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2020: Ein Jahr wichtiger Weichenstellungen im Viersener Ostkreis

Kommunalpolitischer Ausblick : 2020: Ein Jahr wichtiger Weichenstellungen

Die Kommunalwahlen im Herbst werden in den kommenden Monaten die politischen Diskussionen und Entscheidungen beeinflussen.

Das politische Geschehen wird im kommenden Jahr auch in den vier östlichen Städten und Gemeinden des Kreises Viersen die Kommunalwahl am 13. September beherrschen. Während in Kempen und Grefrath schon klar ist, dass die Amtsinhaber Volker Rübo und Manfred Lommetz nicht mehr ins Rennen ums Bürgermeisteramt gehen werden, hat Thomas Goßen aus Tönisvorst bereits bekannt gegeben, dass er noch einmal antreten wird. In Willich wartet unterdessen alles gespannt auf den 71-jährigen Josef Heyes, der beim Neujahrsempfang der Willicher CDU, so heißt es, endlich erklären will, ob er noch mal antritt oder nicht. Lange war erwartet worden, dass er sich wohl in den Ruhestand verabschieden würde, in den vergangenen Monaten mehren sich allerdings die Gerüchte, dass Heyes es doch noch einmal wissen will.

Spannend wird in allen Kommunen aber auch, wie sich die neuen Räte zusammensetzen. Wie sehr wird der Erfolg der Grünen auf Bundes- und Europaebene auch auf die Kommunalpolitik abfärben? Wie machen sich CDU und FDP? Wie wirkt sich die Krise der SPD aus? Und: Macht die AfD ihre Ankündigung wahr, in allen Kommunen antreten zu wollen? Vor allem Letzteres dürfte sich massiv auf den Wahlkampf auswirken, denn zu erwarten ist, dass eine AfD nicht mit Namen und Gesichtern für sich werben, sondern eher im Internet Stimmung machen wird.

Großartige politische Entscheidungen sind in den Räten bis zur Wahl nicht mehr zu erwarten, dafür gibt es überall aber einige bereits beschlossene Projekte, die nun auf den Weg gebracht oder umgesetzt werden.

Willich Fangen wir in Willich, der mit rund 52.000 Einwohnern größten Stadt im Ostkreis, an: Bis Ende Februar können Investoren noch ihr Gebot, mindestens 7,2 Millionen Euro, für die Katharinen-Höfe abgeben: In bester Innenstadtlage soll auf dem Gelände des ehemaligen Katharinen-Hospitals ein städtebauliches Schmuckstück mit Wohnungen für jeden Geldbeutel, Dienstleistungen und Einzelhandel entstehen. Auch der angrenzende Konrad-Adenauer-Park soll bei der Gelegenheit aufgewertet werden. Nicht weit entfernt liegt auch das Brauerei-Gelände, auf dem sich derzeit ein großer Parkplatz, ein Lebensmittelmarkt, ein in die Jahre gekommenes Gebäude der Stadtwerke und eine nicht sehr attraktive Einkaufspassage befinden. Auch hier soll sich einiges ändern, Pläne gibt es bereits, deutlich vorangehen soll es nun endlich im neuen Jahr, ist aus der Stadtverwaltung zu hören.

In Anrath fehlt seit der Schließung der Kaiser’s-Filiale ein Lebensmittel-Vollsortimenter. Auch hier hat sich die Stadt auf den Weg gemacht, einen Investor zu finden, der auf dem großen Parkplatz an der Raiffeisenstraße einen Supermarkt baut. Die Herausforderungen dabei: Es müssen genügend Parkplätze vorhanden sein, und die Fußgängerzone der Jakob-Krebs-Straße soll auch vom neuen Nachbarn profitieren. In Schiefbahn sollte sich demnächst klären, was aus dem geplanten Um- und Ausbau der Willicher Straße am „Schiefbahner Dreieck“ wird. Dort haben sich Anwohner massiv beschwert, weil sich die Kosten, an denen sie beteiligt werden müssen, inzwischen fast vervierfacht haben. Und in Neersen, dem kleinsten Stadtteil, wartet man gespannt darauf, ob das Rote Kreuz sein Versprechen wahrmacht, Anfang des Jahres endlich mit dem Bau des Altenheims zu beginnen.

