Afghanistan: Aktuelle News und Infos zum Land am Hindukusch

Afghanistan: Aktuelle News und Infos zum Land am Hindukusch

Foto: pixabay

Afghanistan

Wo liegt Afghanistan? 

Was ist die Hauptstadt von Afghanistan? 

Ist Afghanistan ein Entwicklungsland? 

Was für Bodenschätze gibt es in Afghanistan? 

Erreger von Kinderlähmung im Abwasser des Gazastreifen gefunden
Erreger von Kinderlähmung im Abwasser des Gazastreifen gefunden

Ansteckend und teils tödlichErreger von Kinderlähmung im Abwasser des Gazastreifen gefunden

Israel und Palästina sind sich einig: Im Gazastreifen kursieren Polio-Viren. Das Gesundheitsministerium in Gaza fordert einen Kampfstopp, um sauberes Wasser zu beschaffen. Israel hingegen will nur Gefahr für das eigene Land abwenden.

Debatte über Programm für besonders gefährdete Afghanen geht weiter
Debatte über Programm für besonders gefährdete Afghanen geht weiter

Nach Machtübernahme der TalibanDebatte über Programm für besonders gefährdete Afghanen geht weiter

Etwa 540 besonders gefährdete Afghaninnen und Afghanen sind bisher über ein spezielles Programm nach Deutschland gekommen. Angesichts des Spardrucks für die Ampel ist dessen Zukunft weiterhin offen.

Anhaltend viele minderjährige Geflüchtete
Anhaltend viele minderjährige Geflüchtete

Integration in RemscheidAnhaltend viele minderjährige Geflüchtete

Nach wie vor muss die Stadt auf Brückenlösungen zurückgreifen, um junge Menschen mit Fluchtgeschichte unterzubringen. Die Zahl der Jugendlichen aus Syrien und Afghanistan ist gleichbleibend hoch.

Moralpolizei der Taliban verbreitet Angst und Schrecken
Moralpolizei der Taliban verbreitet Angst und Schrecken

Leben in AfghanistanMoralpolizei der Taliban verbreitet Angst und Schrecken

Willkürliche Festnahmen, Drohungen und Gewaltanwendungen: Unter der Moralpolizei herrscht in Afghanistan ein Klima der Angst, wie die UN-Mission berichtet. Das zuständige Ministerium der Taliban reagiert prompt auf die Vorwürfe.

Auftragskiller sollen deutschen Bauern getötet haben
Auftragskiller sollen deutschen Bauern getötet haben

Tödliche Folter in Holland bei KevelaerAuftragskiller sollen deutschen Bauern getötet haben

Um eine angebliche Schuld einzutreiben, setzt ein Geschäftsmann Kriminelle auf einen deutschen Landwirt in Holland an. Diese sollen den 53-Jährigen zu Tode gefoltert haben. Jetzt beginnt der Prozess.

„Auch Soldaten aus dem Kreis Kleve haben in Auslandseinsätzen gedient“
„Auch Soldaten aus dem Kreis Kleve haben in Auslandseinsätzen gedient“

Initiative für Ehrentag„Auch Soldaten aus dem Kreis Kleve haben in Auslandseinsätzen gedient“

Der Bundestag hat im April die Einführung eines Veteranentages beschlossen. Der soll ab kommendem Jahr auch im Kreis Kleve stattfinden, fordert nun die FDP. Dafür braucht es ein Konzept.

Bundestag gibt grünes Licht für U-Ausschuss zu Atomausstieg
Bundestag gibt grünes Licht für U-Ausschuss zu Atomausstieg

Habeck und Lemke im FokusBundestag gibt grünes Licht für U-Ausschuss zu Atomausstieg

Die Unionsfraktion hat ihn verlangt, nun ist die Einsetzung offiziell abgesegnet: Der Untersuchungsausschuss zu den Fragen rund um den deutschen Atomausstieg kann mit der Arbeit beginnen.

Mann mit Messer in Flüchtlingsunterkunft in Krefeld getötet
Mann mit Messer in Flüchtlingsunterkunft in Krefeld getötet

Haftbefehl erlassenMann mit Messer in Flüchtlingsunterkunft in Krefeld getötet

Update · Ein 28-jähriger Mann soll einen gleichaltrigen Mitbewohner erstochen haben. Die Tat ereignete sich in der Kommunalen Unterbringungseinrichtung an der Westparkstraße. Die Mitarbeiter werden seelsorgerisch betreut.

