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Märchenhafte Opernaufführung von hensel und Gretel in Xanten

Hänsel und Gretel in Xanten : Märchenhafte Opernaufführung

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe anlässlich des 100. Todesjahres von Engelbert Humperdinck beeindruckten die Jungen Blechbläser NRW und Kinder mit Fluchterfahrung in „Hänsel und Gretel“.

Hätte der vor 100 Jahren verstorbene Komponist Engelbert Humperdinck miterleben können, was junge Blechbläser aus NRW und Xantener Kinder mit Fluchterfahrung am Sonntagabend aus seiner Oper „Hänsel und Gretel“ gemacht haben, er hätte sich vermutlich äußerst zufrieden in seinen Ohrensessel zurückgelehnt und nur noch eines in seinen Bart gemurmelt: großartig, einfach großartig. Genau das war es nämlich, und genau so empfanden es offenbar auch die rund 120 Zuschauer, die mit viel Applaus honorierten, was ihnen auf der Bühne in der Mensa am Gymnasium geboten wurde.

Zum Ortswechsel hatten sich die Organisatoren aufgrund der Wetterkapriolen vier Stunden vor Beginn der Veranstaltung entschieden. So wurde die Märchenoper nicht wie geplant im Kurpark unter freiem Himmel aufgeführt, sondern vor Regen und Wind geschützt im Innern.

 Die Jungen Blechbläser NRW brillierten bei der Märchenoper durch ihr Zusammenspiel.
Die Jungen Blechbläser NRW brillierten bei der Märchenoper durch ihr Zusammenspiel. Foto: Armin Fischer (arfi)

13 exzellent aufspielende junge Musiker zwischen 13 und 21 Jahren und elf spielfreudige Kinder in von Gisela Schulte-Lindhorst geschneiderten Kostümen begeisterten das Publikum. Die Rechnung der Landesarbeitsgemeinschaft Musik NRW, die das Projekt gemeinsam mit dem Xantener Verein Kubidia (Kulturen und Bildung im Dialog) auf die Beine gestellt hat, ist aufgegangen. Die Gruppe Kubidia hat sich vor fünf Jahren über ein Projekt in der ehemaligen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im vormaligen und inzwischen abgerissenen Förderzentrum in Xanten zusammengefunden. Vorsitzende und Projektleiterin ist Dörte Dreher-Peiß. Als Stellvertreter steht ihr Mehdi Pour Bakhsh zur Seite. Und der Schauspieler und Regisseur, der selbst vor neun Jahren aus dem Iran geflüchtet und nach Deutschland gekommen ist, konnte zu Recht stolz auf das sein, was seine Schützlinge da nach wochenlanger Probearbeit auf die Bretter legten.

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Die Hexe beispielsweise wurde fantastisch gespielt von Samyam Saleem (17) aus dem Irak. Ein Publikumsliebling war auch der zwölfjährige Isemedin Safarov, der vor einigen Jahren mit seinen zwei Brüdern und den Eltern aus Tadschikistan nach Xanten gekommen, für die Aufführung in die Rolle des Hänsel geschlüpft ist und jeden einzelnen Satz lautlos mitsprechen konnte, den Opernsänger Josef Protschka las. Auch der siebenjährigen Thea Pour Bakhsh, die Gretel auf der Bühne zum Leben erweckte, war anzusehen, wie viel Spaß ihr das Theaterspiel machte. Genauso wie allen anderen Kindern, die in ihren Rollen aufgingen: Der Vater wurde gespielt von Qais Tuama, zwölf Jahre alt, aus dem Irak, die Mutter von Aeshah Tuama, elf Jahre alt, aus dem Irak. In die Rolle des Sandmanns schlüpfte Hakub Mkrtchyan, zehn Jahre alt, aus Armenien, den Tamann stellte Aleks Mkrtchyan, acht Jahre alt, aus Armenien dar, und die fünf Engel wurden von Nica Pour Bakhsh, Mirjam und Valentina Kamo sowie Anna Maria Mkrtchyan und Merve Achmad gespielt.

 Vater (Qais Tuama) und Mutter (Aeshah Tuama) in der Küche.
Vater (Qais Tuama) und Mutter (Aeshah Tuama) in der Küche. Foto: Armin Fischer (arfi)

Beeindruckend und stimmig war zudem das Zusammenspiel der Jungen Blechbläser NRW unter der künstlerischen Leitung von Professor Tobias Füller. Die 13 bis 21 Jahre alten Musiker haben sich zumeist durch ein erfolgreiches Abschneiden beim Bundes- oder Landeswettbewerbs von „Jugend musiziert“ oder durch ein Probespiel für die Teilnahme qualifiziert. Nicht nur fürs Ohr, sondern auch fürs Auge war ihr Einsatz, als es die Blechbläser in einer Szene den schlafenden Geschwistern Hänsel und Gretel gleichtaten und sich mitsamt ihrer Instrumente auf den Bühnenboden legten und liegend weiterspielten.

Ein aussagekräftiges Bild am Ende einer wirklich gelungenen Aufführung: Musiker und Schauspieler nahmen sich an der Hand und verneigten sich paarweise vor dem applaudierenden Publikum. Am Ausgang bekamen die Gäste noch selbst gebastelte, bunte Papierblumen in die Hand gedrückt.

(jas)