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Stipendium in den USA für Radsporttalent des VfR Büttgen

Stipendium für Sportlerin des VfR Büttgen : Radsport-Talent reist mit großen Zielen in die USA

Johanna Gref vom VfR Büttgen studiert mit einem Stipendium an der Lindenwood Universität in Missouri Sportwissenschaft. Weitere sportliche Erfolge hat sie schon ins Visier genommen.

Während die Pandemie die Reisepläne der meisten Menschen aus dem Rhein-Kreis Neuss zunichtegemacht hat, beginnt für die 19-Jährige Johanna Gref vom VfR Büttgen in dieser Woche die wohl größte Reise ihres bisherigen Lebens. Mit ihren Rennrädern im Gepäck hob der Flieger der Radsportlerin des VfR Büttgen am Mittwoch in Richtung USA ab – genauer gesagt in Richtung Missouri, wo sie mit Hilfe eines Stipendiums an der Lindenwood Universität ihr Studium der Sportwissenschaft beginnen wird.

Neben dem Studium wird das Ausnahmetalent sich weiterhin ihrer Leidenschaft zuwenden: dem Radsport. Und das intensiver denn je. Mit 13 Trainingseinheiten in der Woche, Ernährungsberatern, Mentaltrainern und allem drum und dran wird die in Krefeld aufgewachsene Gref in Amerika ein ideales Umfeld auffinden, in dem sie sportlich wachsen und gleichzeitig ihre Zukunft absichern kann. „Mir ist bewusst, dass es als Frau sehr schwierig ist, vom Rennradfahren zu leben, weshalb ich das Sportstudium als Sprungbrett und Absicherung nutze, um dann im Master Sportpsychologie zu studieren, um schlussendlich Mentaltrainerin zu werden“, erklärt die Sportlerin von VfR Büttgen ihren Plan. Einen Profivertrag würde sie dennoch nicht ablehnen.

Die Universität in der Nähe des Mississippi, an der Gref die nächsten Jahre leben wird, hatte einiges an Konkurrenz im Werben um die Ausnahmesportlerin. Sieben weitere amerikanische Universitäten hatten die Rennradfahrerin im Visier. „Ausschlaggebend war die Trainerin in Lindenwood – ich war mit ihr sofort auf einer Wellenlänge, aber auch finanziell war das Stipendium am interessantesten“, verrät die 18-Jährige. Hinzu kommt, dass ein guter Freund nur 800 Kilometer von der Universität entfernt wohnt. Land und Leute sind ihr nämlich schon durch eine weitere Leidenschaft bekannt: dem Singen. Mit dem Gospelchor, mit dem sie jeden Sonntag gemeinsam probte, hatte sie schon Konzertreisen in diese Gegend unternommen und Kontakte geknüpft. Aber nicht nur das Singen, sondern auch die Kunst hat es ihr angetan und wirkt als Ausgleich zu dem sich für sie fast schon als Beruf anfühlenden Radsport.

Dennoch genießt sie ihren Sport Tag für Tag. Wenn sie sich zwischen dem Bahnradfahren und Straßenradsport entscheiden müsste, würde sie sich für die Bahn entscheiden. „Das Rennen ist zwar im Vergleich sehr kurz, aber dafür umso intensiver und deutlich schneller und dazu noch viel taktischer“, erklärt Gref den Reiz am Bahnradfahren. Aber auch die Rennen auf der Straße mit den schönen Landschaften gefallen ihr. Vor allem aber will sie immer wieder über ihre Grenzen hinausgehen. „Das löst bei mir richtige Glücksgefühle aus“, sagt sie.

Angefangen hatte alles durch ihren sportbegeisterten Vater: „Mein Papa war der ausschlaggebende Punkt – er ist als Jugendlicher selbst Rennrad gefahren und hat meinen Bruder und mich nach Paris zur Tour de France mitgenommen“, erzählt Gref. Bei ihrem großen Bruder entfachte die Liebe zum Rennrad dann recht schnell, während Johanna Gref eher widerwillig beim Rennrad-Training ihres Bruders zusehen musste. Ihre Leidenschaft galt zu dieser nämlich noch dem Cheerleading. Das änderte sich jedoch schlagartig, als sie ihrem Bruder 2010 sein mittlerweile zu klein gewordenes Rennrad abkaufte und Spaß an dem neuen Sport fand. „Ich konnte schnell erste Erfolge feiern und war dann Feuer und Flamme, den Radsport zu perfektionieren“, sagt die 19-Jährige. Nach einem Jahr gab sie das Cheerleading auf und wechselte in den Rhein-Kreis zum VfR Büttgen, um sich voll und ganz ihrem Rennrad zu widmen.

Mit der Zeit wurden die kleinen Erfolge zu größeren. Mittlerweile kann die 19-Jährige auf elf Titel als Landesmeisterin in unterschiedlichen Disziplinen zurückschauen und ergatterte zudem bei den Deutschen Meisterschaften der Juniorinnen 2019 eine Bronzemedaille. Das reicht dem jungen Talent aber noch lange nicht. „Mit weniger als der Deutschen Meisterschaft – zumindest einmal – werde ich mich nicht zufriedengeben“, sagt Gref und gibt aber sogleich zu, dass das noch Zukunftsmusik sei. Erst einmal sei die amerikanische College-Meisterschaft ihr nächstes Ziel, aber zuvor müsse sie voll und ganz in der neuen Umgebung ankommen und könne dann im kommenden Jahr nach Titeln greifen.