Ulrich Grebs letzte Spielzeit in Moers bricht an
Ulrich Grebs letzte Spielzeit in Moers bricht an

Schlosstheater 2024/2025 – die PremierenUlrich Grebs letzte Spielzeit in Moers bricht an

Der Intendant des Schlosstheaters stellt die Theatersaison 2024/2025 unter das Motto „Komplexität“. 2025 verabschiedet sich Ulrich Greb aus Moers. Das Theater besteht dann seit 50 Jahren. Das wird mit alten Weggefährten drei Tage im Mai groß gefeiert.

Bürgermeister von Bad Oeynhausen nennt Stimmung „aggressiv und aufgeheizt“
Bürgermeister von Bad Oeynhausen nennt Stimmung „aggressiv und aufgeheizt“

Nach tödlichem AngriffBürgermeister von Bad Oeynhausen nennt Stimmung „aggressiv und aufgeheizt“

Der tödliche Angriff auf einen Mann in Bad Oeynhausen hat die Debatte um migrantische Straftäter neu entfacht. Der Bürgermeister der Stadt spricht von einer politischen Instrumentalisierung. Derweil laufen die Ermittlungen auch am Wochenende weiter.

Messerangreifer von Mannheim nun im Gefängnis
Messerangreifer von Mannheim nun im Gefängnis

Polizisten tödlich verletztMesserangreifer von Mannheim nun im Gefängnis

Der 25-jährige Afghane, der in Mannheim einen Polizisten mit einem Messer tödlich verletzt hat, ist vom Krankenhaus ins Gefängnis verlegt worden. Wo genau er einsitzt, ist nicht bekannt.

„Es gibt gute Gründe, dass kein europäisches Land nach Afghanistan abschiebt“
„Es gibt gute Gründe, dass kein europäisches Land nach Afghanistan abschiebt“

NRW-Flüchtlingsministerin Josefine Paul„Es gibt gute Gründe, dass kein europäisches Land nach Afghanistan abschiebt“

Interview · Die 50-Euro-Bargeldgrenze bei der Bezahlkarte für Geflüchtete sieht Josefine Paul skeptisch. Die Familien- und Integrationsministerin in NRW spricht über gesteuerte Migration und wie sie die Personalnot in Kitas lindern will.

Ärger für Annalena Baerbock – falsche Visa für Afghanen
Ärger für Annalena Baerbock – falsche Visa für Afghanen

Auswärtiges AmtÄrger für Annalena Baerbock – falsche Visa für Afghanen

Haben Baerbock-Mitarbeiter aus dem Auswärtigen Amt bei der illegalen Einreise von Afghanen nach Deutschland die Augen zugedrückt? Jetzt ermitteln die Staatsanwaltschaften Berlin und Cottbus. Das Auswärtige Amt spricht von einem einem Fehler, der so nicht hätte passieren dürfen.

Auswärtiges Amt weist Vorwürfe zurück – weniger als zwei Dutzend Fälle
Auswärtiges Amt weist Vorwürfe zurück – weniger als zwei Dutzend Fälle

Visa-ErmittlungenAuswärtiges Amt weist Vorwürfe zurück – weniger als zwei Dutzend Fälle

Zwei Staatsanwaltschaften ermitteln gegen Mitarbeiter des Auswärtigen Amts und gegen nach Deutschland eingereiste Afghanen. Es geht um angeblich falsche Papiere. Das Dokumententhema ist kompliziert.

Ein prominenter Zeuge mit „diffuser Erinnerung“
Ein prominenter Zeuge mit „diffuser Erinnerung“

Afghanistan-Untersuchungsausschuss im BundestagEin prominenter Zeuge mit „diffuser Erinnerung“

Seit Sommer 2022 befasst sich im Bundestag ein Untersuchungsausschuss mit dem überstürzten deutschen Abzug aus Afghanistan. Es geht darum, herauszuarbeiten, was damals schiefgelaufen ist. Doch der Kanzler-Berater und hochrangige Diplomat Jens Plötner hat Erinnerungslücken.

Australischer Premier freut sich über Heimkehr von Julian Assange
Australischer Premier freut sich über Heimkehr von Julian Assange

Wikileaks-GründerAustralischer Premier freut sich über Heimkehr von Julian Assange

Jahrelang hat sich Australiens Premier Anthony Albanese für eine Freilassung von Julian Assange eingesetzt - mit Erfolg. Aber die Arbeit sei komplex gewesen, sagt er.

