Doppelt hohe Strommasten am Niederrhein

Amprion baut die Trassen : Doppelt hohe Strommasten am Niederrhein

Es geht um 42 Kilometer Stromautobahn zwischen Wesel und Meerbusch-Osterath. Aprion plant vier Bürgerinfos in den kommenden zwei Wochen.

„Vorhaben Nr. 14“ – so haben die Ingenieure die 42 Kilometer lange Stromtrasse genannt, die die Energiewende an den Niederrhein bringen soll. Sie reicht von der Umspannanlage Wesel über Moers Utfort bis hin zum geplanten Stromkonverter Meerbusch-Osterath. In den kommenden zwei Wochen sollen die Bürger darüber informiert werden, was Netzbetreiber Amprion genau plant. Es sind vier Bürgerinfomärkte terminiert – in Krefeld, Moers, Rheinberg und Voerde (siehe Info-Kasten). Ende des Jahres 2019 will Amprion für den Planungsabschnitt Wesel bis Krefeld das Genehmigungsverfahren bei der Bezirksregierung Düsseldorf beantragen.

Was ist geplant? Grundsätzlich will Amprion den Strom auf den 42 Kilometern über Freileitungen transportieren. Lediglich für die Rheinquerung zwischen Voerde und Rheinberg ist der Netzbetreiber verpflichtet, ein Erdkabel als Variante zu prüfen. Die bisherigen, teils aus dem Jahr 1926 stammenden Hochspannungsleitungen reichen nach Meinung der Experten nicht aus, um den Windstrom von der Nordseeküste auch bei Sturm nach Süddeutschland zu bringen. Bereits heute müssen die Windräder in und an der Nordsee bei Sturm abgeschaltet werden, um das Netz nicht zu überlasten. Deshalb sollen die bisherigen 110.000- und 220.000-Volt-Leitungen durch 380.000-Volt-Leitungen ersetzt werden.

Wie geht das genau? Zwischen Wesel und der Umspannanlage Utforth in Moers werden neben den bisherigen 36 Meter hohen Hochspannungsmasten neue, mit rund 70 Metern doppelt so hohe Maste aufgestellt und durch Leitungen miteinander verbunden. Auf diesem Teilabschnitt soll an die neuen Hochspannungsmasten zusätzlich eine 110.000-Volt-Leitung angehängt werden. Die bisherigen Masten sollen anschließend abgebaut werden. Ähnlich zwischen Utfort und Hüls-West. Auch dort kommen neue Hochspannungsmaste für 380.000 Volt neben die bisherigen, die am Ende verschwinden werden. Zwischen Hüls-West und St. Tönis gibt es bereits so hohe Maste, dass dort nur neue Kabel eingezogen werden müssen. Wo neue, viel höhere Hochspannungsmaste aufgestellt werden sollen, wird sich der Sicherheitsstreifen rund um die Hochspannungstrasse deutlich ausweiten. Denn ein solcher Stahlmast soll umfallen können, ohne ein Wohnhaus zu treffen.

Was kostet das? Amprion gibt die Kosten für den Streckenabschnitt Wesel bis Koblenz bislang mit rund 30 Millionen Euro an.

Was befürchten die Anwohner? An zahlreichen Orten entlang des 42 Kilometer langen Teilstücks haben sich bereits vor Jahren Bürgerinitiativen gebildet. Deren Mitglieder haben Angst vor den stärkeren elektromagnetischen Feldern der aufgerüsteten Stromtrasse. Sie glauben zudem, dass mit der Stromautobahn ein Wertverlust ihrer Häuser und Grundstücke kommt. Vor vier, fünf Jahren waren deshalb Erdkabel als Alternative zu den neuen, höheren Hochspannungsmasten mit dem stärkeren Stromkabel im Gespräch. Von den damaligen Überlegungen ist beim aktuellen Ansatz nichts übrig geblieben.

Wird nur Ökostrom durch die neuen Hochspannungsleitungen fließen? Nein – ein Netzbetreiber wie Amprion ist verpflichtet, keinen Stromanbieter schlechter zu behandeln als andere. Deshalb könnten auch Atomstrom aus Frankreich oder Belgien oder auch Kohlestrom über die neuen Leitungen fließen.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen diesem Projekt Nr. 14 und der Trassensuche im Kreis Kleve? Keinen – grob gesprochen handelt sich um zwei voneinander getrennte Leitungen, die erst im geplanten Stromkonverter Meerbusch-Osterath zusammenkommen. Der Kreis Kleve ist als eine von vier Trassenvarianten für jene Gleichstromverbindung A-Nord Windstrom aus dem Nordseeraum in Emden in Richtung Rheinland im Gespräch. Dieser Bypass soll 2025 in Betrieb gehen. Wo genau die Erdkabeltrasse verlaufen wird, steht noch nicht fest. Bei den Korridoren gibt es noch zahlreiche Alternativen, die derzeit geprüft werden.

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