Seit 1. April wird an der Erdgasfernleitung Zeelink zwischen Kempen-St. Hubert und Jüchen-Hochneukirch gebaut

Erdgasfernleitung : Zeelink: Bauarbeiten haben begonnen

Seit 1. April wird an der neuen Erdgasfernleitung im Baulos 3 zwischen Kempen-St. Hubert und Jüchen-Hochneukirch gebaut. In Kempen und Tönisvorst haben die Bagger losgelegt, im Oktober will man in Hochneukirch ankommen.

Endlich kann es losgehen. Die Erleichterung ist Franz-Josef Kißing, dem technischen Projektleiter von Zeelink, und Baumanager Andreas Kniep anzusehen. 2016 begann das Raumordnungsverfahren, das Planfeststellungsverfahren dauerte von 2017 bis 2018. Jetzt beginnt die zweijährige Bauphase, in unserer Region soll sie bereits in diesem Jahr abgeschlossen sein. Die Inbetriebnahme ist für März 2021 geplant.

Die Verantwortlichen der Ferngasleitung Zeelink stellten sich am Donnerstag im Baubüro in Tönisvorst den Fragen der Medien. Das Unternehmen hat bereits auf mehreren Dialogforen über das Projekt informiert. Jetzt liegt der Beschluss der Bezirksregierung Düsseldorf vor, es kann gebaut werden. In St. Hubert, wo eine Gasdruckmessstation geplant ist, wurde am 1. April begonnen. Die Bagger tragen den Mutterboden ab und häufen ihn neben der Trasse auf, um ihn später wieder direkt verfüllen zu können. Dazu kommen Kampfmittelerkundung, archäologische Voruntersuchungen und Abpumpen von Wasser, um den Graben trocken zu halten. Die Rohre werden so tief verlegt, dass in der Regel 1,20 Meter Erde darüber liegt. Das heißt, die zumeist landwirtschaftlichen Flächen können danach ungeschmälert bearbeitet werden, auch mit jedem Pflug.

Das Baulos 3 betrifft eine Länge von 44 Kilometern. Im Monat arbeiten sich die Bagger sieben Kilometer vor. Insgesamt wird für die Strecke St. Hubert bis Hochneukirch mit sechs Monaten gerechnet. In Kempen und Tönisvorst sind die Bagger bereits am Werk. Mit den vorbereitenden Arbeiten wird man im Kreis Neuss bereits in einem Monat etwas bemerken können, In Mönchengladbach in zwei Monaten.

Im St.Töniser Baubüro stehen (v.l.) Lothar Strümpel, Christoph Köhler, André Grassmann und Franz-Josef Kissing von Zeelink vor den Plänen an der Wand. Foto: Wolfgang Kaiser (woka)

Der genehmigte Verlauf des Bauloses beginnt in St. Hubert zwischen Kempen und Krefeld, verläuft dann südlich durch Äcker Richtung Tönisvorst, wobei das Gewerbegebiet Tempelsfeld und Höhenhöfe westlich umgangen wird. Weiter geht es Richtung Willich. Nachdem die Bahnlinie Krefeld-Viersen-Mönchengladbach unterführt wird, gibt es in Höhe der Holterhöfe, direkt an der Willicher Stadtgrenze zu Krefeld-Forstwald, eine Station. Diese unterbrechen die Fernleitung in Abständen, um bestimmte Abschnitte abschotten und überprüfen zu können. Die Gasfernleitung verläuft weiter parallel der A 44, so wird Alt-Willich umgangen. Dann macht die Leitung einen deutlichen Knick nach Süden und verläuft östlich von Willich und Schiefbahn durch landwirtschaftliche Flächen, um dann unter der A 52 und der B 7 weiter in den Kreis Neuss zu gelangen. Die Trasse verläuft an der Grenze von Kaarst und Korschenbroich Richtung Süden – westlich an Vorst vorbei – bis zur nächsten Gasdruckmessstation Glehn. An der Station macht die Trasse einen Knick nach Südwesten und verläuft östlich an Mönchengladbach vorbei bis zur Station Hochneukirch. Dort endet Baulos 3. Weiter geht es dann Richtung Aachen und belgische Grenze.

Die Notwendigkeit des Mammutprojektes wird mit dem absehbaren Ende der Förderung von Gas in den Niederlanden und Norddeutschland begründet. Das L-Gas von dort wird durch das H-Gas abgelöst, beide sind nicht im selben Netz zu transportieren. Das Zeelink-Ferngasnetz ist theoretisch in beide Richtungen zu beschicken. Wie der Name aber schon sagt, geht es um eine Anbindung des deutschen Gasnetzes an den belgischen Seehafen Zeebrugge. Dort befindet sich ein LNG-Terminal, wo Flüssiggas wieder in gasförmigen Zustand gebracht wird. Das Flüssiggas, das mit Schiffen an der Nordsee anlandet, stammt etwa aus dem Emirat Katar am Persischen Golf oder aus den USA, wo es mit der aus Umweltgründen umstrittenen Frackingmethode gewonnen wird. Aber auch das Nordsee-Gas aus Norwegen oder das aus Russland ist H-Gas, könnte also mit diesem Fernleitungsnetz weitertransportiert werden. Der Druck im Ferngasnetz reicht bis zu 100 bar. Im Verteilnetz der Stadtwerke liegt er bei etwa 16 bar.

Schon jetzt sind die jeweils 18 Meter langen Mannesmann-Stahlrohre in Krefeld auf dem Gelände von Outokumpu, dem Edelstahlwerk in Krefeld, gelagert. Von dort werden jeweils zwei Rohre per Lkw zum Graben gefahren, vor Ort verschweißt und dann von Rohrverlegemaschinen, sogenannten Seitenbäumen, in den ausgehobenen Graben verlegt. Nachdem der Graben wieder verfüllt ist, wird das Rohr einem Drucktest unterworfen. Nach Ende der Bauarbeiten und der Rekultivierung der Oberfläche erinnern nur gelbe Schilder oberirdisch an die Trasse.

Mehr von RP ONLINE