Julian Assange ist ein freier Mann
Julian Assange ist ein freier Mann

Spionageprozess gegen Wikileaks-GründerJulian Assange ist ein freier Mann

Update · Nach einem US-Gerichtsverfahren auf einer entlegenen Pazifik-Insel ist Julian Assange frei. Dort hatte sich der Wikileaks-Gründer in einem Punkt schuldig bekannt – und geäußert.

Faeser will erleichterte Abschiebungen bei Verherrlichung von Terror
Faeser will erleichterte Abschiebungen bei Verherrlichung von Terror

HasskommentareFaeser will erleichterte Abschiebungen bei Verherrlichung von Terror

Schon ein einzelner Hasskommentar soll reichen: Die Bundesregierung will ein härteres Vorgehen gegen Ausländer ermöglichen, die Terrortaten gutheißen. Ein Auslöser ist der Messerangriff von Mannheim.

Action Medeor hat 1,6 Millionen Menschen in Not geholfen
Action Medeor hat 1,6 Millionen Menschen in Not geholfen

Hilfswerk aus TönisvorstAction Medeor hat 1,6 Millionen Menschen in Not geholfen

Bei der Mitgliederversammlung des Vorster Hilfswerks stand neben den Zahlen des vergangenen Jahres ein Rückblick auf die 60 Jahre seit der Gründung im Vordergrund.

Das Frauencafé in Kleve ist umgezogen
Das Frauencafé in Kleve ist umgezogen

Mit neuen AngebotenDas Frauencafé in Kleve ist umgezogen

Das Café wurde 2015 im Zuge der ersten Flüchtlingswelle von Maria Schneider-Bless gegründet. Nun ist es an neuer Stelle zu finden. Auch neue Angebote kommen nun dazu.

Stundenlange Beratungen zur Migration – weiter offene Fragen
Stundenlange Beratungen zur Migration – weiter offene Fragen

MinisterpräsidentenkonferenzStundenlange Beratungen zur Migration – weiter offene Fragen

Über viele Stunden berieten Kanzler Olaf Scholz und die Länderchefs, im Zentrum stand die Migration. Die strittige Frage nach Asylverfahren in Drittstaaten bleibt weiter offen. Nun soll weiter geprüft werden.

Vier von fünf Menschen fordern mehr Einsatz für den Klimaschutz
Vier von fünf Menschen fordern mehr Einsatz für den Klimaschutz

Weltweite UN-UmfrageVier von fünf Menschen fordern mehr Einsatz für den Klimaschutz

In vielen Ländern kritisieren Menschen einen aus ihrer Sicht zu zögerlichen Kampf gegen den Klimawandel. Dies dokumentiert nun auch eine Umfrage der Vereinten Nationen.

Flucht vor der Flucht
Flucht vor der Flucht

Bund und LänderFlucht vor der Flucht

Meinung · Bund und Länder suchen eine Lösung, wie Deutschland künftig mit (illegaler) Migration umgehen soll. Ob Asylverfahren künftig auch in Drittstaaten verlagert werden können, ist ebenso offen wie strittig. Deutschland kann aber auch so der Migration nicht entkommen, weil Armut und Not starke Treiber bleiben.

Was ist die Amtssprache von Afghanistan?

 In Afghanistan werden über 49 Sprachen und über 200 Dialekte gesprochen. Zwei davon sind offizielle Amtssprachen: Paschto und Dari. Paschto beziehungsweise die paschtunische Sprache wird umgangssprachlich auch als Afghanisch bezeichnet. Sowohl Dari als auch Paschto zählen zur indogermanischen Sprachfamilie. 

Paschto wird neben Afghanistan auch in Teilen Pakistans gesprochen. Sie ist seit 1936 offiziell eine der zwei Amtssprachen und wird von knapp 40 Prozent der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen. Der Text der afghanischen Nationalhymne wird in Paschto gesungen. 

Dari ist die offizielle afghanische Bezeichnung der persischen Sprache. Die Sprache hat eine lange Geschichte im Land und der Region und wird vor allem in der Region um Kabul gesprochen. Bereits seit dem Mittelalter war Persisch die dominierende Kultursprache. Seit der Gründung Afghanistans wird die persische Schrift als Amts- und Verwaltungssprache verwendet. 

