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Neue Hoffnung für Ringerinnen des AC Ückerath

Internationales Turnier in Nizza : Ringerinnen des AC Ückerath schöpfen neue Hoffnung

Die beiden Olympiakandidatinnen des AC Ückerath sind durch die Corona-Pandemie heftig ausgebremst worden. Doch nach dem Weltcup Ende vorigen Jahres bestreiten Nina Hemmer und Laura Mertens in Nizza den nächsten Wettkampf.

Als sich einige der besten Ringerinnen der Welt kurz vor Weihnachten zu einem Weltcup-Turnier im serbischen Belgrad trafen, war das so etwas wie ein Testlauf. Auch mit Blick auf die anstehenden Olympia-Qualifikationen im März und Mai dieses Jahres sollte ausprobiert werden, ob es möglich ist, in Zeiten der Corona-Pandemie Wettkämpfe auf diesem Niveau mit Athleten aus aller Herren Länder auf die Beine zu stellen. Es ist offenbar möglich, denn an diesem Freitag geht im südfranzösischen Nizza ein großes internationales Turnier über die Bühne. Mit dabei auch Nina Hemmer und Laura Mertens, die beiden Olympia-Kandidatinnen aus den Reihen des AC Ückerath.

„Soweit ich weiß, hat es in Belgrad keine Infektionen gegeben. Es war ja schon bei anderen Sportarten zu sehen, dass trotz Pandemie in Sachen Wettkampf etwas ging. Es war auch mit Blick auf Olympia ein gutes Gefühl, dass das offenbar ebenso beim Ringen möglich ist“, sagt Laura Mertens, die in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm antritt. Positive Gefühle und Hoffnung können die beiden Ringerinnen aus Ückerath gut gebrauchen. Denn das zurückliegende Jahr geriet zu einer Herausforderung der besonderen Art. Schließlich mussten die Topathleten in allen Sportarten durch die Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 damit klarkommen, dass plötzlich das Hauptziel, auf das die ganze Vorbereitung ausgerichtet war, wegfiel. „Fünf Tage vor der Qualifikation hat das dem ganzen Jahr ziemlich den Stöpsel gezogen“, erinnert sich Nina Hemmer, die sich in der Gewichtsklasse bis 53 Kilogramm tummelt.

Zwar durften die beiden Ückeratherinnen wegen ihres Status als Kader-Athletinnen des Deutschen Ringer-Bundes schon während des ersten Lockdowns zeitig wieder in die Halle, zunächst im Einzeltraining und nach drei Monaten auch gemeinsam mit Körperkontakt, doch es herrschte weiterhin völlige Ungewissheit, wann mal wieder ein Wettkampf stattfinden könnte. Auch noch, als Ende Juli der Nationalkader nach langer Pause zu einem Lehrgang zusammenkam. „So haben wir uns einfach ohne konkretes Ziel fitgehalten. Doch man hat schon gemerkt, dass das nach der Zeit ohne Ringen richtig Spaß gemacht hat “, sagt Laura Mertens.

Konkreter wurde das Ganze dann, als im November die Nachricht vom Weltcup in Belgrad kam. Doch so froh die Ückeratherinnen waren, ins Wettkampfgeschehen zurückkehren zu können, ihre Leistungen konnten sie nicht gänzlich zufriedenstellen. Insbesondere Nina Hemmer hadert immer noch mit ihrer klaren Niederlage im Kampf um die Bronzemedaille gegen die Russin Anzhelika Vetoshkina. „Da habe ich gemerkt, dass ich fast ein Jahr keinen Wettkampf bestritten habe. Am zweiten Turniertag war ich total platt“, erklärt Hemmer. Laura Mertens konnte mit ihren Auftritten, die letztlich zum siebten Platz reichten, zwar ganz gut leben, weiß aber, „dass ich noch weiter hätte kommen können“.

Im Rahmen des Weltcups gab’s dann auch von Bundestrainer Patrick Loës die Jahresplanung 2021. Die sieht nach dem Turnierbesuch in Nizza direkt im Anschluss ein einwöchiges Trainingslager in Heidelberg vor. Wobei es für Nina Hemmer dort auch darum gehen dürfte, eine Schleimbeutelentzündung im Ellenbogen in den Griff zu bekommen. Die hatte ihr zuletzt Probleme bereitet, so dass sogar ihr Start in Nizza infrage stand. Doch nach einer Behandlung hat sie die Beschwerden offenbar so gut in Griff bekommen, dass sie weitere Wettkampfpraxis sammeln kann.

Sicher eine schwere Entscheidung für Athletin und Trainer, denn Priorität hat eigentlich die erste Olympia-Qualifikation, zu der sich im März die Europäerinnen in Budapest treffen sollen. Auf der anderen Seite sind aber auch gerade nach dem schweren Jahr 2020 die Vergleiche mit der internationalen Konkurrenz von enormer Bedeutung. Aktuell ist Hemmer Deutschlands Nummer eins in ihrer Gewichtsklasse, deswegen geht sie davon aus, dass sie in der Qualifikation startet. Um das Olympia-Ticket zu lösen, müsste sie den Endkampf erreichen. Gelänge das nicht, gäbe es Anfang Mai noch eine zweite Chance bei der weltweiten Qualifikation in Sofia.

Auch Laura Mertens geht davon aus, dass sie die Olympia-Qualifikation bestreiten darf. „Mein großes Ziel ist Tokio. Viel hängt aber auch vom Losglück ab“, erklärt Mertens. Wenn trotz Corona der zweite Anlauf in der japanischen Hauptstadt gelänge, wäre es für die 27-Jährige der erste Olympia-Start. Die ebenfalls 27-jährige Nina Hemmer war schon in Rio dabei (Aus in der ersten Runde) und weiß um den Stellenwert: „Selbst ohne Zuschauer wäre Olympia etwas ganz Besonderes, wo ich unbedingt dabei sein möchte.“