Bundesliga 19/20: Kein Sieger im Duell der Bayern-Jäger Leverkusen und Leipzig

1:1 zwischen Bayer und Leipzig : Kein Sieger im Duell der Bayern-Jäger

In einem phasenweise spektakulären Duell der Champions-League-Klubs muss sich die von Peter Bosz trainierte Werkself mit einem Remis gegen RB Leipzig begnügen. Die womöglich schwere Verletzung von Charles Aránguiz in der Schlussphase überschattet das Spiel.

RB Leipzig zu Gast bei der Werkself – das ist ein Bundesligaspiel, das auf Anhieb hohes Tempo, feine Technik und bedingungsloses Offensivspektakel verspricht. Und genau so kam es auch. Beide Teams gaben ein eindrucksvolles Plädoyer für Geschwindigkeit und Angriffslust ab. Das 1:1 (0:0) war über weite Strecken Werbung für die Bundesliga, die allerdings mit einem bösen Foul endete.

Bayers Trainer Peter Bosz nahm im Vergleich zur 0:3-Niederlage in Turin unter der Woche drei Veränderungen in seiner Startelf vor: Daley Sinkgraven ersetzte Wendell, Nationalspieler Nadiem Amiri kam für Kerem Demirbay und Karim Bellarabi begann für Lucas Alario. Kapitän Lars Bender, der sich beim Aufwärmen gegen Juventus eine Blessuer am Oberschenkelmuskel zuzog, wurde nicht rechtzeitig fit.

Die Partie begann so, wie es sich der geneigte Fußballfan vorstellt: ohne großes Abwarten und mit offenem Visier von beiden Seiten. Charles Aránguiz schickte mit einem Traumpass Amiri, der aber zu ungenau abschloss, um Leipzigs Keeper Peter Gulasci ernsthaft zu fordern. Sein Gegenüber Lukas Hradecky hatte mit dem Schuss des frei vor ihm auftauchenden Matheus Cunha deutlich mehr Mühe, parierte aber stark (8.).

Leipzig zog sein fehlerprovozierendes, hohes Pressing durch, Bayer versuchte mit gepflegten Ballbesitz- und Passspiel dagegen zu halten. Kevin Volland hatte die nächste Großchance der Partie auf dem Fuß, allerdings ließ er sich den Ball in letzter Sekunde wegspitzeln (12.). So ging es munter hin und her. Verschnaufpausen? Fehlanzeige.

Timo Werner war der nächste, der auf Hradecky zustürmte, doch erneut reagierte Bayers Nummer eins glänzend (15.). Sven Bender versuchte es anschließend nach Amiri-Flanke mit dem Kopf, doch der Versuch landete über dem Querbalken (20.). Leverkusen machte das Spiel und kombinierte sich teils gefällig nach vorne, Leipzig setzte vorwiegend auf gnadenloses Umschaltspiel im Hochgeschwindigkeitsmodus. Das war auch ohne Treffer sehenswert.

RB-Coach Julian Nagelsmann tigerte indes mit Blick auf die zunehmend stärker werdenden Gastgeber nervös an der Seitenlinie auf und ab. Er sah aber zunächst nur einen schwachen Kopfball von Volland (24.) sowie einen völlig missratenen Schussversuch von Werner, der eigentlich frei vor dem Tor abschließen konnte (26.). Der nächste Aufreger ließ nicht lange auf sich warten: Cunha versuchte es gegen den weit vor seinem Kasten stehenden Hradecky mit einem ebenso dreisten wie genialen Heber aus rund 23 Metern, der von oben auf die Latte tropfte – Glück für Leverkusen (29.).

Unvermindert ging das Chancenfeuerwerk weiter, hatte aber weder durch Marcel Halstenberg (31.) noch Volland (33.) noch Marcel Sabitzer zählbare Folgen, der stark von Werner bedient wurde, den Ball aber zum Entsetzen aller Leipziger im Stadion aus wenigen Metern am Tor vorbeilegte (34.). Bis zur Pause pendelte sich die rasante Partie dann auf ein bundesligaübliches Tempo ein. So ging es statt mit einem ohne Weiteres denkbaren 2:3 mit einem torlosen Remis in die Halbzeit.

Dass es in dieser hohen Taktzahl nicht ewig so weitergehen konnte, war logisch. So begannen die zweiten 45 Minuten etwas verhaltener als die ersten – und auch die klaren Torchancen wurden seltener. Bayer blieb aber besser im Rhythmus und ging folgerichtig durch Kevin Volland in Führung. Charles Aránuiz hatte den stärksten deutschen Angreifer des Kalenderahres 2019 von der rechten Grundlinie mit beinahe chirurgischer Präzision bedient. Der 27-Jährige grätschte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie und damit Bayer zumindest vorübergehend an die Tabellenspitze (66).

Die Fans der Werkself quittierten die Führung postwendend mit fröhlichen Meisterschaftsgesängen. Mitten rein in die rheinische Glückseligkeit fiel jedoch Leipzigs Ausgleichstreffer durch Christopher Nkunku, der technisch versiert den Ball hochhaltend durch Bayers Defensive jonglierte und auch Hradecky alt aussehen ließ (78.) – ein Kandidat für das „Tor des Monats“ und der würdige Abschluss eines sehenswerten Spiels, das letztlich mit einem gerechten Ergebnis endete – trotz Volland Großchance kurz vor dem Abpfiff.

Bitter für Leverkusen: Charles Aránguiz verletzte sich in der Schlussphase offenbar schwer bei einem Schussversuch, bei dem Nkuku seinen Fuß reinhielt und den voll ausholenden Chilenen böse erwischte. Wie lange der nach minutenlanger Behandlung per Trage vom Feld beförderte Leistungsträger ausfallen wird, ist ungewiss.

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