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Xanten würdigt zum 100. Todestag Engelbert Humperdinks Leben und Werk

100. Todesjahr des Komponisten Humperdinck : Welterfolge und musikalische Raritäten auf Xantens Bühnen

Zum 100. Todesjahr von Engelbert Humperdinck sollen Opern, Konzerte und Ausstellungen das Leben und Werk des berühmten Komponisten, der auch in Xanten gelebt hat, würdigen. Die Aufführung von Hänsel und Gretel im Kurpark ist schon fast ausverkauft.

Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ dürfte wohl nicht nur unter Musikfreunden vielen bekannt sein. Das spätromantische Werk in drei Akten, das viele Elemente aus Volksliedern enthält, machte den deutschen Komponisten schlagartig weltberühmt. Noch heute gehört es zum festen Repertoire der Opernhäuser, erfreut sich besonders in der Adventszeit großer Beliebtheit. Weit weniger bekannt und nur selten gespielt ist hingegen Humperdincks Komposition „Die Wallfahrt nach Kevlaar“ (heute Kevelaer). Die berührende Ballade nach einem Gedicht von Heinrich Heine ist heute eine musikalische Rarität und zeigt eine ganz andere Facette des namhaften Komponisten.

Doch nun soll das Leben und Schaffen Humperdincks, der zehn Jahre in Xanten gelebt hat, in seiner ganzen Vielfalt gewürdigt werden. Anlässlich seines 100. Todestages am 27. September hat sich die Stadt Xanten mit weiteren Wirkungsstätten des Künstlers zum Projekt Humperdinck21 zusammengeschlossen. Die Städte Siegburg, Nürmbrecht, Bonn, Köln und Bayreuth gehören zu den Partnern. „Obwohl Humperdinck zehn Jahre lang hier seine Heimat gefunden hat und sich zugleich für seinen Welterfolg inspirieren ließ, genießt er in Xanten nicht den Stellenwert, den er verdient“, sagt Anke Lyttwin, Leiterin der Siegfriedmuseums. Ein von dem Museum, dem Verein Stadtkultur Xanten und der Hochschule für Musik und Tanz Köln federführend erarbeitetes Kulturprogramm soll das ändern. Geplant sind zahlreiche Veranstaltungen: Opern-Aufführungen, Konzerte, Ausstellungen und anderes mehr.

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Märchenoper im Kurpark Ein Höhepunkt gleich zu Beginn der Veranstaltungsreihe ist die Aufführung der Oper „Hänsel und Gretel“ am Sonntag, 29. August, im Kurpark an der Kriemhild-Mühle. Hier präsentieren nicht nur die Jungen Blechbläser NRW, ein 15- bis 20-köpfiges Ensemble, das sich jährlich durch eine offene Ausschreibung aus Musikern zwischen 13 und 21 Jahren zusammensetzt, Humperdincks musikalisches Werk in besonderer Aufführung. Als Sprecher konnte der bekannte Konzert- und Opernsänger Josef Protschka gewonnen werden. „Besonders ist die Aufführung aber vor allem, weil Kinder und Jugendliche des Xantener Vereins Kubidia die Handlung illustrieren“, sagt Heike Sauer von der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Die Gruppe besteht aus Kindern und Jugendlichen mit und ohne Fluchterfahrung, die unter der szenischen Leitung von Mehdi Pour Bakhsh auch die Bühnenkulisse und die Kostüme selbst gefertigt haben. Die Aufführung beginnt um 18 Uhr.

 Auch das Bühnenbild und die Kostüme für die Märchenoper machen die Kinder mit und ohne Fluchterfahrung in dem integrativen Theaterprojekt selbst.
Auch das Bühnenbild und die Kostüme für die Märchenoper machen die Kinder mit und ohne Fluchterfahrung in dem integrativen Theaterprojekt selbst. Foto: Heike Sauer

Kammermusik in der Klosterkirche Ein außergewöhnliches Kammerkonzert mit Musik von Engelbert Humperdinck und Kurt Weill präsentiert das preisgekrönte Oreneta-Quartett mit Pierre Alvarez und Yuko Matsumoto an der Violine sowie mit Hanna Breuer an der Viola und Arnau Rovira Bascompte am Violoncello. Auf dem Programm stehen das Streichquartett C-Dur von Humperdinck, das dieser ein Jahr vor seinem Tod geschrieben hat, und das Streichquartett h-Moll von Weill, eines der frühen Werke des Komponisten von 1918, damals noch Schüler von Humperdinck. Das Kammerkonzert ist am Samstag, 6. November, um 19 Uhr in der Klosterkirche Mörmter zu hören. 

Sonderausstellung Humperdincks Xantener Zeit fällt zusammen mit seinem künstlerischen Wirken in Bayreuth und der freundschaftlichen Beziehung zu der Familie von Richard Wagner, dem er zeitweise assistierte. Gerne nannte der Meister den Komponisten seinen „Siegfried von Xanten“. Und tatsächlich kehrte Humperdinck gerne immer wieder aufs Land zurück, um sich dort von der Natur inspirieren zu lassen. Am Sonntag, 7. November, eröffnet das Siegfriedmuseum eine Sonderausstellung unter dem Titel „Humperdinck zwischen Märchenwald und Walküren“, die diesen Lebensabschnitt des Künstlers veranschaulicht. Zur Eröffnung hält Historiker Tim Michalak um 11 Uhr den einführenden Vortrag „Hier in Xanten habe ich ziemlich stillekes“ über Humperdincks Xantener Jahre.

 Kinder vom Verein Kubidia führen die Handlung von Hänsel und Gretel auf.
Kinder vom Verein Kubidia führen die Handlung von Hänsel und Gretel auf. Foto: Heike Sauer

Chorkonzert im Dom Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe soll im St.-Viktor-Dom am Samstag, 20. November, schließlich Humperdincks selten gespieltes Werk „Die Wallfahrt nach Kevelaar“ für Soli, Chor und Orchester erklingen. Die Komposition, die 1878 entstand, basiert auf einer Ballade von Heinrich Heine, die dieser unter den Eindrücken eines Jugenderlebnisses in seinem „Buch der Lieder“ erstmalig veröffentlicht hat. Ebenso zu hören bekommen die Gäste die „f-Moll Messe“ von Anton Bruckner, die durch sinfonische Klänge, hohe Chorkunst und maximalen Ausdruck besticht. Die Musiker gehören der Hochschule für Musik und Tanz Köln an. Das Konzert beginnt um 19 Uhr.

Weitere Veranstaltungen Da sich Humperdinck vor allem bei seinen Wanderungen und Fahrradfahrten durch die Hees sowie Spaziergängen durch die Xantener Stadt inspirieren ließ, will das Siegfriedmuseum Touren anbieten, die den Spuren des Komponisten folgen. Die Wanderwege basieren auf Informationen aus Humperdincks Tagebuch.