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Einnerungen eines Dormageners: Mulmiges Gefühl bei Handball-WM 1999

Dormagener war 1999 bei WM dabei : Mit mulmigen Gefühlen nach Ägypten

Die Handball-WM in Nordafrika steht unter keinem guten Stern – wegen Corona. Bei der bislang letzten WM in Ägypten war das ähnlich, wenn auch aus anderen Gründen. Ein Dormagener war 1999 dabei, erlebte aber auch viel Schönes.

 Auch wenn knapp 22 Jahre dazwischenliegen, gibt es eine Parallele zwischen der aktuellen deutschen Handball-Nationalmannschaft, die sich vom Crowne-Plaza-Hotel in Neuss auf den Weg zur am Mittwoch beginnenden Weltmeisterschaft in Ägypten gemacht hat, und dem Vorgängerteam, das bei der bislang letzten WM in dem nordafrikanischen Land im Jahr 1999 dabei war. Beide wurden im Vorfeld von großen Sorgen geplagt, die Gründe waren allerdings völlig andere. Während in diesen Tagen die Corona-Pandemie mit ihren hohen Infektionszahlen für große Bedenken sorgt, war es damals islamistischer Terror, der Aktive und Funktionäre mit einem mulmigen Gefühl anreisen ließ. „In den Jahren zuvor hatte es mehrere Anschläge gegeben, bei denen auch deutsche Touristen ums Leben kamen“, sagt der Dormagener Detlev Zenk, der sich noch gut an diese negativen Emotionen erinnern kann.

Schließlich war Zenk, heute immer noch Pressesprecher der Dormagener Handballer, für den Deutschen Handballbund (DHB) Ende der 1990er Jahre in gleicher Funktion mit in Ägypten. Doch trotz der negativen Vorzeichen will er die Zeit nicht missen, denn in den rund 14 Tagen im Land am Nil ist er auch der Faszination der geschichtsträchtigen Nation erlegen. Denn während der aktuelle DHB-Tross wegen der Corona-Beschränkungen kaum Gelegenheiten haben dürfte, um Land und Leute kennenzulernen, unternahmen die Deutschen damals auch einige Ausflüge, um neben dem Sport auch etwas vom Land mitzubekommen. Dass das allerdings nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen möglich sein würde, ahnten Bundestrainer Heiner Brand und der Rest des DHB-Teams schon bei der Ankunft am Flughafen in Kairo, wo das Militär große Präsenz zeigte.

„Wir standen unter besonderem Schutz. Wenn wir im Bus unterwegs waren, wurden wir immer von Panzerfahrzeugen und Militär mit Maschinenpistolen begleitet“, erinnert sich Detlev Zenk. Vor dem Hotel, in dem auch andere WM-Teilnehmer abgestiegen waren, befand sich eine Art militärisch bewachter Schutzwall. Zudem gab es im Gebäude auf jedem Gang bewaffnete Polizisten. Dass es relativ schnell gelang, sich an die „gespenstische Atmosphäre“ zu gewöhnen, lag auch daran, dass im Swissôtel Kairo jede Menge Komfort geboten wurde. Hinzu kam, dass der damalige Hotel-Manager zuvor einige Jahre in der Neusser Dependance, heute das Crowne Plaza, gearbeitet hatte und deswegen den Deutschen sehr zugetan war. „Ich weiß zwar den Namen nicht mehr, aber ich konnte mich gut mit ihm über die Heimat unterhalten. Der kannte sich gut im Rhein-Kreis aus“, sagt Detlev Zenk.

Detlev Zenk (2. v.r.) mit dem DHB-Team vor dem Basar in Kairo. Links neben ihm die damaligen Trainer Heiner Brand und Bob Hanning. Foto: Zenk

Auch unter den einheimischen Hotel-Angestellten waren die Gäste vom DHB willkommene Gesprächspartner, denn viele von ihnen waren schon mal in Deutschland gewesen und beherrschten auch die Sprache, mal mehr mal weniger. Für besondere Gesprächigkeit sorgte das berühmte Bakschisch, so etwas wie Trinkgeld. Eine Investition, die sich für Detlev Zenk besonders auszahlte, als bei einem Sponsoren-Abendessen in einem gediegenen Vorhof des Hotels Unruhe aufkam und sein Lieblingskellner ihm erklärte, dass dafür die Anwesenheit des ägyptischen Schauspiel-Idols Omar Sharif verantwortlich war. Der war allerdings nicht jedem bekannt. „Bob Hanning wusste nichts mit ihm anzufangen“, meint Zenk mit Blick auf den heutigen Vize-Präsidenten des DHB und damaligen Co-Trainer von Heiner Brand. Immerhin trauten sich einige Spieler, ein Autogramm von ihm zu holen.

So gut das Essen an diesem Abend und generell im Hotel war, das Thema Lebensmittel blieb den Deutschen auch mit einem negativen Aspekt nachhaltig in Erinnerung. Vermutlich mit verunreinigtem Wasser gewaschenes Obst und Gemüse führte dazu, dass fast alle im DHB-Team im Lauf der knapp zwei Wochen von Magen-Darm-Problemen heimgesucht wurden. „Auch wenn er eher aus Südamerika kommt, machte der Begriff ,Montezumas Rache‘ schnell die Runde“, sagt der Dormagener, der aus heutiger Sicht mit einem Schmunzeln darauf zurückblicken kann. Schließlich blieb er als einziger verschont.

Zum Schmunzeln gab es auch einiges bei den Ausflügen des DHB-Trosses, etwa ins weltberühmte Ägyptische Museum, zum Basar Chan el-Chalili in Kairo, zu den Pyramiden von Gizeh oder bei einer Flussfahrt auf dem Nil – auch wenn Militär oder Geheimpolizei ständige Begleiter waren. Vor den Pyramiden zum Beispiel gab es zahlreiche Ägypter, die die Touristen zu einem Kamelritt überreden wollten. Detlev Zenk blieb Standhaft, weil er 80 Mark für überzogen hielt, doch Bob Hanning stieg zwischen die zwei Höcker und ermöglichte so ein legendäres Foto, auf dem auch der Dormagener mit einem Kopftuch für Männer (Kufiya) zu sehen ist. Kein Foto gibt es dagegen aus gutem Grund von Zenks Aufenthalt in einer der Pyramiden, die er von außen überaus beeindruckend im Gedächtnis behalten hat. Als er sich innen drin allerdings gebückt durch einen niedrigen Gang in einen leeren Raum gequält hatte, war er ziemlich enttäuscht: „Der war einfach nur leer und total nichtssagend.“

Zu einem absoluten Höhepunkt geriet dafür noch mal das große Finale auf einem riesigen Platz vor den Pyramiden mit gigantischen Lichteffekten und tollen sportlichen Vorführungen. „Das war die schönste Abschlussfeier, die je erlebt habe. Und ich war bei einigen dabei“, sagt Detlev Zenk. So trat das DHB-Team 1999 trotz der Sorgen im Vorfeld die Heimreise mit vielen unvergesslichen Eindrücken und Platz fünf im Gepäck an. Wie die aktuelle Nationalmannschaft sich auf die Heimfahrt macht, müssen die nächste Wochen erst noch zeigen.