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Hänsel und Gretel in Xanten: Kinder proben für Märchenkonzert im Kurpark

„Hänsel und Gretel“ im Xanten : Kinder proben für Märchenkonzert im Kurpark

Am Sonntag wird „Hänsel und Gretel“ im Xantener Kurpark aufgeführt. Elf Mädchen und Jungen werden die Geschichte darstellen. Die Proben laufen. „Das war schon eine Herausforderung“, sagt Dörte Dreher-Peiß, Vorsitzende vom Verein Kubidia.

„Hänsel, soll ich dich schon mal schlagen?“, fragt Aeshah Tuama und klopft sich mit einem Zweig auf die Handinnenfläche. Sie ist elf Jahre alt, kommt aus dem Irak und spielt die Mutter im Grimm’schen Märchen „Hänsel und Gretel“. Isomedin Safarov nimmt es gelassen: „Keine Sorge, sie schlägt nicht richtig“, sagt der Zwölfjährige. „Gleich zieht sie mich noch am Ohr, aber das tut nicht weh.“

Isomedin ist vor einigen Jahren mit seinen Eltern und den zwei Brüdern aus Tadschikistan nach Deutschland gekommen. Er ist einer der elf Darsteller in der Oper „Hänsel und Gretel“, die Engelbert Humperdinck komponiert hat und die am Sonntag, 29. August, um 18 Uhr im Xantener Kurpark hinter der Kriemhildmühle aufgeführt wird. Es spielen junge Bläser unter anderem von der Musikhochschule Köln. Xantener Kinder zwischen fünf und 17 Jahren, die meisten mit Fluchterfahrungen, stellen das Märchen zur Musik pantomimisch dar. Als Sprecher fungiert mit Professor Josef Protschka ein Opernsänger.

Er habe unbedingt eine Hauptrolle spielen wollen, erzählt „Hänsel“ Isomedin und zupft an seiner Weste, die Gisela Schulte-Lindhorst genäht hat. So wie sie in ihrer Freizeit und ehrenamtlich die Kostüme für alle kleinen Schauspieler geschneidert hat. Gisela Schulte-Lindhorst ist Schriftführerin von „Kubidia“ – die Abkürzung steht für „Kulturen und Bildung im Dialog“. Neun Frauen und Männer gehören der Gruppe an, die sich 2016 zusammengefunden hatte, um bei einem Fest für die Bewohner am 16. Dezember 2016 im ehemaligen, zuletzt als Flüchtlingsunterkunft genutzten Förderzentrum ein Theaterstück mit den dort lebenden Flüchtlingskindern aufzuführen. In drei Sprachen. „Frederic“ hieß die Mausgeschichte, Mehdi Pour-Bakhsh hatte sie mit den Kindern einstudiert.

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Der 37-Jährige führt auch bei „Hänsel und Gretel“ Regie. Er ist Schauspieler, 2012 aus dem Iran geflüchtet. In einer Ersteinrichtung der Caritas in Moers, die Dörte Dreher-Peiß damals geleitet hat, fand Mehdi Pour-Bakhsh seine erste Anstellung in Deutschland. Er engagiert sich im Vorstand von Kubidia, hat zwischenzeitlich in Köln studiert und sich in einer Bachelor-Arbeit mit dem Thema „Theater und Integration“ auseinandergesetzt. Zwei Monate lang ist er vier bis fünf Mal in der Woche von Rees, wo er beim Sozialdienst der Malteser arbeitet, nach Xanten gefahren, um mit den Kindern für „Hänsel und Gretel“ zu proben. Jonny Casselly junior hatte dafür sein Zirkuszelt auf seinem Gelände im Küvenkamp zur Verfügung gestellt.

„Ich muss machen, dass Hänsel und Gretel einschlafen und die Engel kommen“, beschreibt Hakub Mkrtchyan (zehn Jahre) aus Armenien die Rolle des Sandmannes, den er spielt. Sein Bruder Aleks (acht Jahre) ist der Taumann, die kleine Schwester Anna-Maria (fünf Jahre) ist einer der fünf Engel. Thea Pour Bakhsh spielt die Gretel. Die Siebenjährige ist eine Nichte des Regisseurs, eine andere Nichte von ihm, Nica Pour Bakhsh (zwölf Jahre), ist Engel. Genau wie Merve Achmad (sechs Jahre) aus Syrien, Valentino Kamo (fünf Jahre) aus dem Irak und die neunjährige Mirjam aus Deutschland. In die Rolle der Eltern von Hänsel und Gretel schlüpfen Aeshah (elf Jahre) und ihr Bruder Quais Tuama (zwölf Jahre) aus dem Irak. Samyan Saleem (17), ebenfalls aus dem Irak, ist die böse Hexe, die Hänsel und Gretel im Wald mit Lebkuchen lockt und den Jungen in einem Käfig an ihrem Hexenhaus einsperrt.

Anna Schulte hat mit Hänsel und Gretel ihren Tanz einstudiert, die Lehrwerkstatt des Archäologischen Parks in Xanten (APX) hat das Hexenhaus gebaut. Projektleiterin ist Dörte Dreher-Peiß. Der Lions-Club leistet finanzielle Unterstützung; Heike Sauer, Leiterin der Stabstelle Kommunikation und Projektentwicklung an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln, hat den Kontakt zur Landes-Arbeitsgemeinschaft Musik NRW (Wuppertal) hergestellt, die Integrationsprojekte wie das von Kubidia fördert.

„Das war schon eine Herausforderung, eine Gruppe quirliger Kinder über eine so lange Zeit zu begeistern“, zollt Dörte Dreher-Peiß, Vorsitzende von Kubidia, dem Schauspieler und Regisseur Mehdi Pour Bakhsh höchste Anerkennung. Es sei ihm bravourös gelungen, die nötige Disziplin einzufordern, ohne den kleinen Darstellern den Spaß an der Sache zu nehmen. In den letzten Tagen vor der großen Aufführung wird dort geprobt, wo die Oper am Sonntag um 18 Uhr auch aufgeführt wird: im Kurpark hinter der Kriemhildmühle.

(jas)