Bayer 04 Leverkusen: Torhüter Lukas Hradecky zwischen „Idiot“ und Held

Bester Mann gegen Leipzig : Hradecky ist wieder mehr Held als „Idiot“

Bayers Schlussmann Lukas Hradecky bekommt beim 1:1 gegen RB Leipzig mehr als nur eine Gelegenheit, sich auszuzeichnen – und nutzt sie. Er sei immer froh, wenn er seiner Mannschaft helfen könne, betont er.

Über Arbeitsmangel konnte sich Lukas Hradecky gegen RB Leipzig nicht beschweren. Ohne ihn hätte es zur Halbzeit auch 0:3 aus Sicht der Werkself stehen können, doch Bayers Nummer eins verunsicherte die gegnerischen Angreifer mit starken Paraden so sehr, dass sogar Timo Werner die Nerven flatterten. Als der zuvor bereits mehrfach gescheiterte Nationalspieler erneut frei auf Hradecky zurannte, setzte er den Ball geradezu kläglich weit am Tor vorbei. Auch Psychologie spielt in der Kunst des Toreverhinderns freilich eine große Rolle.

„Das ist die schönere Seite am Torwartspiel“, sagte der 29-Jährige. „Vor zwei Wochen war ich gegen Moskau noch der Idiot, der einen schlechten Pass gespielt hat, und jetzt konnte ich der Mannschaft wenigstens ein bisschen helfen“, sagte der beste Leverkusener beim 1:1 (0:0) im Topspiel gegen Leipzig. Für einen „traumhaften“ Abend hätte eigentlich nur eine Sache gefehlt, sagte der Keeper: „Es ist schade, dass wir die letzte Chance nicht reinmachen. Aber das wäre vielleicht auch zu viel des Guten gewesen.“

Gemeint ist die Szene von Kevin Volland, der kurz vor dem Abpfiff eines extrem unterhaltsamen Bundesligaspiels den Siegtreffer auf seinem (schwächeren) rechten Fuß hatte. Drei Punkte gegen Leipzig und die damit einhergehende Tabellenführung wären aber nicht wirklich verdient gewesen. Dafür war die Werkself vor allem in den ersten 45 Minuten zu konteranfällig. „Ich glaube, da hatte unser Trainer oft zu hohen Puls“, sagte Hradecky. „Wir haben dann in der Halbzeit umgestellt. Es war zu gefährlich, wie wir gespielt haben.“

In der Tat hat Bayer nach dem Wiederanpfiff rund 20 Meter tiefer verteidigt und zog Leipzig so seine schärfsten Krallen. Die Gäste schalteten bis dahin nach ihren zahlreichen Balleroberungen im Zentrum mit viel Tempo um und spielten schnelle Bälle hinter die Abwehrreihe, wo nicht nur Timo Werner seine enorme Geschwindigkeit ausspielen konnte. Nach der Pause bot sich ein anderes Bild.

„Das erste Mal, seit ich hier bin, haben wir defensiver gespielt“, sagte Trainer Peter Bosz, der mit der ersten Halbzeit seiner Mannschaft überhaupt nicht einverstanden war. „Die Abstände haben nicht gestimmt. Wenn die zu groß sind, kommt man immer zu spät“, monierte der Niederländer. Wenn man wie Bayer immer Druck nach vorne machen wolle und hoch verteidige, sei es unabdingbar, die Abstände zu Gegenspielern so klein wie möglich zu halten. „Leipzig hat das Zentrum überladen, konnte die zweiten Bälle erobern und direkt hinter die Kette spielen. Das ist sehr schwierig zu verteidigen“, erklärte der 55-Jährige die Aneinanderreihung der Leipziger Chancen im ersten Durchgang.

Unter anderem daran wird der Coach in Zukunft arbeiten, doch die personellen Folgen des Leipzig-Spiels erleichtern seine Arbeit nicht. Bayer muss in den kommenden Wochen auf Charles Aránguiz (Haarriss im rechten Mittelfuß sowie einen Muskelfaserriss im Oberschenkel) sowie Daley Sinkgraven (Muskel-Sehnenverletzung im Oberschenkel) verzichten. Zudem steht ihm in der nun beginnenden Länderspielpause nur ein Rumpfkader zur Verfügung.

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