Im Land wird Dari hauptsächlich von den Tadschiken und den Hazara gesprochen – diese machen etwa 35 bis 45 Prozent des Landes aus. Dari unterscheidet sich von der Sprache Farsi – die im Nachbarland Iran gesprochen wird - vor allem durch die Aussprache, Betonung und die Struktur der Silben. Diese Amtssprache ist außerdem die gemeinsame Sprache für verschiedene Minderheiten und Bevölkerungsgruppen, deren Muttersprache weder Dari noch Paschto ist. 

Wie viele Einwohner hat Afghanistan?

Afghanistan zählt knapp 29 Millionen Einwohner (Stand: 2020). Das Land umfasst eine Fläche, die etwa doppelt so groß wie Deutschland ist. In den letzten 20 Jahren hat sich die Einwohnerzahl des Landes nahezu verdoppelt. Um 2000 zählte das Land noch knapp über 20 Millionen Einwohner, 2020 bereits über 39,9 Millionen. 

Das Bevölkerungswachstum der letzten 20 Jahre ist jedoch nicht nur auf eine höhere Geburtenrate zurückzuführen, sondern auch durch den Rückzug afghanischer Kriegsflüchtlinge aus den Nachbarländern. Durch die Machtübernahme der Taliban 2021 wird erwartet, dass die Einwohnerzahl nicht mehr so stark steigen wird beziehungsweise durch die Flucht der Menschen wieder sinkt. 

Was isst man in Afghanistan? 

Das afghanische Nationalgericht ist Qabuli Palau, ein Reisgericht mit Lammfleisch, Karotten, Rosinen und Gewürzen. Lammfleisch ist die beliebteste Fleischsorte. Es werden auch Gerichte mit Ziegenfleisch, Rindfleisch, Kamelfleisch und Geflügel zubereitet. Schweine werden nicht verzehrt, da sie im Islam als unreine Tiere gelten. 

Neben Qabuli Palau ist Aushak ein weiteres beliebtes Gericht. Es handelt sich um Nudelknödel, die mit Schnittlauch und Tomatensoße gefüllt und mit Yoghurt und Gewürzen garniert werden. Genau wie für Qabuli Palau nimmt die Zubereitung von Aushak viel Zeit in Anspruch und wird vor allem bei besonderen Festlichkeiten serviert. 

Häufiger Bestandteil afghanischer Gerichte ist Fladenbrot, welches eines der Grundnahrungsmittel darstellt. Ein weiteres Grundnahrungsmittel ist Reis, aus dem verschiedene Palaugerichte zubereitet werden. Auch Yoghurt und Milch spielen in der afghanischen Küche eine wichtige Rolle. Gewürze wie Kardamom, Garam Masala, Dill, Minze, Kreuzkümmel und Koriander kommen häufig zum Einsatz. 

Beeinflusst wurde die afghanische Küche von der Küche der Region. Unter anderem bestehen Ähnlichkeiten zu Gerichten in den Nachbarländern Indien und Pakistan, der persischen Region und der türkischen Küche. Unterschiede in der Esstradition bestehen auch zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen innerhalb Afghanistans. 

Das sind die bekanntesten afghanischen Gerichte: 

 Wieso ist Krieg in Afghanistan? 

Afghanistan muss auf viele Jahre der Konflikte zurückblicken. Die Lage in Afghanistan ist seit 1973 instabil – also seit über 40 Jahren. Zwischen 1979 und 1989 intervenierte die UdSSR in der Politik des Landes. Die Besatzung der Sowjetunion führte zu Widerständen.

Unterstützt wurden die Widerstände, die von islamistischen Gruppen dominiert waren, von den USA mit der Lieferung von Waffen und finanziellen Mitteln. Durch diese Strategie sollte die UdSSR gegenüber den USA geschwächt werden. Konflikte waren blutig und forderten viele Menschenleben. 

Gegen Ende der 1980er-Jahre bereitete die Sowjetunion unter Michail Gorbatschow den Abzug aus Afghanistan vor. Dieser Abzug wurde bis zum Februar 1989 vollzogen. Frieden im Land entstand dadurch jedoch nicht. 

Im Anschluss kam es zu einem Bürgerkrieg im Land, der über ein Jahrzehnt andauerte. Zwischen 1992 und 1996 starben über 50.000 Menschen allein in Kabul durch Gefechte und Anschläge – südliche Teile der Hauptstadt wurden vollständig zerstört. 