Der leer stehende Altbau der Martin-Schule soll übergangsweise für die neue Oberstufe der Kempener Gesamtschule genutzt werden. Foto: Stephan Finger

Kempen In der ehemaligen Kreis­stadt ist man in den vergangenen Monaten bei vielen Projekten nicht so recht vorangekommen. Der Kita-Ausbau stockt, bei den Schulen ist die geplante Sanierung bereits seit mehr als zwei Jahren das beherrschende Thema. Zählbares hat man allerdings nicht erreicht, sich dafür aber ein weiteres Problem eingehandelt. Im Sommer 2020 startet die neue Oberstufe der Gesamtschule: Für die gibt es noch keine endgültige Unterbringung. Eine Übergangslösung wird bis zum Sommer nicht fertig sein. Also hat man sich bei der Stadt für die Interimslösung der Interimslösung entschieden. Klassenräume im leer stehenden Altbau der Martin-Schule (frühere Hauptschule) sollen so weit hergerichtet werden, dass sie vorübergehend für den Unterricht des ersten Jahrgangs der Oberstufe genutzt werden können. Langfristig muss das Gebäude – auch wegen Schadstoffbelastung – saniert werden.

Im Wohnungsbau läuft in Kempen derzeit fast alles nach Plan. Das Baugebiet im Süden („An der Kreuzkapelle“) ist fast voll, „Auf dem Zanger“ in St. Hubert wird eifrig gebaut. Ein Projekt der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft des Kreises Viersen am Heyerdrink in der Innenstadt ist ebenfalls im Zeitplan. Hier entstehen zum Teil auch Wohnungen zu sozial gebundenen Mietpreisen. Bei günstigen Wohnungen hat Kempen allerdings noch einen großen Nachholbedarf.

Noch ist die Tönisvorster Verwaltung nicht nur an einem Ort untergebracht. Im Rathaus an der Bahnstraße hat unter anderem der Bürgermeister sein Büro. Foto: Kaiser, Wolfgang (wka)

Tönisvorst In der Apfelstadt haben die Politiker eine wichtige Entscheidung zum wohl größten Projekt der kommenden Jahre gerade erst ins nächste Jahr vertagt: an welcher Stelle in Tönisvorst die Stadt ihren neuen Verwaltungsstandort haben will. So sagt der Standort fürs neue Rathaus am Wilhelmsplatz beispielsweise den Grünen nicht zu, weil er ihnen nicht zentral genug für Bewohner beider Stadtteile liegt. Für die SPD sind noch nicht alle Fragen beantwortet worden, die FDP möchte weitere Möglichkeiten wie an der Willicher Straße in Betracht ziehen. Die Investitionssumme hat es in sich: Die Stadt plant aktuell mit rund 25 Millionen Euro Gesamtkosten.

Digitalisierung, Brandschutz, ein Anbau an die Grundschule Corneliusstraße, der Neubau eines Fachraumzentrums für die weiterführenden Schulen, Sanierung des Schulzentrums, Dacherneuerung am Schulgebäude Kirchenfeld – Tönisvorst will in seine Schulen investieren: fast 14 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren, einiges davon wird im kommenden Jahr angestoßen oder weitergeführt.

Für Sanierungsarbeiten wie an der Straße „Laschenhütte“ in St. Tönis steht ein vergleichsweise deutlich geringerer Betrag bereit: rund 50.000 Euro für die Erneuerung der Deckschicht, um wiederkehrende Schlaglöcher zu verhindern.

Das Eissportzentrum in Grefrath ist ein großer Publikumsmagnet. Allerdings ist die Halle in die Jahre gekommen, sie muss saniert werden. Foto: Norbert Prümen

Grefrath In der Niersgemeinde Grefrath hat man in den vergangenen Jahren die Finanzkrise durch eisernes Sparen überwunden und ist aus der so genannten Haushaltssicherung heraus. Für das neue Jahr steht als wohl wichtigstes Projekt die Sanierung des Eissportzentrums an. Hier hat die Gemeinde den Kreis Viersen mittlerweile als Partner mit im Boot. Öffentliche Mittel für das Millionen-Projekt sind längst beantragt.

Auch die Zukunft der Bäder wird wohl weiter konkretisiert werden. Eine Schließung des Freibades ist noch nicht vom Tisch. Auch in Grefrath wird in den Kita-Ausbau und die Schulen investiert. Kleinere Neubaugebiete sind geplant. Das Projekt der Ortskernsanierung von Oedt läuft ebenfalls weiter.