführer Rudi Völler wollte sich dazu nicht dezidiert äußern, freute sich aber für das Trio aus Leverkusen. „Ich finde, das ist eine gute Quote für uns und jeder der Berufenen hat es sich verdient“, sagte der 59-Jährige. Die Causa Volland kommentierte er im Nebensatz mit : „Das ist halt so.“

Dass Amiri womöglich bereits gegen Argentinien oder Estland der 102. Debütant in Löws Amtszeit wird, ist trotz seiner langen Laufbahn durch die Auswahlmannschaften nicht selbstverständlich. Seine Eltern flüchteten in den 1980er Jahren im Zuge der sowjetischen Intervention aus Afghanistan und begannen ein neues Leben in Deutschland. Bis zu einem eventuellen Pflichtspiel für die A-Auswahl wäre Amiri aufgrund der Herkunft seiner Eltern auch für die Nationalmannschaft Afghanistans spielberechtigt, für die auch sein Cousin Zubayr Amiri aktiv ist. Doch das ist für ihn nur eine bestenfalls theoretische, weit entfernte Erwägung. „Ich habe nur gesagt, wenn ich irgendwann auf mein Karriereende zugehe und da immer noch nullkommanull Möglichkeiten sind, dass ich dann für mein Land spielen würde. Aber ich hoffe, dass jetzt mein Traum in Erfüllung geht und ich für Deutschland spiele.“

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