Die Taliban trat ab 1994 zum erstem Mal militärisch in Erscheinung und übernahm nach und nach die Kontrolle über das Land. Seit 1996 kontrollierte die islamistische Terrororganisation die Hauptstadt Kabul. Sie regierten das Land geleitet durch strikte Interpretationen der Scharia, der islamischen Gesetzgebung. Dabei unterdrückten die Taliban vor allem die Rechte von Frauen, die sich strengen Regeln unterordnen mussten. 

Im Westen interessierte man sich wenig für die Konflikte im Land. Erst als der Terrorist Osama Bin Laden mit der von ihm geleiteten Al-Qaida-Organisation Einfluss auf Afghanistan ausübte, rückte Afghanistan in den Fokus des Westens. 

Als Reaktion auf die US-Terroranschläge vom 11. September 2001 intervenierte die USA in Afghanistan und stürzte die von der Taliban geführte Regierung. Die Taliban hatten sich im Vorfeld geweigert, sich gegen die al-Qaida zu stellen und unterstütze Osama bin Laden und seine Anhänger. 

Seit Oktober 2001 wurden neben dem US-Militär auch NATO-Truppen in Afghanistan stationiert. Auch Bundeswehrsoldaten waren in Afghanistan stationiert. Das Ziel war es, in Afghanistan einen demokratischen Rechtsstaat aufzubauen. Eine neue Verfassung wurde ausgearbeitet. 

Die Taliban verschwand jedoch nicht: Kämpfe um die Kontrolle von Gebieten Afghanistans wurden fortgeführt. In 2003 gelang den Taliban, sich in Pakistan erneut zu formieren. In einigen Gebieten behielten die Taliban die Oberhand. Das Land und die neue Regierung waren weiterhin gespalten. Eine vollkommene Stabilität wurde nie erreicht. 

Nach dem Abzug der NATO-Streitkräfte im Juli 2021 konnten die Taliban innerhalb von nur vier Wochen die afghanische Regierung in Kabul stürzen und die Kontrolle über das Land erlangen. Die von der NATO ausgebildete Regierungstruppe überließ den Taliban oft kampflos das Feld. Am 15. August 2021 nahmen die Taliban die Hauptstadt Kabul ein. Seit dem 6. September 2021 kontrolliert die islamistische Terrororganisation das gesamte Land. 

Wieso sind die Truppen aus Afghanistan abgezogen? 

20 Jahre lang war Afghanistan von NATO-Streitkräften besetzt. Ziel war es, einen demokratischen Rechtsstaat nach westlichem Vorbild zu etablieren. Mit der steigenden Dauer der Auslandseinsätze sank die öffentliche Unterstützung für den Krieg in Afghanistan vor allen in den USA.  

Seit der US-Präsidentschaft von Barrack Obama wurde nach Wegen gesucht, die ausländischen Truppen in Afghanistan abzuziehen. Die westlichen Streitkräfte bildeten afghanische Streitkräfte aus, sie sich in Zukunft auch ohne ausländische Truppen gegen die Taliban zur Wehr setzen sollten.  

2020 verkündete US-Präsident Donald Trump den Abzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan. Sein Nachfolger US-Präsident Joe Biden hielt an diesem Plan fest. So beschloss die NATO, dass die ausländischen Streitkräfte bis zum 16. Juli 2021 aus Afghanistan abziehen sollten.  

Der Abzug deutscher Soldaten und Soldatinnen begann im Mai 2021 und war am 16. Juli 2021 abgeschlossen. Die letzten US-Streitkräfte verließen am 30. August 2021 das Land. Innerhalb von vier Wochen nach dem Abzug der NATO-Streitkräfte brachten die Taliban die Hauptstadt Kabul unter ihre Kontrolle und stürzte die dortige Regierung. 

Was dürfen Frauen in Afghanistan nicht? 

Laut einem Ranking des statistischen Bundesamtes gehörte Afghanistan bereits 2018 zu einem der 10 gefährlichsten Länder für Frauen. Nach der erneuten Machtübernahme der Taliban fürchten Frauenrechtlerinnen schlimme Zeiten für Frauen und Mädchen. Es wird befürchtet, dass ihre Freiheit stark eingeschränkt wird. 

