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Bayer 04 Leverkusen: Hannes Wolf nimmt Patrik Schick in Schutz

Formschwacher Angreifer : Hannes Wolf nimmt Patrik Schick in Schutz

Patrik Schick überzeugt nur selten im Trikot der Werkself. Das liegt auch an den nach wie vor hakenden Abläufen in der Offensive. Der Tscheche wirkt bisweilen verloren und reibt sich regelmäßig auf.

Julian Nagelsmann reihte sich gerne in die Riege der Gratulanten ein, die Bayer Leverkusen zum Transfer von Patrik Schick beglückwünschten. Im September 2020 spielte die Werkself 1:1 gegen RB Leipzig. Es war das Startelfdebüt des Tschechen – ausgerechnet gegen den Klub, an den er in der Vorsaison von der AS Rom ausgeliehen war. Nagelsmann wusste also genau, über wen und was er spricht.

„Er ist unglaublich gefährlich bei Standards, unglaublich kopfballstark bei Flanken aus dem Spiel heraus“, erklärte der 33-Jährige. Schick habe eine spezielle Schusstechnik und sei zudem sehr fleißig, arbeite defensiv viel mit und stelle sich stets in den Dienst der Mannschaft. „An ihm wird Leverkusen noch viel Freude haben“, war der künftige Trainer des FC Bayern überzeugt. Der 25-Jährige sei „eine Gefahr für die anderen Mannschaften“ und habe „Entwicklungsfelder, auf denen er noch deutlich besser werden kann – trotz seiner guten Qualität, die er schon hat.“

Rund acht Monate später bietet sich ein anderes Bild. Schick hat in 28 Ligaspielen neun Tore erzielt und eine Vorlage gegeben. Seit sechs Partien ist er ohne Treffer. Seine beste Phase im Leverkusener Trikot hatte er rund um den Jahreswechsel als ihm vier Tore in sechs Spielen gelangen. Seitdem ist er auf der Suche nach der Form, die den Verantwortlichen des Werksklubs 26,5 Millionen Euro Ablöse wert war.

Schick kam als Ersatz für den nach Monaco abgewanderten Kevin Volland zur Werkself. Seine Technik, seine Schnelligkeut und seine Kopfballstärke waren die schlagenden Argumente für den Transfer – und die Tatsache, dass der Tscheche ein mitspielender Torjäger mit guter Ballbehandlung ist. Dass er bei Bayer bislang nicht richtig in Fahrt kommt, ist auch seinem Verletzungspech geschuldet. Kurz nach seinem ersten Tor für Leverkusen beim 1:1 in Stuttgart zog er sich einen Muskelfaserriss zu und pausierte über einen Monat. In der Rückrunde plagten ihn immer wieder kleinere Blessuren.

„Man darf nach so einer Saison nicht unterschätzen, was die Jungs in den Füßen haben“, sagte Hannes Wolf nach dem 1:1 gegen Union Berlin am Samstag. Dass Schick seit Wochen bisweilen verloren in Bayers Offensive wirkt, erklärt der Interimstrainer auch mit der Dauerbelastung des Tschechen. „Patrik musste jetzt sehr viel spielen. Wir haben den Luxus, Lucas Alario zu haben, durch seine Verletzung leider verloren“, erklärte der 40-Jährige. Der Argentinier zog sich Ende April im Training eine Muskel-Sehnenverletzung im Oberschenkel zu und weilt zur Zeit in Argentinien, um womöglich doch noch rechtzeitig zur Copa América fit zu werden.

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Schick ging wegen der Personalnot im Sturm leicht angeschlagen in das Duell gegen Union, sagte Wolf. „Er hatte Knieprobleme, ein bisschen Patellarsehnenprobleme und hat sich durchgebissen. Man darf auch nicht die Abwehrspieler von Union Berlin unterschätzen. Ich kenne die Jungs schon lange. Da tut einfach jedes Duell weh.“ Das ist aber nur ein Teil der Erklärung, warum es bei Schick nicht läuft. „Im gesamten Ablauf nach vorne können wir mit Sicherheit noch etwas besser spielen“, betonte Wolf.

Das ist angesichts der jüngsten Ergebnisse freilich noch galant umschrieben. Abgesehen von dem 3:1-Sieg gegen Frankfurt kann die Werkself unter Wolfs Regie bislang nicht nachhaltig überzeugen. Der gebürtige Bochumer hat der Mannschaft mehr Stabilität verordnet, setzt auf Sicherheit, Kompaktheit und gut organisierte Defensivarbeit. Begeisterungsfähiger Offensivfußball, den nicht nur Leverkusener Fans, sondern auch die Entscheider im Verein eigentlich sehen wollen, bleibt weitgehend auf der Strecke. Immerhin: Das Mindestziel Platz sechs und damit den Einzug in die Europa League hat der Coach mit diesem Ansatz gesichert.

Einer der Leidtragenden der Flaute im Angriff ist indes Schick. Er arbeitet immer viel, ist läuferisch stark und versucht seine Mitspieler in Szene zu setzen. Aber er braucht auch gute Zuspiele, Flanken, flüssige Kombinationen mit seinen Teamkollegen. Spielerisch sind die Voraussetzungen im Kader dafür mit Sicherheit gegeben – und doch hakt es unübersehbar im Getriebe der Werkself.

So wird es bis zur nächsten Saison dauern, bis die Vorhersage von Nagelsmann doch noch wahr werden kann und Schick seinen Durchbruch als Torjäger in Leverkusen erlebt.