Während der letzten Talibanregierung zwischen 1996 und 20021 durften Frauen und Mädchen das Haus nicht ohne die männliche Begleitung eines Familienmitgliedes verlassen. Die Mobilität von Frauen wurde stark eingeschränkt – es war ihnen nicht erlaubt zu fahren oder ein Taxi zu benutzen.  

In der Öffentlichkeit galt eine strenge Kleidungsordnung für Frauen: Das Tragen einer Burka war Pflicht, Stöckelschuhe verboten. Farbenfrohe Kleidung, jegliche modische Kleidung und Nagellack wurden unter der islamischen Scharia ebenfalls verboten.  

Frauen und Mädchen wurden aus dem öffentlichen Leben größtenteils ausgeschlossen. Sie durften nicht laut sprechen, sich nicht auf dem eigenen Balkon oder der Terrasse aufhalten und es wurde verboten, Frauen im Fernseher, auf Magazinen und Büchern zu zeigen.  

Befand sich die Wohnung im Erdgeschoss, sollten die Fenster abgeschirmt werden – kein Mann sollte so eine nicht verschleierte Frau sehen können. Ab dem Alter von acht Jahren war es Mädchen verboten, mit nicht verwandten Jungen oder Männern zu sprechen. 

Einer Arbeit nachgehen oder den Bus besteigen durften Frauen nur, wenn diese Orte nach Geschlechtern getrennt waren. Mädchen wurde der Schulbesuch untersagt, wenn es sich um eine gemischte Schule handelte. Zur Schule gehen durften Mädchen ohnehin nur bis zum Ende der Grundschule. Von höherer Bildung waren Mädchen und Frauen ausgeschlossen. 

Immer wieder kam es zu Menschenrechtsverletzungen für Missachtungen der Scharia der Taliban - Finger wurden aufgrund von Nagellack abgeschnitten, Peitschenhiebe gab es für Verstöße gegen die Kleiderordnung. Für die Flucht oder Ermordung von gewalttätigen männlichen Familienmitgliedern drohten Verstümmelungen oder Hinrichtungen. 

Unter der neuen Regierung unter NATO-Einfluss verbesserte sich die Lage der Frauen ein wenig. Doch patriarchale Strukturen und religiöser Fundamentalismus waren auch unter der neuen Regierung verbreitet. Die Bildungsquote für Frauen war vor allem auf dem Land weiterhin gering, die Analphabetenrate hoch. 

Um den Verlust der in den vergangenen Jahren erkämpften Erfolge sorgen sich nun Frauenrechtlerinnen. Im August 2021 hatten die Anführer der Taliban noch versprochen, dass Frauen weiterhin ein Recht auf Bildung und Arbeit haben sollen – im Einklang mit den Regeln des Islam. „Unsere Schwestern, unsere Männer haben die gleichen Rechte“ sagte der Sprecher Zabiullah Mujahid.  

Ein Versprechen, dem vor allem Frauen kaum Glauben schenken. Die Entwicklungen nach der Machtübernahme der Taliban lassen einen anderen Weg vermuten. Seit August 2021 kam es immer wieder zu Einschränkungen für Frauen und Mädchen. Bisher sind Frauen noch an den Unis zugelassen, der Unterricht wird jedoch strikt nach Geschlechtern getrennt. Lehrerinnen wurde verboten, an Schulen zu unterrichten. 

Im Oktober 2021 wurden Mädchen ab 12 Jahren vom Schulunterricht ausgeschlossen. Laut der Taliban soll zunächst eine nach islamischen Regeln angemessene Atmosphäre geschafft werden. Wann Mädchen wieder zur Schule dürfen, ist nicht bekannt. 

Einige Regeln aus den 1990ern wurden bereits neu eingeführt: Frauen dürfen keinen Sport mehr treiben und nicht mehr ohne männliche Begleitung das Haus verlassen. Das „Frauenministerium“ wurde in das „Ministerium der Laster und Tugend“ umbenannt. In der Regierung der Taliban arbeitet keine einzige Frau. 

Im September 2021 protestierten Frauen noch gegen die bevorstehende Unterdrückung – dann gingen Talibankämpfer gewaltsam gegen die Proteste vor. Frauen, die vorher eine höhere Bildung genossen hatten und im Berufsleben standen, leben nun in Angst (Stand: Oktober 2021).

 Taliban versprechen Familien von Selbstmordattentätern Geld und Land.